1. Oktober 2012

USA. Der Volksmudschaheddin des Iran Rückkehr in Gnaden


Warum müssen die Journalisten der gängigen europäischen Medien immer lügen, verdrehen, auslassen, nahezu ausnahmslos? Im Figaro sind davon reichlich vertreten, vor allem, wenn es gilt, über Israel, den état hébreu, herzuziehen. Bislang hat die Iran- und Nahostkorrespondentin Delphine Minoui nicht zu ihnen gehört. Sie schildert zu Zeiten der Präsidentschaftswahl 2009, als der angebliche Gegner des iranischen Regimes Navid Kermani unbehelligt durch den Iran tingelt, in Einzelheiten, was den wirklichen Regimegegnern unter den einreisenden Korrespondenten widerfährt. Im Artikel Iran. Nachbetrachtungen zu den Präsidentschaftswahlen habe ich darüber berichtet.

Im Figaro.fr, vom 30. September, und einen Tag später im Printmedium, berichtet Delphine Minoui über die Volksmudschaheddin, die Mudjahedin-e Khalq-e Iran (MEK/MKO). Am 29. September habe das amerikanische Außenministerium verkündet, daß diese radikalsten Gegner des Mollahregimes von der US-Terrorliste gestrichen seien. Auf US-Websites, beispielsweise auf Mother Jones, liest man mehr als eine Woche vorher, am 21. September, das State Department entferne sie von der Liste. Das wird den Medien der Welt vom State Department am 28. September 2012 verkündet: Delisting of the Mujahedin-e Khalq.

Die Entscheidung wird von Hillary Clinton zeitlich vor der UN-Generalversammlung mit Bibis berühmter Bombe getroffen. Die Hilflosigkeit der US-amerikanischen Diplomatie dem Iran gegenüber könnte kaum deutlicher ausgedrückt werden, sie erschöpft sich in Drohungen.

Mittels einer geläuterten, in National Council of the Iranian Resistance (NCRI), Conseil National de la Résistance irannienne, Nationalrat des iranischen Widerstandes, umbenannten Terrorgruppe von einigen Tausend Mitgliedern will man den Betreibern des Nuklearprogrammes beikommen. Die USA paktieren mit jedem, der sie vermeintlich oder tatsächlich weiterbringt, von Osama bin Laden über die Taliban, die Muslimbrüder und ihre Zweigstellen, einschließlich der in ihrem eigenen Land, nun also mit den Volksmudschaheddin. Die EU steht solchem Opportunismus in nichts nach, sie habe die MEK/MKO bereits 2009 und Großbritannien sie 2010 von den Terrorlisten entfernt. Le retour en grâce des Moudjahidins. Der Volksmudschaheddin Rückkehr in Gnaden, berichtet Delphine Minoui.

"Das Dilemma für die USA ist, ob sie die MKO auf ihrer Terrorliste behalten oder sie als geeignetste Organisation zum Regimewechsel im Iran einsetzen sollen," schreibt Syed Saleem Shahzad, in der Asia Times-Online, am 26. Juni 2003, da ist der erste Schritt der USA zur Befreiung des Irak von Saddam Hussein getan, dem jahrelangen Finanzierer und Förderer der Volksmudschaheddin. Ausgerüstet mit schweren Waffen, operieren und begehen sie ihre Verbrechen vom Camp Ashraf und zahlreichen anderen MEK/MKO-Lagern im Irak aus, gegen den Iran, seine Regierung und seine Bürger. Camp Ashraf liegt 100 Kilometer nördlich von Bagdad und 100 Kilometer westlich der Grenze zum Iran. Zur selben Zeit startet der damalige Innenminister Nicolas Sarkozy einen Versuch, die in Scharen aus dem Irak vor den amerikanischen Truppen flüchtenden, nach Frankreich einreisenden Terroristen in ihrem europäischen Hauptquartier, in Auvers-sur Oise, einem Vorort von Paris, unschädlich zu machen, sie seien eine Gefahr für Frankreich und seine Bürger: Paris nimmt Washington eine Entscheidung ab. In dem Artikel kann derjenige, den es interessiert, die Entwicklung der MEK/MKO seit ihrer Gründung 1965 nachlesen.

