Teilweise aktualisierter Artikel vom 26. September 2010
Holocaust-Leugnung und die LinkeSo lautet der Titel des ersten der drei Essays, die der Autor 2006 im israelischen Verlag Am Oved (Die arbeitende Nation) veröffentlicht; er ist 61 Seiten lang. Die beiden folgenden Essays behandeln den Holocaust und die guten Israelis und elaborieren Über das Politische und Antipolitische: Hannah Arendt, Eichmann und Israel. Das Buch ist in diesem Jahr in englischer und französischer Übersetzung erschienen. Es heißt in drei Sprachen unterschiedlich. Englisch geht es um Holocaust, Leugnung, Vergessen und die Delegitimierung Israels, französisch um Shoah, Negierung, Delegitimierung und Verteuflung (sic) Israels, und im Original ist's die Shoah. So ist es im Buch der Cambridge University Press angegeben.
Elhanan Yakira: Post-Tsiyonut, post-Sho'ah, Am Oved 2006
- Holocaust Denial and the Left
- The Holocaust and the Good Israelis
- On the Political and the Antipolitical: Hannah Arendt, Eichmann, and Israel
- Le négationnisme et la gauche
- La Shoah et les Israéliens bien-pensants
- Du politique et de l'antipolitique : Hannah Arendt, Eichmann et Israël
In Deutschland findet sich [bis heute, 18. April 2026] kein Verlag, das Buch deutschsprachigen Lesern zugänglich zu machen. Die beiden ersten Essays sollten uns genauso und der dritte noch mehr interessieren als anglophone und francophone Leser, was die deutsche geistige Welt anscheinend anders sieht, haben wir doch das Stelenfeld, womit es genug sein sollte.
Am Buchtitel fällt auf, daß in der hebräischen und französischen Ausgabe von der Shoah, in der englischen aber von Holocaust gehandelt wird. Hebräisch heißt Holocaust ha-schoâ und meint die Judenvernichtung, wie sie durch Juden erlitten worden ist. Der Pons kennt das Wort shoah nicht, wohl aber holocauste und Holocaust, offrir un animal en holocauste = Brandopfer, ein Tier als [Brand]opfer darbringen. Einen Hinweis auf die Judenvernichtung gibt es dort nicht.
le mémorial de l'holocauste = das Holocaustmahnmal [Stand: 18. April 2026]
Wikipédia definiert die Shoah: La shoah (hébreu "catastrophe") connue également sous le nom d'Holocauste, est l'extermination systématique par l'Allemagne nazie des trois quarts des Juifs de l'Europe occupée ... Die Shoah, ebenfalls bekannt unter dem Begriff Holocaust, ist die systematische Vernichtung von Dreivierteln der Juden des besetzten Europas durch Nazideutschland. Ort: Von Deutschland besetztes Europa, Wikipedia deutsch, englisch, französisch. Deutsche Juden sind nach dieser Definition nicht umgebracht worden - oder behauptet Wikipédia etwa, daß Deutschland und die Deutschen durch Nazis besetzt und zur Judenvernichtung gezwungen worden sind?
Im Angebot sind noch genocide, extermination, annihilation, Völkermord, Vernichtung, Auslöschung, die das Verbrechen besser kennzeichnen, aber sie haben keine Konjunktur, sondern die Begriffe Shoah und Holocaust, letzterer 1979 aus dem Französischen in die englische Sprache übernommen. Die Verschleierung um jeden Preis, wenn es um die Judenvernichtung geht, habe ich im Artikel Ex-Husband und Holocaust [vom 11. Juni 2002] thematisiert und hier zitiert:
Der angeblich neue Antisemitismus. 21. April 2018
"Das neudeutsche Lehnwort 'Holocaust' ist eine Zusammensetzung aus griechisch 'holos' in der Bedeutung 'ganz, total' und dem lateinischen Verbaladjektiv 'caustos' - 'angebrannt' (griech. 'kaio' - brennen)." Im Mittelalter heiße das Wort "Brandopfer darbringen", seit dem 17. Jahrhundert bezeichne es den "Feuertod von Menschen". "In seiner heutigen Bedeutung läßt sich das Wort 'Holocaust' mit 'Massenvernichtung' übersetzen, bleibt aber ohne Subjektbenennung neutral. Die einmalige Katastrophe der Vernichtung der Juden während der Herrschaft des Nationalsozialismus, die viel umfassender war als nur ein 'Feuertod vieler Personen', ist in dem Wort somit nicht enthalten. ... Bis dahin im Deutschen unbekannt, ist 'Holocaust' seither ungeprüft auf seine Kongruenz in den deutschen Sprachgebrauch übernommen worden und wird inzwischen mit erstaunlicher Ausschließlichkeit als Synonym für 'Judenvernichtung' gebraucht. ...
