1. August 2018

Familiennachzug für Wirtschaftsmigranten. Gebrauchsanweisung

Wie's aussieht, ist der Figaro-Korrespondent Nicolas Barotte in Urlaub, und so vertritt ihn Nathalie Steiwer, eine in Berlin anschaffende freie Korrespondentin.


Sie schreibt vom Kompromiß zwischen CDU und CSU über den Familiennachzug von Flüchtlingen. Im Figaro-Artikel heißen sie auch Migranten: 1 000 / Monat = 12 000 / Jahr dürfen nach nicht bekannten Kriterien ihre Familien nachholen, obgleich sie als Flüchtlinge doch nach Beruhigung der Lage wieder in ihre Heimat zurückkehren sollten. So ist der Begriff Migrant hier tatsächlich angebracht.

"Einwanderung: Deutschland bremst den Familiennachzug" [ Artikel für Abonnenten]
Immigration : l'Allemagne freine le regroupement familial. Par Nathalie Steiwer

Im Figaro ist dieser Kompromiß allerdings nicht "symbolisch", und es wird auch nicht die Rechnung aufgemacht wie in ihrem gleichzeitig auf LaLibre.be veröffentlichten Interview mit dem Migrationsforscher der Universität Osnabrück Professor Dr. Jochen Oltmer, der in der Überschrift zitiert wird: "La loi allemande sur le regroupement familial est avant tout un compromis symbolique". "Das deutsche Gesetz zur Familienzusammenführung ist vor allem ein symbolischer Kompromiß".

Ihn zitiert Nathalie Steiwer auf Twitter, am 31. Juli 2018: "Mit einer hypothetischen Anzahl von 60 000 betroffenen Personen und einem Kontingent von 12 000 Genehmigungen pro Jahr 'wird es nach Jochen Oltmer fünf Jahre brauchen' um alle Familien zu vereinen." Der Forscher geht also von einer durchschnittlichen Familie von Eltern und vier Kindern aus.

Am 28. Dezember 2017 beruhigt er im Bayerischen Rundfunk: "Es sind weniger, als viele glauben."

Im Figaro bringt  Nathalie Steiwer ein Beispiel, den 2013 nach Deutschland als Flüchtling eingewanderten Juwelier aus Damaskus Ahmad Saadi Mahayni. Bis 6. Juni 2013 twittert dieser Flüchtling über Ringe, Gold, Münzen und Burberry-Mäntel, und man fragt sich, wie das bei persönlicher politischer Verfolgung möglich ist: connect with me on LinkedIn. Er erhält einen Flüchtlingsstatus nach Genfer Konvention und kann deshalb, im April 2015, seine Familie nachholen. Die wohnt bis dahin in Jordanien, Ehefrau, drei Töchter und ein Sohn, und wenn man weiß, daß auch der Flüchtling nicht aus Syrien, sondern aus dem sicheren Land Jordanien nach Deutschland kommt, ist der Irrsinn vollendet.

"Jean-Yves Le Drian [Außenminister Frankreichs]
Audienz bei König Abdallah II: Jordanien, Zentrum der Stabilität im Nahen Osten und unverzichtbarer Partner zur Lösung von Krisen"
Jean-Yves Le Drian
@JY_LeDrian
Audience auprès du roi Abdallah II : la #Jordanie, pôle de stabilité au Moyen-Orient et partenaire indispensable pour la résolution des crises.

Ahmad Saadi Mahayni
Branches Manager [Zweigstellenleiter]
Shawkat Shami Jewelry
Location: Jordan - Amman
Education: High school or equivalent,
Experience: 13 years, 4 months

Laut Nathalie Steiwer arbeitet Ahmad Saadi Mahayni, der, kaum in Deutschland angekommen, Deutsch paukt; denn damit stehe und falle die Integration, bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Man erinnert sich an den Witz, den man als Schülerin machte, wenn eine sich vernachlässigt fühlte: "Um dich kümmert sich die Arbeiterwohlfahrt!" So anscheinend auch in diesem Fall.

