5. Januar 2012

Bundespräsident. Des Sonntags, wenn man Unruh' hat, truderidera

Am Sonntag, den 11. Dezember 2011, ist was los! As-salâmu alaykum, wenn'se vorbeikumm', könn'se ma' rei'kumm! Wer, wo und wann?

Der Hauptredner Christian Wulff zwischen 11:00 und 13:00 Uhr UTC/GMT + 3 oder 9:00 und 11:00 Uhr MEZ, auf dem Vierten Forum der Allianz der Zivilisationen. Dort bekennt er sich den muslimischen Teilnehmern gegenüber als Dhimmi, in dem er Deutschland dem Islam öffnet: "Sehr geehrte Damen und Herren, in meiner Heimat werbe ich für die Anerkennung des Islam, weil er inzwischen zu unserem Land dazugehört - das haben längst nicht alle akzeptiert. Und in muslimisch geprägten Ländern rufe ich dazu auf, Christen und anderen religiösen Minderheiten Schutz und freie Entfaltung zu geben. Staat und Kirche müssen getrennt sein." Der Nachsatz mit den Christen geht im Beifall unter, den akzeptieren nicht nur nicht alle Muslime, sondern korankonform keiner von ihnen.

Zur Rolle der Medien weiß der Bundespräsident - der Besitzer des unabhängigen Mediums Al-Jazeera und Gastgeber des demokratischen Staates Katar Scheich Khalifa Al Thani, der Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki-moon und ihnen freundschaftlich verbundene Honoratioren lauschen ihm:

"Unsere Welt ist mehr denn je durch Medien, Märkte und Migrationsströme verbunden. Das hat sein Gutes: Videos von Gewalt in einigen arabischen Ländern etwa haben weltweit Erschütterung, Empörung und globale Solidarität hervorgerufen. Andererseits können mit den neuen Kommunikationsmitteln Vorurteile geschürt und verbreitet werden, etwa die Vorbehalte und Ängste gegenüber dem Islam.

Darum ist der Wert von unabhängigen Medien, die sachlich und fair berichten, die in der Region verankert sind und damit Glaubwürdigkeit besitzen, nicht hoch genug einzuschätzen!"

Derweil geht an eben dem Sonntag, um 6:49:45 Uhr MEZ, ungefähr zwei Stunden vor der Offiziellen Eröffnungssitzung, der Fragenkatalog des Journalisten und Frühaufstehers Martin Heidemanns, aus der in der Region Deutschland verankerten BILD, mit sechs Fragen und Deadline für die Antworten, um 16 Uhr MEZ, 18 Uhr Katar Time, beim (Noch)Vertrauten Olaf Glaeseker im Bundespräsidialamt ein, von wo er gewiß umgehend ins Emirat geschickt wird und dem Ersten Deutschen im Staate den Vormittag verhagelt. Die Zeit für die Antwort ist knapp bemessen, wenn man an die üppigen alkoholfreien Freßgelage der Muslime denkt! Selbst für mich kleinen Krekel ist seinerzeit in Kuwait ein ganzes gebratenes Lamm in den vergoldeten Saal getragen worden, Stunden knabbert man an Pistazien, ißt Vor-, Haupt-, Zwischen- und Nachspeisen. Danach kann niemand mehr einen zinsgünstigen Kredit eines Freundes an den Vorschriften des Niedersächsischen Ministergesetzes messen.

Olaf Glaeseker feilscht wie im orientalischen Basar um Aufschub, und um 12:11:47 Uhr MEZ, man leitet Christian Wulff eben zum Mittagessen, kann Martin Heidemanns Entwarnung geben: Die Veröffentlichung wird um einen Tag verschoben. Ein weiterer Aufschub der Berichterstattung sei nicht möglich. Das Bundespräsidialamt liefert die Antworten, Christian Wulff zieht sie zurück. Es folgt angeblich ein auf dem Anrufbeantworter (!) des Kai Diekmann festgehaltener Redeschwall des Bundespräsidenten aus dem fernen Katar, mit Drohungen, wovon die beste ist, er werde seine Beziehungen zum Springer-Verlag beenden.

Nicht nur aufmerksame Zuhörer des Interviews von ARD und ZDF, sondern erst recht die Mitarbeiter der BILD-Zeitung, allen voran ihr Chefredakteur Kai Diekmann, wundern sich über die Darstellung des Modus der Veröffentlichung. Ich notiere dazu, als ich's im Ersten höre: Er lügt schon wieder! Er hat die Stellungnahme zurückgezogen!

Nun fordert Kai Diekmann den sehr geehrten Herrn Bundespräsidenten mit dessen eigener Argumentation zur Transparenz auf, die Veröffentlichung seiner Worte in Schriftform zuzulassen, um Mißverständnisse auszuräumen. Da sollte der besser zustimmen, denn sonst wird der Springer-Verlag eine gerichtliche oder anderweitige Klärung herbeiführen.

Letzter stand: Wulff lehnt Veröffentlichung seines Anrufs bei BILD ab. Brief anbei.

Das Ende dieses für sein Amt viel zu kleinen Bundespräsidenten ist besiegelt. Kein deutscher Politiker hat es nötig, sich dazu die Finger schmutzig zu machen, die Bundeskanzlerin muß ihn nicht fallenlassen, die Oppositionsparteien brauchen ihrer Aufgabe nicht nachzukommen und den Rücktritt verlangen, im Gegenteil, sie alle haben demnächst viel Zeit, ihn zu bemitleiden.