Während das bis dahin gebrauchte Symbolwort 'Auschwitz', ein Ortsname stellvertretend für die anderen Vernichtungslager, assoziativ noch einen deutlichen Zusammenhang zur Vernichtung von jüdischen Menschen herstellte, ist mit der Einführung des Begriffs 'Holocaust' ein Codewort entstanden, das die kausale Kette zwischen Tat und Benennung der Opfer unterbricht. Wie ein hermetischer Block schließt das fremde Wort/Fremdwort das Geschehen, das unaussprechliche Grauen ein, ohne die Spur einer emotionalen Assoziation zu erzeugen. Im Hegelschen Sinne wird das Grauen in einem unzugänglichen Begriff aufgehoben.
Das althebräische 'ha-shoa' bedeutet dagegen 'Heimsuchung, Vernichtung, Katastrophe' (vgl. AT Jes.10,3), hier bilden Wort und Wortsinn eine Einheit." Ha-shoa ist also ein Begriff, den die Juden gebrauchen, und dessen Gebrauch sich für uns nicht ziemt.
Die "erstaunliche Ausschließlichkeit", mit der bei uns Holocaust mit Judenvernichtung übersetzt wird, ist nicht so erstaunlich, wenn wir bedenken, daß eine Massenvernichtung von Menschen in dieser Form bei uns noch nicht vorkam, handelt es sich doch um sechs Millionen ermordeter Juden. Es ist also für uns Deutsche angemessen, "Holocaust" mit "Judenvernichtung" zu übersetzen, man möchte sagen rückzuübersetzen, den Originalzustand wieder herzustellen und sich endlich damit auseinanderzusetzen. Stattdessen bemühen sich deutsche Dichter und Denker, den Holocaust mit "k" zu schreiben und ihn so dem Deutschen anzueignen. Etwas Abstruseres gab es wohl selten. So stehlen wir uns immer weiter aus der Verantwortung, bis die Spur gar nicht mehr zurückzuverfolgen ist - was die Absicht sein dürfte.
Das Holocaust-Mahnmal in Berlin könnte man sich getrost sparen, denn wir Deutschen verbinden mit dem Begriff Holocaust nichts. Auf diesem Grundstück in bester Lage hätte anderes besser Platz gehabt. Die Errichtung eines Bankgebäudes wäre ehrlicher gewesen, aber das hätte der Stimmungslage der ins Jüdische diffundierten Frau Lea Rosh nicht entsprochen: "Dem Holocaust der Nationalsozialisten ein Mahnmal zu setzen, machte sich Lea Rosh zur Lebensaufgabe". Sie ist nicht die erste, die sich die Lösung nicht existierender Probleme zur Lebensaufgabe macht, daß die Steuerzahler aber dafür noch Millionen hinblättern müssen, macht die Sache ärgerlich.
Das Holocaust-Mahnmal wird somit ein Denkmal, das an etwas erinnern soll, mit dem niemand etwas verbindet. Ich behaupte, daß ein Mahnmal zur Erinnerung an die Judenvernichtung niemals genehmigt worden wäre. Die Debatte über eine Holocaust-Industrie kann heftig geführt werden, eine Debatte über eine "Judenvernichtungsindustrie" wäre unmöglich, da dieser Begriff für die industriell betriebene Vernichtung der Juden steht. Norman Finkelsteins "Holocaust Industry" wäre bei uns mit "Judenvernichtungsindustrie-Industrie" zu übersetzen. Da hätten sich der Übersetzer Helmut Reuter und und der Piper Verlag aber etwas einfallen lassen müssen. Ganze Abschnitte des Buches wären neu zu schreiben gewesen.
