6. Juli 2011

Frankreich. Die Affäre DSK ist eine Affäre des Parti Socialiste


Le feuilleton DSK exaspère le Parti socialiste. Die Fortsetzungsgeschichte DSK bringt den Parti Socialiste zur Verzweiflung, titelt der Figaro. Wer es so interpretiert, daß es den Funktionären peinlich ist, den Domi-nique jemals in höhere politische Ämter befördert zu haben, der wird eines anderen belehrt. Die Parteiführung zieht keinerlei Konsequenzen, gleichgültig, ob Dominique Strauss-Kahn dank der ausgezeichneten Arbeit der Anwälte Benjamin Brafman und William Taylor III ungestraft aus diesem Einzelfall der angeblichen Vergewaltigung als vollständig oder teilweise reingewaschen hervorgeht.

Sie machen so weiter wie bisher. Seit vielen Jahren sind die Angriffe des DSK auf Frauen bekannt, seit vielen Jahren unternehmen die Funktionäre des PS nichts dagegen, und nun wird der Verlauf der Vorwahlen davon bestimmt, ob DSK ihnen die Ehre gibt, sich als Präsidentschaftskandidat zu erklären: "Le plus tôt sera le mieux", je eher, desto besser.

Anstatt daß der PS nach allem, was über dessen Verhalten Frauen gegenüber nunmehr in der Öffentlichkeit ausgebreitet wird, dem DSK eine Ansage macht: Lieber Genosse, was immer in New York bei der Affäre herauskommt, was immer mit der Anklage der Tristane Banon geschieht, Du wirst nicht als Kandidat des PS auftreten! bestimmt dieser Mann Programm und Terminkalender der Herausforderer des Nicolas Sarkozy. Sie kommen nicht auf die Idee, selbständig zu entscheiden, sondern sie laufen ihm hinterher: Führer befiehl, wir folgen!

Mit Dominique Strauss-Kahn wäre es nie so weit gekommen, wenn die Führungsriege des PS nicht aus unterwürfigen Männern und Frauen bestünde. Schon während der Amtszeit des François Mitterrand ist es deutlich geworden, kein Wunder, daß so farblose Gestalten wie der ehemalige Trotzkist Lionel Jospin nach oben gespült werden - übrigens ein Trauzeuge des DSK.

Wenn der Parteigänger und "Freund" des DSK Pierre Moscovici erklärt, diese unglaublichen Wellen müßten angehalten werden, dann sagt er nicht, von wem. Von ihm jedenfalls nicht, er erwartet es von andern - vom Staat? Auch die Parteigänger und Freunde des nach dem Fall des DSK nach oben getriebenen François Hollande (er ist entgegen meiner früheren Vermutungen nicht der Erfinder der Hollandsen Saus) sitzen wie das Karnickel vor der Schlange und beschweren sich, daß man seit dem 15. Mai, dem Tag nach der Verhaftung des DSK, von nichts mehr als von Sex und Geld spreche. Wer tut das? Sie selbst!

Die Kampagne gegen ihn, als er in den Porsche eines Freundes eingestiegen ist, also nicht in seinen eigenen, sondern er ist mitgenommen worden, die hat der Bürgermeister von Quimper Bernard Poignant anscheinend vergessen. Es ist vor der Sex-Affäre, und merkwürdigerweise sind dagegen außer den ewigen Nörglern über alles, was ein wenig nach Reichtum aussieht, vor allem Sozialisten Sturm gelaufen. Wenn man Menschen danach beurteilt, in welche Karrossen oder Hotjefiddel (Hotjefiddel ist ostwestfälisch und kommt vom französischen haute et fidèle, einer Werbung für Hochräder) sie einsteigen, dann muß man die Ansicht über fast alle Bürger neu definieren. Dann wäre ich ein Mitglied der uppersten Upper Class, BMW V 8Mercedes, Porsche 911, Ferrari FF, in allen bin ich schon mitgenommen worden, von Leukoplastbombern ("Wer den Tod nicht scheut, fährt Lloyd!") und Adventsautos ("Mach hoch die Tür!") nicht zu reden, und die Mercedes-, BMW-, Porsche- und Ferrari-Fahrer waren keine armen aber auch keine steinreichen Autobesitzer, eher Liebhaber guter Autos, die sich das geleistet haben.

Martine Aubry soll angeblich schon vor einigen Tagen informiert worden sein von DSK, daß er nicht kandidieren werde. Sie scheint es vor ihren Parteigenossen geheimzuhalten, vielleicht, um den Umfragevorsprung ihres Konkurrenten François Hollande einzudampfen? Wenn das politische Leben und das des PS vergiftet werden, dann nicht durch den sexkranken DSK, nicht einmal von dessen machtgeiler Ehefrau Anne Sinclair, sondern allein von den Funktionären des PS in Frankreich.

Am 13. Juli endet die Chance für die DSK-Epigonen und parteiinternen Gegner, ihre Kandidatur zu erklären. Es geht dann aber nicht los mit dem internen Wahlkampf, sondern sie werden weiter auf goldene Worte ihres Idols warten. Was wird er aus New York auf den Kontinent herüberschleudern? Lächerlicher können sich die Kandidaten nicht machen. Die Franzosen ermüden nicht davon, wie ein Mitarbeiter von Martine Aubry meint, sondern stärken ihre Lachmuskeln - ich kann es jeden Tag in meinem Stamm-Café bemerken.

Der PS erledigt sich ganz allein selbst, durch die Affäre DSK ist es nur beschleunigt worden. Jetzt wissen die Franzosen, daß François Hollande von dem Vergewaltigungsversuch an Tristane Banon umgehend unterrichtet worden ist, sie wissen, welche Rolle Anne Mansouret gespielt hat, die als Frau und Mutter im Frühjahr 2003 für richtig befindet, ihre Tochter von einer Klage abzuhalten, sie wissen, welch ein verrotteter Laden der PS ist. Ob vielleicht ähnliche Verhältnisse in anderen Parteien herrschen, das zu eruieren, bleibt keine Zeit. Mit jedem Dreck, der aus dem PS hochkommt, erstrahlen die Union pour un Mouvement populaire (UMP) und Front National (FN) in hellerem Licht. Man ahnt es nicht, wie viele Leute mir schon entweder ganz offen oder im Vertrauen erzählt haben: Ich hätte es nie gedacht, daß ich mal ernsthaft überlege, den FN zu wählen!

Wer in der Präsidentschaftswahl einen dieser fremdbestimmten, hilflosen Kandidaten vom Parti socialiste wählt, der hat es nicht anders verdient. Wer von den PS-Funktionären meint, er müsse Mitleid mit DSK haben, dem ist nicht zu helfen.

Dieser Artikel ist die Fortsetzung zum Artikel, vom 3. Juli 2001, Frankreich. 49 Prozent wollen einen "brünstigen Schimpansen" als Präsidenten. Dort findet man Einzelheiten dazu, daß die Funktionäre des PS seit Jahren Bescheid wissen, daß sie aber Frauen nicht sonderlich achten, sonst hätten sie dem DSK Einhalt geboten.