13. März 2014

Reisen in das Land der Kriege. 2002 - 2008 - 2014

Eine Erinnerung aus Anlaß des Ukraine-Konfliktes.

 2 Updates
Serbien tritt der EU bei und unterwirft sich dem Islam
Doku über den NATO-Einsatz in Jugoslawien

Es funktioniert immer gleich.

Sagt Ihnen der Name Osama bin Laden noch etwas? Sie erinnern sich noch dunkel an das Monster, das seinen Häschern tot oder lebendig $ 25 Millionen einbringen sollte? Sie haben inzwischen unverrückbare Nachricht, daß dieser Osama seinerzeit, ab 1979, so bis Mitte der 90er Jahre zunächst ein Hätschelkind der USA war [Foto mit Zbigniew K. Brzezinski] in ihrem Stellvertreterkrieg gegen die Sowjetunion und dann in ihrem Bestreben, [Zentralasien zu kontrollieren und] den Erdölreichtum Zentralasiens zu Schleuderpreisen für sich auszubeuten?

Dann können wir gleich weitermachen mit Slobodan Milosevic, dem nächsten Monster, das Ihnen sicher präsent ist, denn es steht nun vor dem NATO-Tribunal "International Tribunal for the Prosecution of Persons Responsible for Serious Violations of International Humanitarian Law Committed in the Territory of the Former Yugoslavia Since 1 January 1991 (ICTFY)". Der ausführliche Titel dieser Institution zeigt bereits, daß es sich um ein Sondergericht mit Schauprozeß und Sondergesetzgebung handeln muß, einen Ort zur Durchsetzung der "Lex Slobo".

Wie könnte es anders sein, war dieser jetzt von den USA und der "internationalen Staatengemeinschaft" Geächtete vor seinem Politaufstieg Bankier mit besten US-Kontakten. Noch bis zum Vertrag von Dayton, November 1995, war Slobodan Milosevic ein angesehener Verhandlungspartner der USA, die in ihm einen Garanten der Ordnung sahen. Wer's nicht glaubt, lese zu diesem Thema den Bericht des US-Staatssekretärs und Chefunterhändlers für Bosnien Richard Holbrooke: Meine Mission, in Übersetzung erschienen in München 1998, also zu einer Zeit, als die jetzt in der Anklageschrift aufgelisteten Milosevic-Verbrechen an den Albanern in Serbien/Kosovo ebenfalls bereits lange bekannt gewesen sein mußten.

In Deutschland und seinen Medien hatte Milosevic allerdings bereits seit Anfang der 90er Jahre einen schlechten Ruf. Das kam wohl daher, daß er den deutschen Interessen entgegenstand, die schon damals völlig andere waren als die der USA.

Diese und andere Informationen über das soziale, politische und militärische Geschehen in Ex-Jugoslawien erhalten wir in dem kompetent und mit sehr viel Liebe für Land und Leute geschriebenen Buch von Kurt Köpruner: "Reisen in das Land der Kriege. Erlebnisse eines Fremden in Jugoslawien", erschienen im Espresso-Verlag Berlin, August 2001. Der Autor fängt, möchte frau sagen, sein Buch ganz harmlos an: mit der Liebe zu einer Kroatin, im damaligen Jugoslawien. Aber, wie das so ist mit der Liebe, sie macht den einen blind, den anderen sehend. Letzteres trifft für Kurt Köpruner zu. Er, bis 1989 Vorarlberger Gewerkschaftsfunktionär, dem Jugoslawien zunächst eher aus seinen Besuchen folkloristischer Veranstaltungen der dort lebenden ca. 20 000 Jugoslawen bekannt war, hatte im Rahmen seiner neuen Maschinenbau-Tätigkeit mit einer Kroatin verhandelt und sich in sie verliebt. So wurde er zunächst in das Kriegsgeschehen in Kroatien verwickelt.