Holocaust laut Brandenburgischer Landeszentrale für politische Bildung:
"Der Begriff 'Holocaust' bezeichnet die systematische Ermordung von circa sechs Millionen Jüdinnen und Juden [!] durch Nationalsozialistinnen und Nationalsozialisten [!] zwischen 1933 und 1945." "Beim Begriff Holocaust wird manchmal auch die Ermordung anderer im Nationalsozialismus verfolgter Gruppen wie der Sinti und Roma mitbezeichnet. Der Begriff Shoah dagegen bezieht sich nur auf den Völkermord an den Juden."
Englisch-, französisch- und deutschsprachige Menschen werden mit den unzugänglichen Begriffen Holocaust und Shoah konfrontiert, die ihnen nichts sagen. Was bestreitet ein Holocaust-Leugner? Was negiert die Linke, welche Katastrophe?
Elhanan Yakira weiß darauf keine Antwort, sondern dieser sich offen in der Linken verankert sehende Philosoph operiert ebenfalls mit Shoah und Holocaust, obgleich seine Adressaten nicht in erster Linie Israelis, sondern alle für die palästinensische Sache begeisterten Linken weltweit sind. Wann endlich wird von ihnen die Auseinandersetzung mit der Judenvernichtung gefordert, mit der Geschichte des Zionismus, der Gründung des Staates Israel, der angeblich dem Holocaust geschuldet ist?
Wann werden die Begriffe von den Philosophen zurückübersetzt? Auch der Begriff Zionismus sollte nicht ohne Erklärung gesetzt werden.
- Antisemitismus -> Judenhaß, Judenverachtung, Judenfeindschaft
- Holocaust -> Judenvernichtung, Auslöschung der Juden
- Shoah -> Katastrophe für die Juden (!)
- Zionismus -> politisch-religiöse Bewegung zur Errichtung eines jüdischen Nationalstaates in Palästina
- Anti-Zionismus -> Aberkennung des Rechtes der Juden auf einen eigenen Staat durch selbsternannte Richter
Ideologische Perversion?
Elhanan Yakira stellt einige Holocaustleugner vor, Paul Rassinier, Robert Faurisson, Pierre Guillaume, Serge Thion und Noam Chomsky. (englische Paperback-Ausgabe, S. 5 - 45) Sie reduzieren die Judenvernichtung auf durch die Kriegsereignisse erlittene Schäden der Juden an Leib und Leben, streiten ab, daß Juden systematisch in Gaskammern umgebracht wurden, daß Juden als Juden vernichtet worden sind, Linguisten und Literaturwissenschaftler unter ihnen elaborieren ausführlich über die technische Unmöglichkeit, große Menschenmengen mit Zyklon B zu töten, und Noam Chomsky zertifiziert ihnen für all das Rederecht und Meinungsfreiheit. (S. 24)
Rudolf Höß dreht sich derweil im Grabe um. Deutsche Leser finden in meinem Archiv [und fanden auf meiner im Orkus verschwundenen Website] reichlich Beispiele von Leugnern und Negationisten des Holocausts und der Shoah sowie des Rechtes der Juden auf einen eigenen Staat, in alphabetischer Reihenfolge: Noam Chomsky, Robert Faurisson, Roger Garaudy, Pierre Guillaume, Ilan Pappé, Paul Rassinier, Serge Thion. Die Liste ist nicht vollständig, hinzu kommen zahlreiche Freunde, Unterstützer und Dulder derjenigen, die selbstherrlich den Juden und Israel die Identität und das Recht auf ihren Staat absprechen, unter ihnen Scharen von linken Juden in Israel und weltweit.
