16. April 2018

Ein unwürdiges Schauspiel


Ich gebe zu, daß ich mich lange nicht so geirrt habe! Nicht berücksichtigt habe ich den Grad der Verkommenheit der alt gewordenen extremen Linken, die den Staatspräsidenten vorführt in einer Auftaktveranstaltung der Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag des "Mai 68". Dabei hat Emmanuel Macron das Nationaltheater von Chaillot ausgewählt, weil dort vor 70 Jahren von den Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte angenommen wurde.

Update, vom 16., 17., 18. und 19. April 2018
Frankreichs Regierung ist nur noch lächerlich, will den Orden zurück!
Emmanuel Macron lebt fern der Wirklichkeit der Welt! 
Emmanuel Macron heißt 150 Millionen bis 200 Millionen Afrikaner willkommen.
Bashar al-Assad will den Orden nicht mehr haben nach dem Luftschlag.

Die Kulisse des "Interview" genannten Stückes bilden der Eiffelturm und das Champ de Mars.

Zwei in Gesicht und Verstand zerknitterte ehemalige rechts- bzw. linksextreme Aktivisten* mit offenem Hemdkragen fläzen sich ihm gegenüber, bereit, ihn auseinander zu nehmen, der da adrett gekleidet vor ihnen sitzt. Dem Alter nach könnte er ihr Sohn sein.

Warum nur erinnert mich die Szenerie an ein Kalenderblatt des Elefanten Press Karicartoon von vor mindestens 30 Jahren? Das Blatt ist in der Mitte geteilt. Oben, auf zwei Stühlen, ein bürgerlich gekleidetes Ehepaar, Frau im Kostüm, Mann in Anzug, Hemd mit Schlips, vor ihnen ihr aufmüpfiger Sohn in Hippie-Klotten und mit Zauselhaarschopf. "Mußt du uns denn immer ärgern?" steht in einer Sprechblase aus dem Mund des Vaters.

Unten ein auf dem Sofa hingefläztes Paar mit Strubbelfrisur, in Hippie-Klotten, vor ihnen, sehr aufrecht, ihr Sohn in Anzug, Hemd mit Schlips. "Mußt du uns denn immer ärgern?" steht in einer Sprechblase aus dem Mund der Mutter.

Unten, heruntergekommen, das sind Edwy Plenel und Jean-Jacques Bourdin, und sie lassen nichts unversucht, den Staatspräsidenten Frankreichs zu sich herunter zu ziehen. Während er sie anredet als "Monsieur Plenel", "Monsieur Bourdin", ist er für sie "Emmanuel Macron", nicht etwa, und wenn es nur ein oder zwei Mal wäre, "Monsieur le Président". Sie wenden sich an ihn wie an einen Kumpanen, dem man jetzt einmal ordentlich einheizt. Deutlicher können sie ihre Mißachtung der Institutionen der Nation nicht zeigen.

Die Themen des knapp dreistündigen Theaters, es dauert von 20:35 bis 23:22 Uhr:

Der "Militärschlag der internationalen Staatengemeinschaft", wie der Präsident den laut Baschar al-Assad "trilateralen Überfall" der USA, Großbritanniens und Frankreichs bezeichnet. Er ersetzt den Begriff "Legalität" durch "Legitimität", benutzt beide gleich und beseitigt so das internationale Recht, das gegründet ist auf der Achtung der Souveränität der Staaten. Das wird von dem Altlinken weder bergrüßt noch hinterfragt. Und ich dachte, es müßte dem Trotzkisten Edwy Plenel eine Freude sein, daß dem verhaßten Rußland eins ausgewischt wurde.

Ich mache das kurz: Bitte suchen Sie bei Google News Lindsey Graham Douma und John McCain Douma, dieselben Neo-con Kriegstreiber mit Skripal. Desgleichen John Bolton Douma. Und nun warten wir alle, ob Donald Trump dabei bleibt, das US-Militär aus Syrien abzuziehen.

Trump Approval Index History: Hurra, endlich 51:48 Approval. Douma brachte einen Punkt!
Wie gewonnen, so zerronnen! 49:50, am 17. April, 50:49, am 18. April 2018.

Was sonst noch zur Debatte steht? Mein Provinzblatt L'Indépendant faßt es für seine Zeitungsleser, vom 16. April 2018, in einem AFP-Bericht zusammen: "Während der Diskussion, die bis spät in den Abend dauerte, haben die Hauptdarsteller kreuz und quer auch noch die Religion, die Universitätsreform, den Terrorismus, die Steuerflucht, das Einwanderungsgesetz oder auch noch die Finanzmittel der Krankenhäuser erwähnt."