Wie der deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher vom Befürworter des Erhalts Jugoslawiens zum Anwalt für dessen Zerschlagung wurde, wie die Regierung Kohl/Genscher im Einvernehmen mit der deutschen Industrie die lukrativen Batzen Slowenien und Kroatien an sich brachte, mit dem allen wurde der Autor als Privatmensch hautnah konfrontiert. Da half ihm nur eines, sich sachkundig zu machen über die Zusammenhänge. Das hatte zur Folge, daß er zunehmend große Diskrepanzen zwischen seiner eigenen Anschauung und sowohl der internationalen Politik gegenüber Jugoslawien als auch der deutschen Berichterstattung zum Thema fand. [Emperor's Clothes Articles on Jugoslavia, last updated 14 March 2006]

Davon handelt das Buch, und mit zunehmender Sachkenntnis des Autors werden die Zusammenhänge, die Gründe zur Zerschlagung Jugoslawiens, zur Verteufelung Milosevic' und aller Serben immer klarer. Von Krieg zu Krieg, von Kroatien 1991-1995, über Bosnien 1992-1995, und schließlich Serbien, 1998-1999, erkennt er immer schärfer die hinter den leeren Reden der "internationalen Staatengemeinschaft" verborgenen wahren Interessen. Am Ende weiß frau eines: mit der Erhaltung und Wahrung von Menschenrechten, mit Demokratie und gar mit Fürsorge für die im ehemaligen Jugoslawien lebenden Menschen haben die völkerrechtswidrigen Kriegshandlungen der NATO nichts zu tun.

Besonders faszinieren mich die Ausführungen im Kapitel "Ruder Finn - oder: Dementis sind wertlos" (S. 159 ff.) Darin wird der französische Journalist Jacques Merlino zitiert, der auf die in Washington ansässige Firma Ruder Finn stieß. Sie verdient ihr Geld mit der Verbreitung von Nachrichten. Der Firmenchef James Harff plauderte aus der Schule, wie er für seine Auftraggeber Nachrichten, ob wahr oder erfunden, schnellstens an ausgewählte Multiplikatoren streut, und daß "nur zählt, was einmal behauptet wurde. Dementis sind dagegen völlig unwirksam."

The first statement counts. The retractions have no effect.

In Köpruners Buch kann man nachlesen, wie die Balkan-Arbeit dieser Firma gewirkt hat. Besonders stolz sei die Firma gewesen, die Juden der USA auf die Seite der "internationalen Staatengemeinschaft" und deren Absichten zu ziehen. Das muß eine Kunst gewesen sein, denn wie der Antisemitismus in Kroatien und Bosnien Zehntausende von Juden in kroatischen Konzentrationslagern vernichtet hat, konnte dem Gedächtnis der Entkommenen und der Nachkommen nicht entfallen sein. Der Trick war, in der Zeitung New York Newsday die Ereignisse in Kroatien, im August 1992, umzuschreiben und über angebliche serbische Konzentrationslager zu berichten. Dieses Reizwort reichte aus, um die drei großen jüdischen Organisationen [B'nai B'rith, Anti-Defamation League und das American Jewish Committee sowie den American Jewish Congress] aufzubringen. Protestkundgebungen wurden organisiert und die Serben wurden "im Handumdrehen" mit den Nazis gleichgesetzt. Dies berichtet der Ruder Finn-Firmenchef voller Stolz. Die Lager wurden allerdings niemals gefunden, da es sie nicht gab.

[Nachzulesen hier: Labeling the Serbs as Nazis – The Role of Ruder Finn, a US-Public Relation Firm. There Must be Justice, posted on December 1, 2012 by B. Ilic]


Pikant wird das alles zusätzlich dadurch, daß die amtierende Außenministerin Madeleine Albright [Maria Jana Korbel] und ihr Vater seinerzeit, im Zweiten Weltkrieg, von Serben versteckt und so der Vernichtung durch die Nazis entzogen wurden....

Köpruner berichtet zum Schluß über die Zeit nach Beendigung des 78-Tage-Krieges, über die leeren Versprechungen von Clinton, Schröder, Chirac und Blair, die im Sommer 1999 in Sarajevo eine Wiederaufbauhilfe für das durch den NATO-Krieg zerstörte Jugoslawien versprachen: Paroli, Paroli.