Die Ursprünge einer ideologischen Perversion : Der Anarcho-Pazifismus des Paul Rassinier (1906 - 1967) nennt Elhanan Yakira den Abschnitt über den Kommunisten, Sozialisten, Anarchisten. Hier wird die Verankerung des Autors in der Linken sehr deutlich, differenziert er doch zwischen Ideologie und ideologischer Perversion, die jedoch ist eine Tautologie. Jede Ideologie ist eine Perversion, er hätte es am Beispiel des Pazifismus erkennen können. Stattdessen meint er: Es ist hier nicht meine Absicht, pazifistisches Denken in Frage zu stellen. Pazifismus ist eine legitime philosophische und politische Position. Er kann mit vernünftigen Argumenten verteidigt werden, und er drückt ein altes und überschwängliches Ideal aus: Frieden. (S. 15)
In existentiellen Fragen haben diejenigen mit gesundem Menschenverstand oft den besseren Durchblick als Philosophen. Der Pazifismus ist eine Kriegswaffe. Pazifisten sind Krieger. Le pacifisme c'est une arme de guerre. Les pacifistes sont des guerriers. Pacifism is a weapon of war. Pacifists are warriors. Pazifismus ist am wenigsten friedlich von allen Ideologien. Pazifisten erklären sich freiwillig zu Kriegsteilnehmern einer Seite, meistens der gegnerischen, der sie schon vorab signalisieren, daß sie sich ihr nicht in den Weg stellen werden. Pazifismus kann mit keinem vernünftigen Argument verteidigt werden, Pazifismus ist das Gegenteil von dem, was er zu sein vorgibt, er verkehrt sich nicht unter gewissen Umständen in seinen diametralen Gegensatz, (S. 13) sondern er ist von Anfang an dieser Gegensatz. Auch kann Pazifismus keinen Preis bezahlen: Und wenn die Juden hätten geopfert werden müssen, um Krieg zu vermeiden, war das der Preis, den konsequenter Pazifismus zu zahlen bereit war. (S. 14) Ein Abstractum kann nichts zahlen, sondern die geopferten Menschen, in diesem Fall die Juden.
Hätte der Autor geschrieben Und wenn die Juden hätten geopfert werden müssen, um Krieg zu vermeiden, war das der Preis, den konsequente Pazifisten zu zahlen bereit waren, wäre es ihm vielleicht aufgefallen, daß Ideologen niemals zu zahlen bereit sind, das müssen immer die anderen, ob es sich um straffällig gewordene Sinti und Roma und andere Einwanderer handelt, die nicht ausgewiesen, ob 280 Bäume nicht gefällt werden dürfen, die einem modernen Bahnhof weichen sollen, es sind immer die anderen, die zur Kasse gebeten werden, niemals die Ideologen. In ihrer moralischen Überlegenheit sind sie nicht bereit, Verantwortung für ihre Taten zu übernehmen, diese Kategorien stammen nämlich aus der real existierenden Wirklichkeit und nicht aus ihrem Vokabular, sie sind der Wahrheit verpflichtet, und ihre Taten sind keine. Sie beanspruchen die Definitions- und Deutungshoheit und bemühen sich, sie durchzusetzen, ob es um genveränderten Mais, die Ansiedlung eines israelischen Exportunternehmens im Hafen von Sète oder die Diffamierung des Thilo Sarrazin geht. Es zahlen immer die anderen.
Wie der Begriff "Ideologie" schon sagt, hat er mit Politik nichts gemein, sondern mit Ideen. Ideologien und ihre jeweiligen geschlossenen, totalitären Systeme sind realitätsresistent und nicht politisch. Es versteht sich, daß derjenige, der zwischen Pazifismus als legitimer philosophischer und politischer Position und ideologischer Perversion unterscheidet, auch zwischen Islam und Islamismus trennt, das eine gut, das andere übel. Einem solchen fällt nicht auf, was es bedeutet, daß Roger Garaudy zum Islam konvertiert ist, er bringt sogar Liebe ins Spiel, er sei einer Frau wegen übergetreten. Es ist immer umgekehrt: So wie Hannah Arendt sich in Martin Heidegger verliebt hat, weil sie dessen Ideologie nichts entgegenzusetzen hatte, so verliebt sich aus der Affinität zum Islam Roger Garaudy in eine Muslimin. Nicht "Liebe macht blind", sondern hier macht Blindheit Liebe.
Der Autor rechtfertigt unbeabsichtigt seitenweise das Treiben der antisemitischen, israelfeindlichen Gruppen, oder, milder ausgedrückt, er läßt ihnen vieles durchgehen und muß sich sehr anstrengen, seine Argumente gegen sie auf die Reihe zu bekommen; er steht sich selbst im Wege. Hinzu kommt, daß er vom Islam keine Ahnung hat, keinen blassen Schimmer! Die Leugnung der Judenvernichtung ist für Judenhaß und -verachtung der Muslime nicht wesentlich; denn ihnen liegt der Koran zu Grunde, die Politideologie Islam. Muslime bedürfen der Negation nicht, sie ist nur ein zusätzliches wohlfeiles Argument. Daher ist es nicht verwunderlich, daß Muslime gleichzeitig die Judenvernichtung bestreiten und den Juden vorwerfen können, sie würden mit ihr Geld schinden. Der arabische Anti-Zionismus speist sich aus anderen Quellen als derjenige der europäischen linken und rechten Anti-Zionisten. Muslime erkennen Juden eine eigene Identität zu, wenn auch eine minderwertige, die in einer Ecke der islamischen Ummah vegetieren und dafür Kopfsteuer bezahlen darf, der europäische Anti-Zionismus erkennt den Juden eine eigene Identiät und damit ein Recht auf einen Nationalstaat ab.