Trefflich! Der Islam, das Hauptproblem in Frankreich und in Westeuropa, wird um 22:40 Uhr erstmals thematisiert, ich habe auf die Uhr gesehen. Es geht ums Kopftuch, freiwillig, oder nicht, im öffentlichen Raum, halt das ganze Programm. Um 22:40 Uhr hätte das Theater schon beendet sein sollen.

Das Großereignis des Pariser Theaterlebens war ein unwürdiges Schauspiel (BFMTV-Vidéo)!

"Hatte Emmanuel Macron recht, dieses Streitgespräch mit Jean-Jacques Bourdin und Edwy Plenel zu führen?" 46% Oui/Ja, 54% Non/Nein. 25 908 haben abgestimmt. Stand: 19:30 Uhr
Emmanuel Macron a-t-il eu raison de faire ce débat face à Jean-Jacques Bourdin et Edwy Plenel ?

*Ich habe mich noch ein weiteres Mal geirrt und Jean-Jacques Bourdin zunächst ganz selbstverständlich ebenfalls als ehemaligen Trotzkisten oder Maoisten eingeschätzt, gleichen sich doch beide Journalistendarsteller in Art und Argumentation.

Update, vom 16., 17. und 18. April 2018



Im Interview erklärt der Staatspräsident Frankreichs, "daß er den amerikanischen Präsidenten Donald Trump überzeugt hätte, seine Truppen nicht aus Syrien zurückzuziehen und 'auf Dauer zu bleiben'." Aber "nur Stunden später antwortete das Weiße Haus, in dem es mitteilte, es wollte die US-Streitkräfte von dort "so schnell wie möglich nach Hause holen'." Es ist Schluß mit dem flotten Dreier!

60:40 lehnen 69 454 Leser des Figaro die Luftschläge gegen Syrien ab. Stand: 23:00 Uhr

Kommentator 1340 HD, am 16/04/2018 à 21:32
40 % von Leuten, für die Nichtachtung der internationalen Gesetze nicht das geringste Problem bedeutet und Euch zur gleichen Zeit, en même temps, Lektionen erteilt haben darüber, wer es gut macht in der Welt, und wen man zerstören muß."

Immer, wenn man denkt, es könnte nicht mehr peinlicher werden, dann geht's doch!

Update, vom 16. und 17. April 2018

"[Stephen] Smith, der Afrika-Experte, auf den sich [Emmanuel] Macron während seines Auftritts im BFMTV bezog, schätzt, daß die Zahl der Afrikaner, die in Europa leben, in den nächsten 30 Jahren von neun Millionen auf zwischen 150 Millionen und 200 Millionen anwächst."


"Macron: Das in eine 'beispiellose Massenwanderung' eintretende Europa 'teilt Schicksal mit Afrika'."
Macron: Europe Entering Age of ‘Unprecedented’ Mass Migration, ‘Shares Destiny’ with Africa
By Virginia Hale, Breitbart, April 17, 2018


"Der Präsidentenpalast Élysée hat am Montag bestätigt, ein Verfahren zur Aberkennung der Auszeichnung eingeleitet zu haben, die dem syrischen Präsidenten 2001 durch Jacques Chirac verliehen wurde."

"Frankreich will Bashar al-Assad seinen Orden Légion d'honneur aberkennen"
La France veut retirer sa Légion d'honneur à Bachar el-Assad. Par AFP,
Le Figaro, 16 avril 2018, 22:22 Uhr

Die Aberkennung des Ordens, der in Frankreich an diesen und jenen verteilt wird, läßt Bashar al-Assad wahrscheinlich kalt. Vielleicht ist er sogar froh, daß er ihm publikumswirksam vom Revers seiner Jacke gerissen wird, wo er ihn eh nie stecken hat. Ätzende Kommentare liest man zu diesem "lächerlichen Klamaukstückchen" im Figaro: "Wie viele Personen haben diese Auszeichnung erhalten, ohne sie zu verdienen, und wie viele haben sie danach nicht mehr verdient? Die Namensliste scheint mir lang zu sein."

Es scheint auch niemandem klar zu sein, daß der ehemalige Staatspräsident Jacques Chirac beleidigt wird; der hat dem syrischen Präsidenten kurz nach dessen Amtseinführung, den Orden verliehen. So wird die Institution des Staatspräsidenten einmal mehr in Mißkredit gebracht.

Update, vom 19. April 2018

Während im Élysée-Palast in einem länglichen Verfahren noch hin&her überlegt wird, wie man das anstellt mit der Aberkennung des Großen Kreuzes der Légion d'honneur, gibt Syrien Bashar al-Assads Orden  in der Botschaft Rumäniens in Damaskus zurück an Frankreich. Der syrische Präsident will ihn nicht mehr haben nach dem Luftschlag Frankreichs gegen sein Land.