Laut Christian Science Monitor, vom 2. Dezember 2015, ist er ein vollzeitbeschäftigter Berater der AWO: "Nach Deutschland zu gelangen ist nur Teil des Kampfes" [sic]. "Wenn Ahmad Saadi Mahayni sich mit neu in Deutschland angekommenen Flüchtlingen trifft, gibt er oft drei Ratschläge: Lerne die Sprache, versuche, Geduld zu haben und sei bereit zu einer Menge harter Arbeit."

Zur Zeit des Artikels sind in Deutschland bereits eine Million Migranten angekommen.

Gibt man seinen Namen auf der Website der AWO ein, bekommt man keinen Treffer. Bei Google gibt's einen Treffer. Auf der dänischen Facebook-Seite der NRO Refugee Service, Motto "Menschenrechte kennen keine Grenzen", wird die AWO Köpenick-Treptow erwähnt, die ihn aber nicht kennt. Da ich nicht mehr auf Facebook verkehre, kann ich nicht nachprüfen, was er, Issam Hussein und 16 andere dort schön finden, "liken".

Refugeeservice - Startside | Facebook
Relaterede sider. AWO Kreisverband Treptow-Köpenick e.V. ... Ahmad Saadi Mahayni, Issam Hussein, الوكح وسام og 16 andre synes godt om dette. 5 delinger ...

Die mit Steuergeldern geförderte NRO Refugee Service dient dem Lohndumping deutscher Arbeiter und Angestellten, in dem sie Flüchtlinge genannten Wirtschaftsmigranten hilft, Arbeitsplätze zu bekommen: "Das Projekt Refugeeservice.com bietet Flüchtlingen die Möglichkeit, Ihre Arbeitskraft auf dem deutschen Markt als Freelancer anzubieten".

2011 verläßt der Syrer Ahmad Saadi Mahayni des Kriegsausbruchs wegen Damaskus und siedelt sich in Jordanien an. Persönliche Verfolgung, nicht aber Kriegswirren sind  nach der Genfer Konvention, von 1951, Grund zur Anerkennung als Flüchtling. "Binnenvertriebene, Wirtschafts- und Umweltflüchtlinge fallen jedoch nicht in den Geltungsbereich. Auch Flucht vor Krieg muss nicht zwingend ein Anerkennungsgrund ein."

Als Flüchtling reist er jedoch von Jordanien 2013 nach Deutschland ein und ist einer der Wirtschaftsmigranten, die es schaffen, die deutschen Behörden an der Nase herum zu führen: "Er machte seinen Weg nach Deutschland, wo er in einem von der AWO in Berlin unterhaltenen Flüchtlingszentren wohnte, bis sein Asylantrag bewilligt wurde."

Der bei der AWO vollzeitbeschäftigte Flüchtling, der seine Familie im April 2015 nachgeholt hat, preist sich bei LinkedIn so an, Foto anbei:

Ahmad Saadi Mahayni
Sales Manager [Verkaufsleiter]
Berlin, Deutschland. Luxusgüter & Schmuck
Vormals: Shawkat Shami JewelryDamas Jewelry Kuwait
Ausbildung: Ibn Al Haytham Institute



Das irritiert Nathalie Steiwer aber nicht; denn sie weiß nichts davon. Sie berichtet auch nicht, daß die Profilierungskampagne des Horst Seehofer sich nicht auf die illegalen, nicht registrierten Migranten bezieht, denunziert aber die "rechtsextreme AfD", die von einer Million Migranten spreche, nämlich eben denjenigen, die sich unregistriert im Land aufhalten: 

In Wirklichkeit hätte das Auswärtige Amt 34 000 Asylanträge in seinen Konsulaten von Syrien, Jordanien, der Türkei, dem Libanon und anderen erhalten, wobei sie nicht erklärt, wieso aus diesen mit Ausnahme von Syrien sicheren Ländern überhaupt Asylanträge für Deutschland gestellt werden.

Und nun darf man fragen, was Le Figaro mit solcher Propaganda bezweckt.