18. Oktober 2012

In memoriam Wolfgang Menge (10.4.1924 bis 17.10.2012)

Hallo, Nachbarn! Mit Adrian und Alexander


Das ist eine umwerfend gute Rundfunksendung von Wolfgang Menge, im Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR). Die höre ich ab Mitte der 50er Jahre möglichst leise, mit Ohr am Lauti, weil sie erst um 23:30 Uhr beginnt und bis Mitternacht dauert, und ich das nicht hören darf, weil noch viel zu jung.

"Nach dem Krieg lernt Wolfgang Menge das journalistische Handwerk von der Pike auf: zunächst beim German-News-Service, der späteren dpa. Ab 1949 arbeitet er als Reporter des Hamburger Abendblatts und wird 1954 Korrespondent der WELT in Tokio und Hongkong. Schon während dieser Zeit legt Wolfgang Menge erste Arbeiten für Rundfunk und Fernsehen vor - die satirische Dialog-Serie Adrian und Alexander für den NWDR-Hörfunk beispielsweise, aus der die Fernsehserie Hallo Nachbarn hervorgeht," berichtet Barbara Block in ihren Filmen zu Wolfgang Menges 75. und 80. Geburtstag: Geliebtes Ekel. Nun warten Wolfgang Menge-Fans auf einen neuen Film.

Hallo, Nachbarn! fängt alle 14 Tage, auch wenn's Günter Gaus nicht weiß, immer an mit einem Trompetensolo von Werner Müller und dem RIAS-Tanzorchester und dem Song All the things you are ... , dann heißt's Halllllooo Nachbarn! ... Es folgen Adrian und sein Papagei Alexander mit mehreren Dialogen. Adrian fragt seinen Papagei, was er zu den Geschichten meint, und der krächzt: oläkuläkulä. So jedenfalls begreife ich das, eben Teenager geworden, und lerne jetzt aus dem SPIEGEL, daß Alexander kein Papagei, sondern ein blubbernder nichtssagender Homunkulus gewesen sei, von dem Adrian gemeint habe: "Der einzige Mensch im NWDR, der seine wahre Meinung zu äußern wagt."

Aus einer der Folgen stammt das Zitat aus der Wissenschaft der Logik: Ein Weiser ist beim Sultan in Ungnade gefallen, da der Sultan ein milder Herrscher ist, darf der Weise selbst bestimmen, ob er geköpft wird oder gehängt. Der Weise soll einen Satz sagen. Wenn der Satz wahr ist, wird er geköpft, wenn der Satz nicht wahr ist, wird er gehängt. Damit fängt die Sendung an. Die Todesart richtet sich danach, ob der Weise einen Satz sagt, der wahr ist, oder einen der unwahr ist. Dann kommt in der Sendung eine andere Geschichte.

Danach sagt der Weise den Satz: Ich werde gehängt.

Dann geht's in der Sendung um die nächste bizarre Geschichte. Der Sultan schließt daran an: Also, du hast gesagt, du wirst gehängt. Wenn der Satz wahr ist, wirst du geköpft. Du hast aber gesagt, du wirst gehängt ... Es wird ausgeblendet und wieder ein anderer Dialog zwischen Adrian und Alexander folgt. Anschließend geht's mit dem Sultan weiter: Wenn das die Wahrheit ist, wirst du geköpft. Du hast aber gesagt, du wirst gehängt. Also hast du die Unwahrheit gesagt, und du wirst gehängt ... Dann kommt ein neuer Dialog. Anschließend geht's weiter: Du hast aber gesagt, du wirst gehängt, also hast du die Wahrheit gesagt ... Na, usw. bis zum Schluß der Sendung. Am Ende ist der Sultan gerührt über die Weisheit des Weisen und begnadigt ihn. Wie die Sultane das im richtigen Leben ebenso machen.

Dieser Weise fasziniert mich derartig, daß es ein Grund für mich wird, Philosophie zu studieren. Über die "absolute Wahrheit" hätte ich dank Wolfgang Menge schon da alles Wissenswerte ein für allemal und abschließend wissen können.

Dann erinnere ich mich noch an eine Sache aus Südafrika. Eine schwarze Frau wird schwanger, aber nicht von ihrem Mann. Da das eine schlimme Verfehlung ist, erzählt sie bei einer Befragung durch ihren Stamm, warum sie schwanger geworden ist: Jeden Tag, wenn ihr Mann zur Arbeit geht (bei De Beers in den Diamantenminen?) kommt auf ihr Lager der Tokoloshe mit dem grünen Grashut. Der hat die Schuld. Adrian und Alexander führen mich aus der Enge meines ostwestfälischen Zimmers in weite Welten, von denen ich keine Ahnung habe.

Zum Schluß der Sendung wird Nighty Night gespielt, Wahnsinn!

Nighty night, until tomorrow
Nighty night, for what sweet sorrow
To be parting dear, from you
With a farewell kiss or two (or three)
Nighty night, while my arms take you
Nighty night, till birdies wake you
Dream of me and just sleep tight
Darling, nighty night.

Nighty night, while my arms take you
Nighty night, till birdies wake you
Dream of me and just sleep tight
Darling, oh, good night.

Nighty Night, until tomorrow ..., von 1941, gesungen von Yvonne King und einem Chor, ist von Alvino Rey. Es ist der Song, mit dem der Vergnügungspark Kennywood, in Pittsburgh, seinen Tag beendet: Dream of me and just sleep tight/ Darling, nighty night ist der schönste Teil des Songs.

Einen Song der Andrew Sisters, die Wolfgang Menge im Interview mit Günter Gaus erwähnt, gibt's von mir gratis drein: Bei mir bist du schejn.

Zu seinem 85. Geburtstag gibt es im NDR, vom 11. auf den 12. April 2009, eine Nacht für Wolfgang Menge. Ich freue mich jetzt auf viele Wolfgang Menge-Nächte, ich kann sie kaum erwarten.

Heute im WDR:  Das Millionenspiel, von 23:15 bis 0:51 Uhr, und am Sonntag, 21. Oktober 2012, 23:20 bis 23:50 Uhr, gibt's das Ekel Alfred.

Danke, Wolfgang Menge, und ruhe sanft!