3. Oktober 2012

Wer brennt Galizien nieder?

Vorrede:
"Nach Einschätzung des russischen Geheimdienstchefs Alexander Bortnikow ist das Terrornetzwerk al-Qaida nicht nur für extremistische Gewalt verantwortlich – sondern auch für Waldbrände in Europa.
Mittlerweile riefen zahlreiche islamistische Websites zum "Wald-Dschihad" auf und gäben Tipps, wie und wo es am einfachsten sei, Feuer zu legen und dann zu verschwinden, sagte der Chef des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB am Mittwoch laut der Nachrichtenagentur RIA Nowosti."


Un canto a Galicia
Teño morriña, hey,
teño saudade,
porque estou leixos
de esos teus lares.
Eu quéroche tanto,
e aínda non o sabes...
Eu quéroche tanto,
terra do meu pae ...

Wer brennt Galizien im August 2006 nieder?

Man kann beruhigt sein, Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero ist so, wie er aussieht, naiv und lieb: Jupp Schuster. Am 19. Juli 2006 besucht er in der Universität von Alicante einen Kongreß über die politischen Ideen der jungen Linken in Zeiten der Globalisierung. Fünf Minister seiner Regierung sowie Ex-Premier und Sozialisten-Ikone Felipe González gehören zu den Teilnehmern. Der Ministerpräsident läßt sich dort mit einem Palästinensertuch dekorieren. Inmitten der sozialistischen Jungschar und umringt von arabischstämmigen Kongreßteilnehmern ist er gut aufgehoben, dort fühlt er sich wohl, wie Fotos von seinem Auftritt bezeugen. Im Gegensatz zu Staatspräsident Jacques Chirac, der mehr an den Absatz von Rüstungsgütern, lukrative persönliche Geschäfte und die Konkurrenz zu den USA denkt bei seiner Liebe zu den Arabern, scheint der Spanier alles zu glauben, was ihm die Muslime einflüstern: Islam ist Frieden.

Er reist ab in die Ferien nach Lanzarote, en bañador, als Badegast, wo er seine Freizeit genießt, derweil ganze Teile Spaniens abgefackelt werden, es sind inzwischen mehr als 15 000 Hektar, zwischen dem Hafen von Vigo und dem Touristenzentrum von Santiago de Compostela, dem Wallfahrtsort der Katholiken Europas. Galizien brennt an allen Ecken und Enden, aber irgendwie hat Jupp Schuster es richtig erkannt: ohne ihn geht's auch, wenn nicht besser, sind doch inzwischen nicht nur Feuerwehr, Polizeikräfte und Eliteeinheiten des spanischen Militärs, sondern nach und nach auch sechs Minister in der Region, unter ihnen Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba und als letzter Verteidigungsminister José Antonio Alonso. Während die Umweltministerin Cristina Narbona davon spricht, das die meisten Feuer por venganza, aus Rache und Vergeltung gelegt werden, und das allerorten wiederholt, sind andere Mitglieder der Regierung und der Staatsanwaltschaft von Galizien damit befaßt, den terrorismo incendiario, den Brandterrorismus bzw. den aufrührerischen Terrorismus in den Griff zu bekommen. Zunächst aber muß sich der Staatsanwalt Alvaro Garcia Ortiz dieser Bezeichnung wegen rechtfertigen, der die Alarmglocken schrillen läßt. 

Die den Sozialisten nahestehende Zeitung El País interviewt nicht nur fundamentalistische Islamkonvertiten und Schariabefürworter wie Francisco Abdussalam Escudero, sondern sie widmet auch dem aktuellen Thema, wer Galizien angezündet hat, einen langen Artikel: ¿Quién quema Galicia? Wer brennt Galizien nieder?

