3. November 2013

Mali. Mit der UNO in den Tod

Ghislaine Dupont und Claude Verlon, R.I.P.

Durch die französischen Medien toben die Kommentare zu zwei in Mali ermordeten französischen Journalisten. Eine auf Afrika spezialisierte Korrespondentin des Radio France International und ein versierter ebenfalls mit dem Kontinent bestens vertrauter Techniker werden in Nord-Mali, in Kidal, ermordet. Sie seien von einem Interview mit den Tuareks gekommen, mit dem Stamm der gegen die Regierung gerichteten Kämpfer. L'Indépendant nennt das Vorhaben une opération spéciale de RFI au Mali, eine Sonderoperation des RFI in Mali:

Update. Deutschland und sein Programm des Friedens Mehr davon am Ende des Textes

Update. Die beiden Journalisten wurden nicht erschossen, sondern ihnen wurden von Tuareks die Kehlen durchgeschnittenLes deux journalistes n’ont pas été criblés de balles, mais égorgés.

On savait qu'elle rencontrait un leader MNLA [Mouvement National de libération de l'Azawad]. Man wußte, daß die Journalistin einen Führer des MNLA traf, der Nationalen Bewegung zur Befreiung des Azawad, einer von den Tuarek bewohnten und von diesen 2012 für unabhängig erklärten Region im Norden Malis. Die Bewegung verurteilt die "Hinrichtung". RFI habe diesem Tuarek-Führer eine Stimme geben wollen, liest man auf der Website des MNLA. Das Mitgefühl Katars für den Kampf um die Unabhängigkeit ist dem MNLA sicher. An der Finanzierung des Kampfes soll's nicht mangeln. Nun stören von anderer Seite finanzierte Terroristen. Es sieht so aus, daß sich die Konkurrenz Saudi-Arabiens und anderer islamischer Diktaturen gegen Katar auch in der Gegend abspielt.

Am 7. November habe RFI eine Sondersendung zu Mali geplant, die aber der Morde wegen unterbleibe.

Staatspräsident François Hollande, Außenminister Laurent Fabius und Justizministerin Christiane Taubira sowie Cédric Lewandowski, Kabinettsdirektor des Verteidigungsministers, der sich zur Zeit in Mexiko aufhält, Bernard Bajolet, Generaldirektor des Auslandsgeheimdienstes DGSE, und weitere Regierungsbeamte müssen vor 9:30 Uhr eine Sonntagsschicht in Krisensitzung einlegen.

Kaltblütig seien die Journalisten von zur al-Qaida gehörenden Terroristengruppen ermordet worden, empört sich der linke Nouvel Observateur und übernimmt damit die Diktion des Außenministers. Es folgen Einzelheiten über die Anzahl der Kugeln, mit denen die Körper der beiden durchsiebt worden seien, Informationen, daß der Norden Malis nicht von der Hauptstadt Bamako aus kontrolliert werden könne [1 194,61 km], daß 200 französische Militärs der Serval am Flughafen stationiert seien, aber die Stadt nicht sichern könnten, sie befaßten sich mit der Bekämpfung der Terroristen in der Wüste.

Für die Sicherung der Stadt sei die Minusma, die Friedenstruppe der UNO in Mali da, The United Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali, bestehend aus senegalesischem, togolesischem und guineischem Militär. Sie wird am 25. April 2013 mit Resolution 2100 des UN-Sicherheitsrates eingerichtet. Entsprechend dotierte Posten in der UNO New York und in Bamako werden geschaffen, Albert Gerard (Bert) Koenders, ein Holländer, ehemaliger Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, und bislang zuständig für die Elfenbeinküste, ist Sonderbeauftragter des UN-Generalsekretärs Ban Ki-moon und Chef der Minusma.

Die Regierung Malis, die Minusma und die Serval werden der Terroristen nicht Herr, da kann Staatspräsident François Hollande sich noch so sehr mit seinem Kollegen in Mali Ibrahim Boubacar Keïta am Telefon einig sein im Willen, unermüdlich den Kampf gegen die im Norden Malis verbliebenen Terroristengruppen fortzusetzen. Die Verstärkung der Serval wird nichts nützen.