Schon den Begriff "Existenzrecht" auf ein Mitglied der internationalen Staatengemeinschaft anzuwenden, ist eine weder durch Gesetz noch Moral gerechtfertigte Anmaßung, die Linke heuer mit einer seit 1967 nicht gekannten Leichtigkeit praktizieren: thumb down, und fertig!
Der Philosoph Elhanan Yakira bedient sich des Ausdrucks "Judophobie" (S. 27 und 30). Judenhaß aber ist keine krankhafte Angst, keine Abneigung, Aversion, wie Wiki sie definiert. Aversion bezeichnet die Neigung eines Organismus, auf bestimmte Reize mit Unlust zu reagieren. Demnach wären Juden ein Brechmittel, oder sie lösten Allergien aus. Judophobie ist ein eben solcher Nicht-Begriff wie "Islamophobie". Mit beiden wird etwas Verschiedenes umschrieben, einmal handelt es sich um ein durch nichts begründetes Ressentiment und im anderen Fall um eine durch Theorie und Praxis begründete Gegnerschaft, um Islamkritik. Nichts Krankes hie wie da. Wer von Judeophobie spricht, hat keine Argumente, wenn Tariq Ramadan sich zum "verunglimpften muslimischen Juden" stilisiert.
Roger Garaudy und der "islamistische Humanismus"
Der Autor schildert (S. 46 - 51) kurz den Werdegang des ehemaligen kommunistischen Funktionärs, der 1970 aus der Partei ausgeschlossen wird, weil er erklärt, die SU sei kein sozialistischer Staat, aus der Öffentlichkeit verschwindet, konvertiert und mit Beginn des ersten Libanonkrieges zum Kämpfer gegen Israel und den Zionismus wird, es wird ihm zur Obsession.
Der Abschnitt ist überschrieben: Holocaust-Leugnung und islamistischer Humanismus. Drei Bücher schreibt Roger Garaudy, in deren erstem er Saudi-Arabien und den damaligen König Fahd angreift als Kollaborateure mit der "amerikanischen Invasion", als politische Prostituierte, eine Hochburg des Fundamentalismus und eine Krankheit im Körper des Islam. Es folgt ein zweiteiliges Buch über den katholischen Fundamentalismus und schließlich das dritte des "Tryptichons": Les myths fondateurs d'Israël, die Gründungsmythen Israels. (S. 47)
Roger Garaudy weiß wie jeder Ideologe, wie's richtig sein müßte in den drei Religionen, Israel bedeute einen Verrat an den Idealen (sic) und Werten der Propheten Israels. Es ist über jeden Zweifel wahr, was Roger Garaudy meint, er kennt die Werte der Propheten Israels. Er belege alles mit Zitaten von Lord Balfour bis zur Haaretz. Besonders schätze er die "Neuen Historiker der Hebrew University" und andere Anhänger eines gerechten Friedens, wie Moshe Zimmermann, Baruch Kimmerling und Tom Segev, deren Deutungshoheit über das, was gerecht ist, vorausgesetzt wird. (S. 47f.). Nebenbei verwechselt Elhanan Yakira den Reichsminister Rudolf Hess (1894 - 1987) mit dem Kommandanten von Auschwitz Rudolf Höß (1900 - 1947), aber was bedeutet Kritik an Kleinigkeiten in Anbetracht dessen, daß der Leser im ganzen Abschnitt nichts über "islamistischen Humanismus" erfährt.
Warum will das in Torrance, Kalifornien beheimatete Institute for Historical Review, die Ansammlung der Leugner der Judenvernichtung, seinen 14. Revisionistenkongreß in Beirut abhalten, er soll vom 31. März bis 3. April 2001 stattfinden? Warum verbietet die libanesische Regierung diesen Kongreß?