Wie man es bereits aus Frankreich kennt, wenn es um so heikle Themen wie Terrorismus geht, gibt es, diesmal aufgezählt von einem Offizier der Guardia Civil, Erwägungen über verwirrte Einzeltäter, die habgierige Holzindustrie, skrupellose Jäger, Viehzüchter, die Weidegebiete durch Beseitigen der Bäume gewinnen und nachlässige Bauern, die durch Abbrennen ihr Land von Unkraut und Büschen säubern wollen, sowie persönliche Rachefeldzüge, Aktionen von Feuerwehrleuten, die auf diese Art ihre Arbeitsplätze und ihr Gehalt sichern wollen, oder ehemalige Waldarbeiter, die wütend sind über ihre Entlassung. "Hier in Galizien gibt es viele Leute, die vom Feuer leben," zitiert der Autor Jésus Duva einen Offizier der Guardia Civil. Er läßt nichts aus, und ich wüßte gern, was der Feuerwehrmann, der gerade von einem Einsatz rund um die Uhr todmüde nach Hause kommt, von solchen Einschätzungen seiner sozialistischen Zeitung halten mag. In der Tat ist ein Freiwilliger Feuerwehrmann gefaßt worden, der gezündelt haben soll. Dennoch ist es eine Beleidigung aller, die sich jetzt im Kampf gegen das Feuer befinden.

In Paris schafft man die verrückten Einzeltäter nach Villejuif, in Spanien habe ich die psychiatrische Anstalt noch nicht ausfindig gemacht. Wohin mit der jauría de pirómanos, der Meute der Pyromanen? Einige von ihnen sind wohl gefaßt, aber wer das ist, ¿Quién sabe? Inzwischen sind drei Tote zu beklagen, und der bürgerliche Partido Popular (PP) und der Partido Socialista Obrero Español (PSOE) des José Luis Rodríguez Zapatero stoßen frontal über das Krisenmanagement zusammen.

Jesús Duva zitiert einen Polizeikommissar, der berichtet, daß im allgemeinen 90 Prozent der Feuer von verwirrten Einzeltätern gelegt würden, daß aber im jetzigen Fall die Sache komplizierter sei. Wenn es nur um kriminelle Brandstiftung ginge, dann verliefe die Untersuchung einfacher. Der Innenminister habe bislang keinen Beweis für die Tat einer organisierten Bande. Der Ministerpräsident erklärt, man stehe vor einer ernsten Herausforderung, die Lage sei schwierig. 7000 Mann und 60 Löschflugzeuge seien im Einsatz zur Verhütung und Löschung der Brände.

Der Autor schildert die Geduld der Menschen in Galizien und gibt ausführliche Stimmungsbilder aus der betroffenen Gegend. Vielleicht sei die von den Vorfahren überkommene cultura del fuego, die Kultur des Brandrodens, die Erklärung für die Geduld, mit der die Bauern die Brände sich ausbreiten sähen. Ein Polizist berichtet, man habe seit Anfang des Jahres bereits 36 Pyromanen festgenommen, im letzten Jahr seien es insgesamt nur 48 gewesen, größtenteils jóvenes, Jugendliche - französisch les jeunes, die zu ihrem Spaß etwa 50 Brände gelegt hätten.

Dann kommt er zu beunruhigenden Aspekten: Wie kommt es, daß es seit einer Woche täglich durchschnittlich 100 neue Brände gibt? Warum werden sie auf der Achse Vigo - Santiago de Compostela gelegt, am nächsten an der Küste und am begehrtesten für eine Besiedelung? Kann es ein Komplott Interessierter sein, der amtierenden Regierung der Koalition von PSOE und Bloque Nacionalista Galego, dem Galizischen nationalistischen Block, Probleme zu bereiten?

Man denke, die den Sozialisten nahestehende Zeitung El País äußert den Verdacht, daß Kreise um die Oppositionspartei PP Hunderte von Bränden legen, um der Regierung des José Luis Rodríguez Zapatero Probleme zu machen!

Ein Kommandant der Polizei habe bereits am Donnerstag die Möglichkeit eingeräumt, daß estos dementes, diese Wahnsinnigen, nur der ausführende Arm von jemand viel Intelligenterem seien ... und mit bedeutenderen Interessen. Jesús Duva kommt der Sache schon sehr nahe, aber ausgesprochen wird nichts.

