2. Januar 2015

Angela Merkel im Krieg gegen die Bürger


Es ist kaum zu fassen! Während der Figaro [kostet ab heute 2€] auf knapp zwei Seiten über 230 von der französischen Justiz im letzten Jahr zerschlagene kriminelle Schleuserbanden, ein Anstieg von 30% in zwei Jahren, berichtet und eine Rechnung über das Millionengeschäft mit Illegalen aufmacht, reicht es immer noch zur Verleumdung der Pegida durch den Berlin-Korrespondenten Nicolas Barotte. Der schreibt gestern, und heute kann man es in der Zeitung lesen:

En réponse aux attaques de Pegida, la chancelière a rappelé, lors de ses vœux, que l'Allemagne aurait besoin de plus d'immigration à l'avenir.

Als Antwort auf die Attacken [die Angriffe, den Sturm] der Pegida erinnerte die Kanzlerin während ihrer Neujahrswünsche, daß Deutschland mehr Immigration nötig hätte. "Sie warnte ohne jede Unzweideutigkeit und ohne die geringste Empathie [Einfühlungsvermögen, Feinfühligkeit, Fingerspitzengefühl, Mitgefühl, Teilnahme, Verständnis, Zartgefühl] diejenigen, die versucht wären, sich der Bewegung anzuschließen."

Damit ist aber noch nicht Schluß mit dem Krieg, sondern die Kanzlerin schlägt zurück: Merkel attaque les manifestants anti-immigrés. Merkel greift die Anti-Immigrations-Demonstranten an.

Deutschland befindet sich im Krieg, heißt das. Pegida hat ihn begonnen.

Die Bewegung, die sich selbst "Europäische Patrioten" nenne, beunruhige und beschäftige die Regierung stark. 29% der von Forsa Befragten fänden die Besorgnis der Pegida gerechtfertigt. Es folgen einige Zitate aus der Rede, das inzwischen allseits bekannte Horrorszenario von "Vorurteil, Kälte und Haß". Die Kanzlerin sei nicht einverstanden damit, daß die Bewegung den Slogan "Wir sind das Volk" aufnehme. In seiner Ansprache habe Bundespräsident Joachim Gauck klar Stellung bezogen für die Pegida-Gegner und sei damit an die Grenzen seiner Funktion gestoßen. Siehe dazu die Dokumentation Joachim Gauck. Der Bundespräsident der anderen.

Pegida versuche, sich auf weitere Städte auszudehnen, aber auch die Opposition organisiere sich. Die politischen Eliten verurteilten Pegida fast einmütig, aber es ließen sich auch abweichende Stimmen vernehmen. Der Korrespondent nennt den ehemaligen Innenminister Hans-Peter Friedrich, CSU. Der werfe der Kanzlerin vor, die konservative CDU im politischen Spektrum neu ausgerichtet zu haben. Damit habe sie auf der rechten Flanke Raum frei gemacht für radikalere Bewegungen.

Von der AfD und ihrem Stellvertretenden Vorsitzenden Alexander Gauland hat er nicht vernommen, und auch die Worte des AfD-Vorsitzenden Bernd Lucke hätten ihm längst bekannt sein können. Beide kritisieren die Bundeskanzlerin für ihre Rede. Die AfD besetzt soeben den Raum der ehemals konservativen CDU/CSU, Jasper von Altenbockum nennt das in der FAZ die "Gaulandisierung des Abendlandes". Da mag Forsa-Chef Manfred Güllner die AfD mit Gülle besprühen und ihre Umfragewerte herunterrechnen, wie's ihm beliebt, nomen est omen, da kommt selbst er nicht mit.

Zum Ambiente der Kanzlerinnen-Schelte weiß Nicolas Barotte: "Die Kulisse um sie herum ist farbenfroh und festlich, aber der Ton ist sévère [streng, unnachsichtig]."

Angela Merkel bei ihrer Neujahrsansprache 2015 im Kanzleramt in Berlin. (Foto: dpa)
Bei uns, in Ostwestfalen, hätte man gefragt:

Dazu gibt's das engelsgleich dreinblickende Engelchen Angela in seinem schwarzen T-Shirt, knitterndem lila Glanzwestchen mit matt-schwarzen Ärmelrändern und goldenem Medaillon-Halskettchen neben der Farbsymphonie rot-gold-blauer Deutschland- und Europa-Fahnenstümpfe und dem divers-blauen Hintergrund der Schweden-Krimis. Schade, daß die Farbtupfer ihres hellbraun polierten Tisches und des Weiße-Rosen-Arrangschemangs im Figaro fehlen. Ich gönne sie den Lesern hier noch einmal.

Weiße Rosen aus Athen sagen Dir auf Wiederseh'n!  Wär's doch der Abschied für uns zwei!

Der Figaro bietet seinen Internauten nicht die ganze Pracht, den Lesern könnten sonst die Augen ausm Kopp fallen und sie am nächsten Tag daran hindern, 'ne Zeitung zu kaufen.