Warum veranstaltet die Jordanian Writers' Association (JWA), die eine Normalisierung der Beziehungen zu Israel ablehnt, am 13. Mai 2001 eine Konferenz "What Happened to the Revisionist Congress in Beirut?" Was geschah mit dem Revisionistenkongreß in Beirut? Warum verbietet die jordanische Regierung die Konferenz nicht, obgleich Israel mit Jordanien 1994 einen Friedensvertrag unterzeichnet hat?
Elhanan Yakira nennt nicht das genaue Datum des Beirut-Kongresses, benennt die JWA falsch, als Jordanian Writers' Union, und das Datum der Konferenz ist ebenfalls nicht korrekt, sie findet nicht im Mai 2003, sondern am 13. Mai 2001 statt, was in Anbetracht des 11. September 2001 von Bedeutung ist. Es wird nicht mitgeteilt, daß es sich im Gegensatz zum geplanten Beirut-Kongreß um eine rein arabische Veranstaltung handelt.
Der Autor erwähnt dann noch die Holocaust-Konferenz in Teheran, sie habe kürzlich stattgefunden. Wann? Das ist ihm nicht wichtig, wohl aber, daß sie nicht als antisemitisch bezeichnet werden könne.
Das kommt, wenn man für Vorgänge in islamischen Staaten den unzutreffenden Begriff "Antisemitismus" gebraucht. Dort herrscht Judenhaß und -verachtung, und die sind sehr wohl gegen die Juden gerichtet. Die Teilnahme der Clowns von Neturei Karta ändert daran nichts, sie werden vom Iran als Aushängeschild benutzt und bezahlt. Anstellig, wie sie sind, kommen sie zur Gründung der antizionistischen Partei durch den Iran nach Dünkirchen und halten ihre lustigen Hüte und Löckchen in die Kameras. Im Centre Zahra sind sie gern gesehene Gäste, immer in der ersten Reihe, wenn's etwas zu demonstrieren gilt, gegen die Shoah in Gaza beispielsweise.
Im ganzen Abschnitt kommt nichts vor vom "islamistischen Humanismus", weder negativ noch positiv. Es ist aber heutzutage so, daß die Aktivitäten der muslimischen Judenhasser und Israelfeinde in den islamischen Staaten und in Europa das Problem Nr. 1 sind. Die alten Garden der Holocaust-Leugner, von Paul Rassinier bis Serge Thion, sind die seit mehr als 40 Jahren verstorbenen oder noch lebenden, inzwischen pensionierten Relikte der Vor-Islamisierungszeit. Die Gemeinschaft der Schande (S. 51 - 62) wird heuer angeführt von Muslimen. Elhanan Yakira erwähnt sie nebenbei, die Linken wären Mitglieder sonderbarer Allianzen mit der extremen Rechten und islamischen Fundamentalisten. Von letzteren werden die Linken als nützliche Idioten eingesetzt, wie die Neturei Karta. Von den konkurrierenden Totalitarismen NS, Kommunismus/Sozialismus, Islam hat dieser längst die Führung übernommen, und zwar religiös und politisch, so vollständig, wie NS und Kommunismus/Sozialismus es nie vermocht haben. Die Linken dürfen mitmachen, die Islam-Lobby in Politik und MSM bilden, die Frauen dabei auf dem Frauendeck der Gaza-Flottille.
Der Holocaust samt Adolf Eichmann spielt keine wesentliche Rolle, er ist im Gegensatz zur Ansicht des Autors nicht das effektivste Argument im ideologischen Kampf gegen Israel. (S. 54) Die auf dem Umweg über den Holocaust auf Israel projizierte Theologie der Schuld hat sich längst verselbständigt, das gerade ist ja das Problem, daß eben die Linken, die "Nie wieder Auschwitz!" rufen, damit inhaltlich nichts mehr verbinden, sondern gemeinsam mit ihren muslimischen Bündnispartnern als Palästinenserfreunde Israel diskreditieren, delegitimieren und angreifen. Israel hat kein Existenzrecht, weil es auf muslimischem Territorium liegt, einmal muslimisch, immer muslimisch. Das könnte Elhanan Yakira in der Hamas-Charta nachlesen: Jeder Muslim ist verpflichtet, solches Land zurückzuerobern, jeder nach seinen Möglichkeiten, auch Frauen und Sklaven sind zum Kampf aufgerufen; sie brauchen dazu ihre Herren nicht zu fragen.