An diesen in Ratlosigkeit endenden Artikel schließt sich eine Schilderung der Materialien an, die von den Verbrechern benutzt werden: Baumwollschnüre, Streichhölzer, eine kleine Dose Feuerzeugbenzin, gewöhnliche Wachskerzen, in eine Kartoffel gesteckt, Feuerwerksraketen. Das komplizierteste an Technik, was entdeckt wird, sind verschiedene Spielzeugfallschirme, an die Lunten gebunden sind. Diese Fallschirme werden mit Jahrmarktsraketen in die Luft geschossen, und wo sie niedergehen, verursachen sie Brände im trockenen Dickicht. In Coruña gebe es Leute, die behaupten, ein Kleinflugzeug gesehen zu haben, das Feuerwerkskörper abwarf.

Update (Übersetzung)

Das Parlament von Galizien hat den Antrag des Partido Pupular zur Einsetzung einer Untersuchungskommission über die Waldbrände abgelehnt, die in der ersten Hälfte des Monats August Galizien heimgesucht haben. ...

Der nationalistische Abgeordnete (Bieito Lobeira) bestand auf der Außergewöhnlichkeit der Feuer dieses Jahres, die er einer Kampagne des Brandterrorismus zuschrieb, wie das, bemerkte er, die "strategischen Angriffe" auf die Flughäfen von Vigo und Santiago zeigten, um die Mittel der Luftfahrt unbrauchbar zu machen.

Schließlich drückte (Francisco) Rodríguez seine Überzeugung aus, daß "die Intensität der Brände, die Art, wie sie entstanden und die Beschaffenheit der betroffenen Gebiete anzeigten, daß wir vor einer neuen Typologie von Feuern stehen, wobei die Mischung aus Absicht und Organisation offenkundig ist."

Über das verbrannte Areal sagt der Parlamentarische Sprecher des Partido Popupar Eduardo Zaplana in einer Rede vor der Nationalversammlung, am 17. August 2006: Wir stehen, meine Damen und Herren vor mehr als nur einem Krieg der Zahlen. Die Zahlen, die der Präsident der Regierung (von Galizien) beigebracht hat, sind, wie Sie wissen, skandalös unter den von den Satelliten der NASA gelieferten, die sich auf mehr als 180 000 Hektar belaufen. Auch, wie Sie wissen, meine Damen und Herren, hat die Europäische Kommission sehr viel höhere Zahlen genannt, als die von Herrn Touriño (Präsident von Galizien) vorgelegten.

Der Parlamentarische Sprecher des PP Eduardo Zaplana kündete heute (am 5. September 2006) ein Gesuch an zur Schaffung einer Untersuchungskommission in der Nationalversammlung über die Brände in Galizien nach der Zurückweisung der Einberufung eines solchen Organes im galizischen Parlament; eine Entscheidung, die er als "unerhört" bezeichnete. In einer Pressekonferenz brachte er auch vor, daß heute das dringliche Erscheinen des Innenministers Alfredo Pérez Rubalcaba gefordert werde, damit er über die Schritte zur Untersuchung vermutlicher krimineller Komplotte hinter den Feuern Auskunft gebe.

Artikel vom 13. August/5. September 2006

Nach Aussage eines Nachbarn von Ría de Muros Noia (La Coruña) "stürzen die Apparate (Fallschirme) aus etwa drei Metern Höhe bei den Dornbüschen vom Himmel und öffnen sich an Stellen, die nicht von Menschen erreicht werden können", derartig, daß das Feuer sich ausbreitet, ohne daß jemand es löschen könnte.

Burn, burn Europe! Burn, burn, Europe! Kampffeld al-Andalus
Fundsachen, 12. August 2006. Bitte runterscrollen.

Meine Leser werden nicht ahnen, welche Schelte ich mir dieser Artikel wegen zugezogen habe!