Die Revoluzzerkinder der Bazaris bilden die Terrorgruppe MEK/MKO. Während die Väter islamische Fundamentalisten sind, entwickeln sich einige ihrer Kinder zu islamischen Maoisten. Die Volksmudschaheddin arbeiten von Anbeginn mit Ayatollah Ruhollah Khomeini zusammen. In den 70er Jahren ermorden sie US-amerikanische Soldaten und Zivilpersonen, die an Verteidigungsprojekten im Iran arbeiten. Man verbreitet heute, daß diese Taten von maoistischen Splittergruppen der MEK/MKO verübt wurden. Die MEK/MKO ist aber insgesamt islamo-maoistisch, wie man an ihren Uniformen sehen kann. Der mit dem Islam und seinen finanziellen Segnungen sympathisierende US-Präsident Jimmy Carter und die Demokraten betreiben seit 1977 die systematische Demontage des Schah, weil der sich den Ansinnen des Erdnußbauern widersetzt. Ähnlichkeiten mit dem "arabischen Frühling" sind nicht zufällig.

1979 beteiligt sich die MEK/MKO aktiv und als eine der führenden Organisationen an der von den USA geförderten schiitisch-islamischen Revolution, die angeblich von niemandem vorausgesehen worden ist, Geheimdienste des Westens schauen in die andere Richtung. Was ich diesbezüglich an Traumtänzerei erlebt habe, kann man im Artikel Ashura-Tag im Iran, 11. Dezember 1978 - Ich wünsche Ihnen ein frohes Weihnachtsfest! nachlesen.

Die Volksmudschaheddin unterstützen 1979 die Stürmung der US-Botschaft in Teheran, wobei 52 US-Amerikaner 444 Tage lang als Geiseln gehalten werden. Bis 1981 arbeiten sie legal im Iran, werden aber dann wegen ihrer marxistisch-maoistischen Einstellung verfolgt. Einige ihrer Führer werden ermordet. Die Herrscher der totalitären Politideologie des Islam dulden keine andere totalitäre Ideologie und deren Vertreter neben sich. Das ist heuer täglich in den vom "arabischen Frühling" heimgesuchten arabischen Staaten zu sehen: Muslimbrüder gegen Salafisten gegen Schiiten gegen Alawiten gegen Marxisten gegen Atheisten, es ist ein Nullsummenspiel, in dem einer auf Kosten aller anderen gewinnen will, auch auf Kosten derjenigen, die gar nicht mitspielen, auf unsere, auf Kosten der westlichen Gesellschaft.

Wie staunt man, von Delphine Minoui zu lesen, daß diese Terrortruppe gleich nach dem Sturz des Schah, 1979, in den bewaffneten Widerstand gegen die Mollahs eingetreten sei, daß sie schon Anfang 1980 tödliche Angriffe auf das islamische Regime und seine Einrichtungen verübt hätten. Die Angriffe auf US-Bürger, ihre Einrichtungen und ihre Botschaft fallen bei ihr überhaupt weg, die MEK/MKO geht bei ihr nur gegen das Regime des Iran vor. Vielleicht, weil es Leser geben könnte, die sich fragen, warum die französische Regierung Terroristen, die gegen die USA operieren, in Frankreich duldet?

Es ist ein Jahr später, 1981, daß sie eine ganze Führungsriege im Iran wegbomben, dabei wird der rechte Arm des Ayatollahs Ali Khamenei lädiert; er kommt mit dem Leben davon. Man kann einiges dazu in meinem Archiv nachlesen. Es gibt ein Foto, aus dem Jahr 1991, von Maryam Radjavi und Fahimeh Arvani, ihrer Nachfolgerin in der Gunst ihres Ehemannes Massoud Radjavi, es ist nicht mehr online. Es zeigt zwei ernst blickende, ganz der revolutionären Sache verschriebene Frauen in Mao-Uniformen und roten Kopftüchern, im Vordergrund die ältere frustriert, die jüngere liebreizend im Hintergrund. Allahu Akbar.

