8. Dezember 2012

Islam. Offener Brief an Volker Kauder


Sehr geehrter Herr Kauder,

wie der WELT-Artikel von Robin Alexander Religionsfreiheit weltweit durch Islamismus bedroht zeigt, machen auch Sie leider den Fehler, die Ursache der Bedrohung nicht korrekt zu benennen. Aus welchen Gründen das geschieht, wissen Sie selbst am besten. In Frage kommen Unwissen oder Wissen, das von Ihnen bewußt nicht eingesetzt wird. Die Religionsfreiheit ist nicht durch "Islamismus", sondern durch den Islam bedroht. Es ist die totalitäre Ideologie des Islam, der andere Religionen nicht neben sich duldet. Ein Blick in die Geschichte der islamischen Eroberungen, ab dem 7. Jahrhundert, könnte hilfreich sein.

Juden und Christen werden im islamischen Machtbereich nur dann als Dhimmis geduldet, wenn sich die Herrscher davon finanziellen und Machtgewinn versprechen. Kalifen und Sultane machen über Hunderte von Jahren Rechnungen auf, wie sie sich besser stehen, wenn sie die Juden und Christen ermorden, vertreiben, ihre Güter konfiszieren, oder wenn sie sie leben lassen und die jährliche Kopfsteuer einziehen. Sie hindern konversionswillige Juden und Christen, zum Islam überzutreten, wenn der Wegfall der Kopfsteuer ihnen zu große Verluste einbringt.

Was die Muslimbrüder, Marke Hassan al-Banna, und die Salafisten, Marke Muhammad Abdul Wahhab, angeht, so werden die einen von Katar, die anderen von Saudi-Arabien finanziert, diverse Scheichtümer finanzieren mal die einen, mal die anderen, je nach kurzfristigem Interesse. Was die Radikalität der Strömungen betrifft, so ist die bei beiden gleich, es muß von den Muslimbrüdern nur eine andere Strategie und Taktik eingesetzt werden als von den Salafisten. Das ist der jeweiligen Zahl der Unterworfenen im Einzugsbereich sowie den jeweiligen Geldgebern geschuldet.

Katar ist der Staat, in dem Bundespräsident a.D. Christian Wulff neulich auf dem Weg zum Emir war, der Staat, der sich in Frankreich eben mit  mindestens 50 Millionen Euro zur besseren Islamisierung in die Vorstädte einkauft und mit 10 Milliarden Euro in die Unternehmen Frankreichs. So erspart sich Staatspräsident François Hollande, Strukturreformen durchzuführen, er schönt den Jahreshaushalt durch Finanzspritzen aus Katar.

Bei der heutigen Gemengelage in den arabischen Staaten ist es für die Herrscher nicht ratsam, Christen zu dulden oder gar zu fördern. Es widerspricht ihren finanziellen Erwägungen. Katar und Saudi-Arabien bezahlen nicht dafür, daß sich die Christen in Ägypten profilieren und allein durch Anwesenheit, ihre Lebensart, durch ihre Aktivitäten, zeigen können, daß der Islam ein in den Untergang führendes totalitäres System ist. Die Christen dort, Juden sind ja eh schon seit Jahrzehnten vertrieben, sie haben die gleiche Rolle wie Israel inmitten der arabischen Staaten. Sie demonstrieren, daß der Islam eben nicht die überragende Religion ist, daß Allah nicht auf Seiten der Muslime steht oder gar für sie arbeitet.

Präsident Mohammed Mursi kann nur die Politik betreiben, die er heute betreibt, alles andere brächte ihm das Ende seiner Herrschaft. Ob der Tourismus dabei einbricht oder nicht, das ist keine Kategorie des Islam, so denken die Muslime nicht. Ihr Drohen mit Konsequenzen entlockt ihnen ein müdes Lächeln.

Was ein Fraktionschef der CDU Volker Kauder, ja, was eine Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu meint, das geht ihm am Arsch vorbei (sorry!). Es ist nicht Deutschland, das antritt mit Milliarden Dollar/Euro, um die Muslimbrüder und die Salafisten zu finanzieren. Die USA weiß er auf seiner Seite. Barack Obama hat mit seiner Rede vom 4. Juni 2009 Islamgrünes Licht gegeben: Barack Hussein Obama in Kairo. Die Aufhetzung der "drei Kreise". Er hat Hosni Mubarak entgegen dessen Willen genötigt, die Muslimbrüder einzuladen. Seine Beraterin, die Muslimschwester Dalia Mogahed, hat ihm Verdrehungen und Lügen über Islam und Koran in die Rede geschrieben.

Es geht nicht um moderaten Islam im Gegensatz zu Islamismus, wie Ihnen die Muslime, von Recep Tayyip Erdogan bis zum geringsten Imam der Al-Azhar-"Universität", immer wieder zu erklären versuchen. Es gibt im Islam einander bekämpfende, um die Vorherrschaft ringende Strömungen, der Islam ist ein Nullsummenspiel, wie NS und Sozialismus: Die oder wir, das ist die Losung im Kampf gegen die Ungläubigen sowie im Kampf untereinander. Solange Sie das in die Leerformel "Islamismus" entsorgen, solange werden Sie den Feind nicht erkennen.

Bitte, hören Sie nicht auf falsche Berater, die Ihnen weismachen wollen, daß Islamismus = Mißbrauch des Islam. Es handelt sich um Augenwischerei. Gerade jetzt meldet sich Prof. Bassam Tibi wieder mit solchem Schmarrn, und diejenigen, die auf die eine oder andere Weise am Tropf des Petrodollarstromes hängen, sind ganz begeistert, allen voran Kreise um Barack Obama, seine Außenministerin Hillary Clinton und ihre Beraterin Huma Abedin.

Sehr geehrter Herr Kauder, im Interesse unserer, der deutschen Gesellschaft, wäre es angebracht, daß Sie sich sachkundig machen darüber, daß es Islamismus nicht gibt, daß diese Leerformel von denjenigen eingebracht wird, die sich Islamisierung und Einführung der Scharia weltweit zum Ziel gesetzt haben.

Mit freundlichen Grüßen!
Dr. Gudrun Eussner