Wir wissen heute, daß abgehalfterte Westpolitiker auf den Balkan abgeschoben werden. Bodo Hombach, Carlos Westendorp, Bernard Kouchner, und wie sie heißen, verwalten auf Steuerzahlerkosten die Trümmer. Der Autor berichtet, wie sich Deutschland unliebsame Konkurrenten aus Bosnien und den anderen Republiken Jugoslawiens vom Hals hält, in dem die Deutschen Botschaften Visagesuche von Geschäftsleuten ablehnen oder den Prozeß schon von Anfang an so schwierig gestalten, daß eine Einreise unmöglich wird. Verdienen tun auf dem Balkan die deutschen Geschäftsleute. Die Währung ist dort schon jahrelang die Deutsche Mark.

In Bosnien blüht auch das Geschäft der US-Amerikaner für die NATO. Der Balkan ist eine lukrative Gegend für die Unternehmen der "internationalen Staatengemeinschaft". [Dick Chenney's Halliburton geht's in Bosnien gut, deutsche Firmen hingegen klagen über Hindernisse.]

Dem Kosovo und dem 78-Tage-Krieg der NATO gegen Jugoslawien widmet der Autor hundert Seiten. Die zu lesen, ist ein absolutes "Muß". Die Rolle des angeblich gemäßigten "Präsidenten" des Kosovo (die Albaner nennen es "Kosova") Ibrahim Rugova [pbuh], seit Anfang der 90er Jahre, die der Gangsterbande UCK und ihres seit 1996 wütenden Terrors gegen Serben, sowie auch Slobodan Milosevic' und anderer Größen wird deutlich. Mit fortschreitender Lektüre reist der Leser in das brutale Land der westlichen Interessen, er erkennt die Funktion der Balkankriege zur Rechtfertigung des Weiterbestehens der NATO nach dem Zerfall der Sowjetunion, zur Ausdehnung der US-Hegemonie in einen ideologiefreien Raum und in Richtung auf die Bodenschätze der Kaspischen Region, zur Sicherung der Unternehmergewinne der "internationalen Staatengemeinschaft", und dabei hauptsächlich der deutschen Unternehmen. Dafür wurden Völkerrecht und das Grundgesetz gebrochen sowie die UN-Charta außer Kraft gesetzt.

Über die "hehre" Rolle des Außenministers Joseph Fischer läßt das Buch keinen Zweifel offen. Er wußte schon spätestens im August 1998, welche Pläne die USA hatten. Ausführlich wird auch die Karriere des Chefunterhändlers von Rambouillet, des Oesterreichers Wolfgang Petritsch, des Förderers von Hashim Thaci, dargelegt. Das Buch läßt nichts aus. Zum Schluß erleben wir den abenteuerlustigen Autor Kurt Köpruner noch als Tourist im Kosovo, im Oktober 2000.

Die fehlenden Massengräber im Kosovo scheinen niemanden zu interessieren. Where are the Kosovo Killing Fields? hatte der US Think Tank STRATFOR.com schon am 17. Oktober 1999 gefragt. Die Antwort bleiben die Kriegstreiber bis heute schuldig.

Wer oder was ist die International Crisis Group? [Hier ihre Selbstdarstellung, 8. Mai 2001]


Trnopolje was not a death camp. It was not even a detention center. The men in the picture above were not prisoners. They were not enclosed by barbed wire. It was all illusion.

Using footage shot by a Yugoslav film crew that worked alongside the ITN crew, Judgment! shows what ITN really saw, and it shows, step by step, how film editors doctored ITN's raw footage, packaging a lie used to justify the destruction of Yugoslavia and the smearing of the Bosnian Serbs and their Muslim allies. Judgment. Lies about Bosnia.

Der Film der britischen ITN, vom August 1992, über angebliche Konzentrationslager in Bosnien [inzwischen zu Todeslagern für Muslime aufgewertet] wird bis heute als Dokumentation gezeigt und nicht benannt als Hoax, als Propagandatrick.

[Der Trick ist einfach zu erkennen daran, daß in einem echten Lager der Stacheldraht nicht innen, sondern außen angebracht ist. Video über das "Todeslager"]

Am 22. Juli 2008 zeigt das ZDF Spezial Ausschnitte daraus. Von der Vertreibung der Serben, Roma und Juden sowie der Zerstörung der serbischen mittelalterlichen Kirchen und Klöster [UNMIK/KFOR watch desecration of church] berichtet in den westlichen Medien niemand, auch heute nicht das ZDF, das keine Erklärung dafür gibt, warum die orthodoxe Kirche auf der Seite des Radovan Karadzic steht. Welche Rolle Zoran Djindjic in dem serbischen Streben in die EU spielt, wird demnächst gewiß auch noch in geschönter Version zur Sprache kommen. Die für die USA strategische Rolle Albaniens wäre auch noch eine ZDF-Doku wert, sie müßte ja nicht unbedingt von Guido Knopp inspiriert sein.