Darüber und wie diese Gruppe in bekannter Muslimart die Feier- und Gedenktage westlicher Gesellschaften für sich vereinnahmt, wie sie ausstaffiert ist mit Finanzmitteln für ihre Wühlarbeit, liest man im Artikel Iran. Volksmudjaheddin als Kanonenfutter für den Westen. Nicht, daß damit gemeint wäre, Maryam Radjavi kämpfe noch einmal selbst, unter welcher Fahne auch immer, nein, damit ist gemeint, daß diese Frau und ihre Führungsriege ihre Anhänger den USA für ihre Operationen zur Verfügung stellen.

Heute kommen die Anhänger der Maryam Radjavi daher, als wären sie ohne Vergangenheit, geschichtslos, die "Präsidentin" zeigt sich in farbenfrohen lila und anderen pastellfarbenen Kopftüchern, passend Ton in Ton zum Kostüm, inmitten von persischem Kitsch. Mit wem man es zu tun hat, zeigen die alljährlich im April stattfindenden Feiern zum Geburtstag Mohammeds bzw. Mohammads: NCRI - It has become a sort of tradition in this pretty town of the Val d'Oise province. NCRI - Es ist für Muslime aus Paris zu einer Art Tradition in diesem schönen Ort der Provinz Val d'Oise geworden, den Geburtstag des Propheten zu feiern, liest man auf der Website des NCRI Foreign Affairs Committee, am 6. April 2007. Iranian Resistance celebrates Prophet Mohammad´s birthday, schreibt Maryam Radjavi auf ihrer Website, am 10. April 2008 (nicht mehr online). Irans Widerstand feiert den Geburtstag des Propheten Mohammad.

Maryam Radjavi, die "Präsidentin" des iranischen Widerstandes, die Anführerin der Vereinigung, die heute mehr denn je von Kreisen in den USA gestützt wird und zum Einsatz gegen die iranische Regierung in Frage kommt, ist damit wieder im Schoße der Ummah angekommen: "Le message de Mohammad est un souffle du printemps sur l´hiver de l´intégrisme. ... "L'islam et l'intégrisme sont deux idéologies, deux comportements et deux conceptions qui s’affrontent. Voilà qui est Mohammad, le Prophète de l’Islam: une lumière brillante qui guide vers une société basée sur la solidarité, la tolérance et l'égalité, le respect et l'amour ".

"Die Botschaft Mohammeds ist ein Frühlingshauch auf den Winter des Integrismus. ... Der Islam und der Integrismus sind zwei Ideologien, zwei Verhaltensweisen und zwei Konzepte, die miteinander rivalisieren. Bitte sehr, wer ist Mohammad, der Prophet des Islam: ein glänzendes Licht, das leitet in Richtung einer auf Solidarität, Toleranz und Gleichheit, auf Achtung und Liebe gründenden Gesellschaft." So bis heute nachzulesen auf ihrem Blog, vom 13. April 2008.

Das sind die muslimischen Partner und Kampfgenossen der USA in der islamischen Welt, diese, so bildet sich die Regierung unter Barack Obama und Hillary Clinton ein, könnten instrumentalisiert werden zur Schwächung Rußlands und Chinas, zur Verbesserung der eigenen Position durch Demontage der überlegenen Konkurrenten, um nicht zu sagen Gegner.

"Die Führerin einer iranischen militanten Gruppe, die am Freitag von der US-Terrorliste entfernt wurde, sagt, dieser Schritt werde ihrer Gruppe 'Gleichgewicht der Kräfte' in Bezug auf die Welt ändern - sie sagte sowohl einen höheren Bekanntheitsgrad in der Politik, bei der Spendensammlung und in der Diplomatie als auch einen Anstieg in Aktivitäten gegen das Regime im Iran voraus," bejubelt sich Maryam Radjavi gemäß einem "Interview" der Associated Press, vom 1. Oktober 2012.
Wie mit Ayatollah Ruhollah Khomeini, den Taliban und Osama bin Laden werden sie auch mit den neuen Freunden das bleiben, was sie von Anfang an gewesen sind: Der Zauberlehrling.