Ein Vertreter des syrischen Außenministeriums gibt die Auszeichnung einem Vertreter der rumänischen Botschaft, die die Interessen Frankreichs in Syrien vertritt.

La Syrie rend la légion d'honneur d'Assad. Par Le Figaro avec AFP, 19 avril 2018

Emmanuel Macron ist nicht nur lächerlich, sondern auch gefährlich für Frankreich.

Er hat eine neue Bühne für seinen Auftritt entdeckt: Das Europaparlament, in Straßburg!


Während in Frankreich die "professionnels du désordre", die "Sachkundigen für Durcheinander", wie Emmanuel Macron sie am 12. April 2018, bei seinem Besuch auf dem Lande bezeichnet, nicht zur Vernunft gebracht und aus den Universitäten und aus Notre-Dame-des-Landes in den Knast abgeführt werden können, aus der Universität I Panthéon-Sorbonne nicht, derer "gefährlichen Topographie" wegen, während die Regierung der Operationen radikaler Muslime nicht Herr wird bzw. werden will, sondern "Konzessionen und Verrenkungen" macht, die auf den Weg in die Kapitulation führen und ein "schreckliches Geständnis der Machtlosigkeit" bedeuten, während in Frankreich jeden Tag und jede Nacht nicht erklärte "lignes rouges" überschritten werden, die "Roten Linien", hält der Staatspräsident in Straßburg eine knapp halbstündige "wirklich große Rede", "un véritable grand oral", vor den Abgeordneten des Europaparlaments, mit anschließender mehr als zweistündiger Diskussion. Dort trägt der Präsidentendarsteller seinen Text vor über die in Syrien von Bashar al-Assad mit dem highly likely Chemiewaffenanschlag auf syrische Bürger überschrittene "ligne rouge", er wird zornig über von zahlreichen Abgeordneten hochgehaltene Plakate "Hands off Syria", wie ich auf RT English auszugsweise sehen konnte. Er wirbt für seine Vision einer Einheits-EU mit gemeinsamen Finanz- und Verteidigungsministerien, das eine zur Regelung der öffentlichen Schulden Frankreichs durch Deutschland, das andere zur Kriegführung gegen von den USA, Großbritannien und Frankreich definierte Schurkenstaaten durch Frankreich.

"Eine 'Situation des Zweifels", "'Die Wut der Völker verstehen'", "Einwanderung", "'Europäische Souveränität'", "Ein Europa der 'Übereinstimmungen'", sind seine Themen.

"Was man sich merken muß von Emmanuel Macrons Rede in Straßburg über Europa"
Ce qu’il faut retenir du discours d’Emmanuel Macron sur l’Europe à Strasbourg,
Sud Ouest, 17 avril 2018, 11:44

Der Co-Präsident der Gruppe "Europe des Nations et des Libertés" Nicolas Bay, Front National, fragt Emmanuel Macron (Vidéo): "Haben Sie denn nichts in Erinnerung behalten, Sie und alle die anderen, vom Irak oder von Libyen? Von diesen Interventionen, die dazu geführt haben, den Krieg, das Chaos auszubreiten und den Dschihadisten das Vordringen zu gestatten? Sind Sie sich nicht bewußt, daß es in Frankreich wie in Syrien gleichermaßen die schlimmsten Islamisten sind, die Ihren Luftschlägen Beifall gezollt haben?"

Text des Diskussionsbeitrags von Nicolas Bay, in der Vollversammlung des Europaparlaments
Intervention de Nicolas Bay, Co-président du groupe Europe des Nations et des Libertés

Dazu sollte Nicolas Bay diesen Artikel aufmerksam lesen:

Vorgestern George W. Bush, gestern Barack Obama, heute Donald Trump

Each crisis will draw U.S. forces further into the region and each countermove in turn will create problems that can only be fixed by still further American involvement, until democratic governments -- or, failing that, U.S. troops -- rule the entire Middle East [and Russia!].

Practice to Deceive. Chaos in the Middle East is not the Bush hawks' nightmare scenario -- it's their plan. By Joshua Micah Marshall, The Washington Monthly, April 2003 [!]

"Der französische Staatschef löst keine Begeisterung mehr aus. Dabei ist seine Botschaft die Gleiche geblieben. Macron fordert weiter eine 'Renaissance' der EU, die sich von einer Wirtschafts- und Währungsunion zu einem 'souveränen Europa' weiterentwickeln soll."

Einsamer Aufbruch. Von Éric Bonse, Cicero, 17. April 2018

Was man sich merken muß? Der Staatspräsident lebt fern der Wirklichkeit der Welt!