Ein Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofs (IGH), Den Haag, sieht in der Abspaltung des Kosovos von Serbien, am 17. Februar 2008, keinen Verstoß gegen das Völkerrecht. "Das internationale Recht kennt kein Verbot von Unabhängigkeitserklärungen", sagt IGH-Präsident Hisashi Owada in Den Haag bei der Verlesung des Rechtsgutachtens, liest man in ZEITOnline, vom 22. Juli 2010.

Jugoslawien. Kurt Köpruner: Reisen in das Land der Kriege.
November 2002 - 22. Juli 2008 - 13. März 2014

Kurt Köpruner (27.2.1951 - 1.7.2011)
REISEN IN DAS LAND DER KRIEGE
Erlebnisse eines Fremden in Jugoslawien
Vorwort von Peter Glotz
Espresso Verlag, Berlin 2001
EURO 19,90; 352 Seiten, gebunden, ISBN 3-88520-801-6

Jugoslawien. Kurt Köpruner: Reisen in das Land der Kriege. Rezension vom November 2002. Eine Erinnerung aus Anlaß der Inhaftierung von Radovan Karadzic, 21. Juli 2008


Update

Die beiden Verteidigungsminister Leon E. Panetta & Aleksandar Vučić

Serbien: Präsidentschaftskandidat mit 4 Milliarden aus (VAE) Emiraten im Rücken
EuropeNews, 13. März 201

Die Vereinigten Arabischen Emirate bauen derzeit ihren Einfluss in Serbien aus. 

Serbien verbrennt EU-Steuergelder und steht vor dem Bankrott

"Ich habe mich geirrt. Ich lag falsch. Ich war im Unrecht. Auch wenn es nicht leicht ist, 
gebe ich meine Irrtümer zu."

Aleksandar Vucic: from nationalist hawk to devout Europeanist
Agence France-Presse, globalpost, March 14, 2014 3:40am

Trotz der jahrelangen finanziellen Zuwendungen an herrschende Kreise in Serbien, Montenegro und in Mazedonien geht die Rechnung der USA nicht so einfach auf. Der Durchmarsch von der Adria bis zu den Erdölquellen am Kaspischen Meer ist teuer, und die Balkanpolitik kann nach Ansicht der USA deshalb keinesfalls den Europäern überlassen werden. Pointiert sagt der Bericht [Nach Milosevic: Eine praktische Tagesordnung für dauerhaften Frieden auf dem Balkan], daß die USA erst den Frieden auf den Balkan gebracht haben, und daß es die NATO war, die mit ihren Bombardierungen die Demokratie nach Serbien gebracht hat.

International Crisis Group. Selbstdarstellung, 8. Mai 2001 / 23.Juli 2008

The EU has in place a Stabilisation and Association Process (SAP) with five Western Balkans states, including the FRY. The SAP sets the framework for relations between the EU and the FRY and encompasses all the steps and facets needed to move the country towards eventual accession.

After Milosevic: A Practical Agenda for Lasting Balkan Peace.
ICG Balkan Report No. 108, International Crisis Group, Brussels 2001

See the Strategic Marketing public opinion poll commissioned by B92, “Perception of Truth in Serbia”, May 2001. More than half the citizens polled were unable to name a single crime committed by Serbs in the past decade. (Among the survey’s other findings, an overwhelming majority of respondents believed that Croatian and Muslim nationalism, the U.S., NATO and Europe were far more responsible than Serbian nationalism had been for the disintegration of the former Yugoslavia.)

A FAIR EXCHANGE: AID TO YUGOSLAVIA FOR REGIONAL STABILITY
ICG Balkan Report No. 112, Belgrade/Brussels June 15, 2001

Update

Es begann mit einer Lüge. Film (43:02) von Jo Angerer und Mathias Werth
WDR, 8. Februar 2001