Die linken Holocaust-Leugner und die Schande
Der Anti-Zionismus, einschließlich dem der Linken wird (!), nicht kann möglicherweise, zu einer Position der Vernichtung führen. Der Autor bewertet dabei das Gewicht des Holocaust über. (S. 55) Muslime, die sich daran machen, Israel von der Landkarte zu tilgen, benutzen als Argument die Palästinenser und nicht den Holocaust. Er faßt in einer Liste von 13 Punkten zusammen, was die Community of Opprobrium, die Gemeinschaft der Schande, soziologisch, strukturell und thematisch besonders charakterisiert: (S. 56 - 62)
- Der Holocaust als Rechtfertigung für die Gründung Israels und für seine Handlungen
- Erpressung, Mißbrauch und Manipulation
- Verantwortung
- Das Opfer
- Einzigartigkeit
- Der wissenschaftliche Vorwand/Pseudowissenschaft
- Die offizielle Geschichtsschreibung
- Theorie und Kritik
- Die Bruderschaft der Verfolgten und derjenigen, die ihrer Zeit voraus sind
- Allein gegen alle
- Das Alibi
- Das Dilemma, wie man antworten soll
- Die Leugner-Gesellschaft und ihre Unterstützer
Ich fürchte, die beiden folgenden Essays bringen außer Informationen zur Geschichte der Holocaust-Leugnung nicht viel Klärung, was heute ansteht. Es geht weiter um die Einschätzung des Holocaust durch die Linken, Holo als Alibi, Holo als Instrument, Psychologieprofessor Yosef Grodzinsky, Fachgebiet Neurolinguistik, der selbsternannte Sprecher aller toten Juden und ihrer Nachkommen, Verkünder seiner Meinung als Wahrheit, wird vorgestellt als einer, der Israel des Verrats und der Ausnutzung des Holocausts bezichtigt. (S. 126 - 137) In Montréal, Kanada, an der Mc Gill University, können sie ihn gut gebrauchen, chronisch unterfinanziert, wie sie sind. Mit solchen Lehrkräften wirbt man Geld der arabischen Ölscheichs ein. Auf seiner Website führt er eine Rubrik History, Shoah, Geschichte, Shoah, letzteres hebräisch geschrieben [nicht mehr online].
YOSEF GRODZINSKY. THE ELECTRONIC INTIFADA
Das Buch von Elhanan Yakira habe in Israel und in den USA eine riesige Debatte ausgelöst, schreibt Allegromanontroppo in der Amazon-Rezension. Es sei an der Zeit, daß auch in Frankreich eine Diskussion darüber stattfände, aber die MSM täten sicher alles, sie zu unterdrücken.
In Deutschland gibt es nicht einmal die Möglichkeit, das Buch auf deutsch zu lesen. Ich befürchte, daß die Diskussion überhaupt zu spät kommt. Die Muslime, die in dem Buch kaum erwähnt werden, bedürfen des Holocaust nicht zur Delegitimierung Israels, sie aber geben die Richtung des Kampfes vor, die Linken reihen sich ein, sie haben nach den abgewrackten Lehren von Lenin, Stalin, Mao, Trotzky und Pol Pot eine neue Politideologie gefunden, den Islam. Ob Ilan Pappé und Norman Finkelstein nun noch gegen den angeblichen Mißbrauch des Holocaust zur Rechtfertigung der Existenz Israels und seiner Taten anschreiben, und Yosef Grodzinsky die toten Juden vertritt, ist nicht mehr das Thema, sondern der direkte Angriff auf Israel ist angesagt, die Durchbrechung der Blockade. Hamas, Hezbollah, Houthi, die türkische IHH sind für die linken Politiker und MSM die legitimen Herausforderer Israels, sie sind al-Manar, der Leuchtturm. Die gefährlichsten Gegner Israels sitzen nicht in der Hebrew University und den Universitäten Amerikas und Englands, sondern in der islamischen Welt. Ihre Lobbyisten findet man unter europäischen und amerikanischen Politikern, ihre Schreiber in den Redaktionsstuben dieser Länder.
26. September 2010


