Tehran, 17.3.65 Fortsetzung 2
Am Mittwoch [10.3.65] sind wir nach Ankara gefahren, wo wir in einem vornehmen Hotel übernachtet haben. Dort haben wir umgerechnet 4 DM bezahlt. Uns als eingefleischten Orientalen kam das schon sehr teuer vor. In Deutschland hätten wir dafür nicht einmal ein Kämmerlein bekommen.
Ich habe auch bei dem Sohn von Herrn Wiese angerufen, aber leider hat er mich nicht gebeten, ihn zum Abendbrot zu besuchen. Es wäre mir nicht ums Essen gegangen, das ist ja billig im Restaurant, aber ich dachte, er hätte sich gefreut, daß ich daran gedacht habe, Grüße zu bestellen. Dem war nicht so, und ich trauere jetzt noch um die 1 Lira, die ich für ihn hinausgeworfen habe.
Am nächsten Tag [11.3.65] sind wir bis Malatya gekommen. In der Gegend fing es schon an, ungemütlich zu werden. Nicht nur, daß die Straße in endlosen Schleifen ging, es gab auch meterhohen Schnee und Schneewehen. Wenn in einer Stunde 50 Kilometer geschafft wurden, war das viel.
Die Berge in der Türkei sind wundervoll und riesig. Es gibt, grob gerechnet, zwei Sorten, die einen sehen so ähnlich aus wie die Alpen, die anderen so wie bei uns Hügel, aber viel größer und mächtiger. Sie sind nicht zackig, sondern abgerundet. Die alpenähnlichen Berge leuchten in den herrlichsten Farben: türkis, lila, rot, grün, braun, in Streifen, manchmal alle Farben durcheinander, schräg oder waagerecht, manchmal sieht ein Berg aus, als wenn man oben waagerecht einfach die Spitze abgeschnitten hätte; dann kamen noch ganz viele, die genauso aussahen. Kleine Dörfchen sah man, die Hütten waren aus Lehm gebaut und sehr dürftig. Die Leute haben gewinkt, als der Bus vorbei fuhr. Niemand war so recht sauber, die Kleider würden wir als Lumpen bezeichnen.
Am Freitag [12.3.65] waren wir nach einer Fahrt durch Eis und Schnee abends in Erzurum. Das ist die trostloseste Stadt überhaupt. Kalt und schmutzig, langweilig und ärmlich. Wir waren in einem Hotel, in dem wir die ganze Nacht nicht schlafen konnten, weil so gegen 1 Uhr ein Bus aus Teheran ankam und sich eine Schar von Reisenden um Zimmer kloppte. Einige bekamen keines mehr und lamentierten die ganze Nacht im Flur herum. Zum Glück konnte ich am nächsten Tag [Samstag, 13.3.65] auf der hinteren Bank des Busses unter einer schönen Steppdecke, die ein Pakistaner mithatte, pennen. Es war überhaupt ein Glück, daß wir nur 8 Personen waren. Bis auf einen Deutschen, der immer nur blödes Zeug redete und über den Orient schimpfte, obgleich er hinfuhr, und Orientalen ihn auch gut verstehen konnten und sich wunderten, waren die übrigen Leute sehr nett und angenehm. Wenn man mit fremden Menschen 10 Tage zwangsweise auskommen muß, ist das sehr wichtig.
Die Hügel übrigens, von denen ich Euch eben schrieb, waren überhaupt nicht bewachsen, ganz kahl und mit Steinen voll, erstreckten sie sich Hunderte von Kilometern, immer wieder neue und andere, alle ähnlich, doch alle auch ganz verschieden.
Nach einem Mittagessen in Agri waren wir am Abend, gegen 22 Uhr, an der türkisch-persischen Grenze. Ehe wir da so durch waren, verging eine schöne langweilige Zeit. Es wurden, nachdem wir sagten, wir seien aus Westdeutschland, Österreich und Pakistan, nur noch die Perser kontrolliert, wir brauchten unsere Sachen nicht aufzumachen. Das war ein Glück; denn ich hätte nicht gewußt, wie ich alles wieder in den Koffer hätte stopfen sollen.
Wir sind dann die ganze Nacht durchgefahren bis Tabriz, wo wir um 5 Uhr 30 ankamen.
Fortsetzung folgt!
Auszüge aus dem Iran-Reisebericht einer Studentin. Berlin - Istanbul. 19. März 2026
Auszüge aus dem Iran-Reisebericht einer Studentin. Istanbul. 20. März 2026



