7. Juli 2016

Tony Blair nimmt die Sünden auf sich

Einer seiner Minister: "Er denkt wirklich, er wäre Jesus!"

Tony Blair gibt den Sündenbock. Figaro-Korrespondent Florentin Collomp schreibt die gesamte Seite 4 der Ausgabe, vom 7. Juli 2016, voll mit Bezichtigungen, die der Chilcot-Bericht über die Rolle des britischen Premierministers im Irakkrieg enthält: Comment Tony Blair a poussé à la guerre en Irak. Wie Tony Blair zum Krieg gegen den Irak gedrängt hat. Darunter steht ein Artikel, der ist überschrieben: Das einstige Wunderkind der New Labour ist ein Aussätziger geworden.

"Ich nehme die gesamte Verantwortung auf mich. Ich drücke meinen Schmerz aus, mein Bedauern und meine Entschuldigung," erklärt er mit zitternder Stimme auf einer Pressekonferenz, am 6. Juli 2016. Dafür haben die Angehörigen von 179 im Irakkrieg gefallenen britischen Soldaten kein Verständnis.

L'ancien prodige du New Labour devenu und paria. Die Tagesschau drückt es so aus: Er glaubte, das Richtige zu tun.

"Je serai avec toi, quoi qu'il en soit, écrit-il au président américain le 28 juillet 2002, huit mois avant l'intervention. Mais il est temps de mesurer franchement les difficultés. La planification et la stratégie restent le plus difficile. Ce n'est pas le Kosovo. Ce n'est pas l'Afghanistan. Ce n'est même pas la première guerre du Golfe."

"Ich werde mit Dir sein, was auch immer komme," schreibt er am 28. Juli 2002, acht Monate vor der Intervention, an den amerikanischen Präsidenten. Aber es ist jetzt an der Zeit, sich wirklich der Schwierigkeiten anzunehmen. Die Planung und die Strategie bleiben das Schwierigste. Das ist nicht das Kosovo. Das ist nicht Afghanistan. Das ist nicht einmal der Erste Golfkrieg."

Irgendwie aber doch; denn die Kriege gegen Serbien, Afghanistan und der Golfkrieg verstoßen ebenso gegen das Völkerrecht wie der Einfall in den Irak. Sie werden alle aus demselben Grund geführt, zur Sicherung der Vormachtstellung der USA in der Welt, den Weg freizubomben nach Zentralasien, nach Rußland und nach China. Dieser Politik ist der "Arabische Frühling" geschuldet, dieser Politik verdankt nicht nur al-Qaida, sondern auch DAESH, der Islamische Staat, seine Existenz.

Die EU verdankt Angela Merkel, der neben Tony Blair anderen willigen Vollstreckerin dieser Politik der USA, die Islamisierung und die Invasion der Muslime, vor allem die nach Deutschland.

Darüber schreibe ich mir seit 9/11 auf meiner Website und auf meinem Blog die Fingerkuppen wund. Es nennt sich The Project for The New American Century!

Tony Blair tut, was ihm die politischen, strategischen und wirtschaftlichen Interessen der USA und Großbritanniens aufgeben. Seine Entscheidungen muß man auf dem Hintergrund der 100-jährigen Geschichte Großbritanniens im Nahen und Mittleren Osten betrachten. Wie kann jemand auf die Idee kommen, Tony Blair hätte die Entscheidung über den nicht vom UNO-Sicherheitsrat genehmigten Überfall auf den Irak allein getroffen, mit "überdimensioniertem Ego", als "Jesus"?


Staatspräsident Charles de Gaulle wußte, was er am 14. Januar 1963 auf einer Pressekonferenz mitteilte: Großbritannien gehört nicht in die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG). Seine strategischen und wirtschaftlichen Interessen sind andere als die Kontinentaleuropas, sie sind auf die USA ausgerichtet, während Kontinentaleuropa sich in der EWG zu einem starken, eigenständigen Europa zusammenschließen will. Mit dem Beitritt der Briten zur EWG, am 1. Januar 1973, beginnt durch die Unterordnung der Interessen Europas unter die der USA der Niedergang des Projektes.

Der Brexit wäre nichts anderes als die ehrliche Rückkehr zum Status quo ante. Aber man kann versichert sein, daß die USA nichts werden unversucht lassen, das zu verhindern.

Die Carlyle Group und die Kriege gegen Afghanistan und den Irak (4. Dezember 2001 mit Ergänzungen, vom 5. Mai 2003 und vom 16. und 19. März 2005)

Die Carlyle Group und die Kriege gegen Afghanistan und den Irak. Aktualisiert, 7. Juli 2016

Stiftungen, Think Tanks und Neokonservative in den USA. Drei Artikel, vom Mai 2003

Hier die Rolle, die Israel in dem Projekt zugewiesen werden sollte. Dank Benjamin Netanyahu wurde nichts daraus: A Clean Break: Eine Neue Strategie zur Sicherung des Reiches, vom 8. Juli 1996. Artikel vom 21. April 2003