Die Medien spekulieren derweil, daß die Ermordung zusammenhänge mit Streitigkeiten unter den Terrorgruppen über die Verteilung der von der Regierung Frankreichs an die al-Qaida-Gruppe Aqmi gezahlten 20 Millionen Euro Lösegeld für die am Dienstag, 29. Oktober 2013, befreiten vier Geiseln. Die Regierung bestreitet, Lösegeld bezahlt zu haben.

Die französischen Truppen können nur noch die von Kugeln durchsiebten Körper ihrer Landsleute bergen. Von den Mördern sehen sie nicht einmal die Schlußlichter derer Autos. Nun sind alle in Europa, aber auch einige in Kidal, "empört" und "traurig". Laurent Fabius erklärt, die beiden RFI-Journalisten wären von eben den Terroristen getötet worden, die vom Militär bekämpft würden. Im Juli sind die beiden Mitarbeiter des RFI schon einmal zu Besuch gewesen. Nette, kompetente Leute!

Einige Fragen werden nirgends gestellt, nämlich:

Wer oder was ist Radio France International (RFI)?
Was tun die Journalisten dort in einer Spezialoperation?
Welche Rolle spielen Serval und Minusma bei den Morden?

RFI ist ein staatseigener Propagandasender. Gibt man Radio France International bei Google ein, so erscheint als erste die englische Website mit den Unterteilungen RFI - Langue Française - Gaza - Learn French - Listen to RFI - Africa. Alles klar? Die Aufmerksamkeit gegenüber Afrika mit ca. einer Milliarde Einwohnern entspricht der gegenüber Gaza mit ca. 1,8 Millionen Einwohnern: Menschenrechtsgruppen bezichtigen Israel der Kriegsverbrechen, Israels Offensive in Gaza hat weltweite Proteste ausgelöst. Gaza-Geschichten in Comic-Buchform erzählt, lauten einige Überschriften.

Zehn Monate nach der Militäroperation Frankreichs in Mali zur Vertreibung der Tuarek-Rebellen und zur Sicherung der Regierungsgewalt Bamakos in der Region ist nichts erreicht, es sei eine unberechenbare Lage. Das ist der Stand der allseits gelobten Militärintervention des François Hollande zur Verbesserung seiner Umfragewerte.

Die beiden ermordeten Journalisten sind gefallen im Dienste der Regierung Frankreichs. RFI in französischer Sprache bringt laufend Informationen über neue Erkenntnisse, Grundtenor, um 17:30 Uhr: A cette heure, peu d’éléments sur les circonstances du drame sont connus. Zu dieser Stunde sind wenig Einzelheiten über die Umstände des Dramas [sic!] bekannt. Aber für Spekulationen ist der Sender gut. Jeder weiß was: "Ein Mord unter abscheulichen Bedingungen", meint der Außenminister, was aussagt, daß es auch Mord unter ausgezeichneten Bedingungen geben kann. Er kann sich kaum einkriegen vor Empörung, das Verbrechen an den Journalisten sei auch eines an der Freiheit zu informieren und informiert zu werden.

Was die französischen Truppen angeht, so kann Serval die Stadt Kidal und ihre Umgebung nicht schützen und weigert sich deshalb, die beiden Journalisten zu transportieren. Die Minusma findet sich allzeit bereit, sie befördert alle Journalisten. Man kann davon ausgehen, daß ihre Soldaten dafür reichlich geschmiert werden. Wer erinnert sich nicht an die UNIFIL im Libanon? In die Stadt hinein und aus ihr heraus kann jeder ungehindert, schreibt RFI, Kidal sei nicht gesichert und niemand kontrolliere nichts, personne ne contrôle rien.

Man kann es auch abkürzen: Die Operation des François Hollande in Mali ist gescheitert.

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