23. August 2019

Emmanuel Macron hält Hof in Biarritz

Bürger aus Perpignan, die sich für dieses Wochenende in Céret, in Le Boulou, Banyuls-sur-mer oder in einem anderen Ort auf der Strecke Süd-/Nordkatalonien verabredet haben, ob zu erreichen über die Autobahnen A7 und A9, über National- oder Landstraßen, wissen nicht, ob und wie sie in diese Orte und von dort wieder weg kommen werden. "Heimkehr aus den Ferien, G7, Straßenbauarbeiten ... hat man an der Grenze, in Perthus, an diesem Wochenende das Chaos zu erwarten?"


"Ost-Pyrenäen. Der Präfekt empfiehlt die Achsen um Le Boulou an diesem Wochenende zu meiden"

"Ende August werden traditionsgemäß die Straßen und Autobahnen, die die französisch-spanische Grenze überqueren, im Sturm genommen."

Der absolutistische Herrscher Frankreichs Emmanuel Macron nimmt keine Rücksicht auf das Ende der Ferien, auf Tausende von Urlaubern, die aus Spanien in den Norden Frankreichs und in die angrenzenden Staaten der EU zurückkehren. Er lädt in aller Selbstherrlichkeit ausgerechnet an diesem Wochenende, vom 24. bis 26. August 2019, die G7-Regierungschefs nach Biarritz ein.


Nach Biarritz? Moment mal, bitte! Liegt das nicht am Atlantik? Die genannten Orte aber, liegen sie nicht am Mittelmeer oder jedenfalls in der Nähe des Mittelmeeres? Richtig!

Im Baskenland herrschen seit Donnerstag strenge Kontrollen, Bewohner der von den Sicherheitsmaßnahmen betroffenen Zonen erhalten, seit dem 1. August 2019, Ansteckplaketten, mit denen sie sich ihrer Wohnung nähern dürfen. Lastwagen dürfen überhaupt nicht mehr über Irun und Hendaye nach Frankreich, der Verkehr, der sonst an der baskischen Küste entlang nach Norden fließt, wird umgeleitet in Richtung Mittelmeer. "G7: Biarritz im Belagerungszustand". Erwartet werden sieben Staatschefs der reichsten Länder der Welt, zur denen witzigerweise auch Italien zählt, nicht aber Spanien. Rußland ist aus dem Club, damals genannt G8, seit 2014 ausgesperrt. Erwartet werden an die 20 Staatschefs, 3 500 Journalisten und 3 000 Delegationsmitglieder.

Die Europäische Union ist für Frankreich und die G7 ein gleichberechtigter Staat!

France G 7: Le #G7Biarritz débute ce samedi dans un format renouvelé et avec la participation inédite des dirigeants de 8 pays invités et de plusieurs chefs d’organisations internationales.

C’est en travaillant avec tous que le #G7France luttera contre les inégalités !

"Der G7-Gipfel beginnt diesen Samstag in einem erneuerten Format und mit der ganz neuen Teilnahme der Chefs von acht eingeladenen Staaten und zahlreichen Chefs internationaler Organisationen.

Durch das Arbeiten mit allen wird der #G7France gegen die Ungleichheiten kämpfen!"

Die acht Staaten sind Australien, Chile, Indien, Südafrika, Ägypten, Ruanda, Burkina Faso, früher Haute-Volta, und Senegal. Nach welchen Kriterien diese acht auserwählt wurden? Mindestens die letzten beiden aus reinem Interesse Frankreichs an seinen alten Kolonien.


Gegendemonstranten der Alternatives G7 und der ATTAC France laden zum "Gegengipfel G7 Nein", und zu Demonstrationen, von Hendaye bis Irun, ab 19. August 2019: #G7WelcomeToParadise!

Hochtöner @Wollanup kommentiert: "Einen G7-Gipfel in Biarritz zu organisieren, Ende August ... Es gibt wirklich nur die Macronisten, uns eine solche Dummheit hervorzubringen!! Verblüffende Inkompetenz, Amateurismus und Dummheit ..."

Hochtöner, das kann ich Dir vielleicht beantworten. Schau bitte auf den Kalender. Was siehst Du?

Das folgende Wochenende, an dem der Großteil der Touristen zu Hause ist, wäre Freitag, 30. August, bis Montag, 2. September 2019. Du solltest einsehen, daß Emmanuel Macron nicht fehlen kann bei den Feierlichkeiten zum 80. Jahrestag des Einfalls Nazi-Deutschlands in Polen, oder?

Da wird er diverse Kränze abwerfen. In Reden wird der Präsident Frankreichs gewiß erinnern an den Beistandspakt mit Polen. Die Regierungen Frankreichs und Großbritannien versichern darin Polen "des Beistandes in jeglicher Form, sollte sich eine Situation ergeben, in der Polen zur militärischen Verteidigung seiner territorialen Unversehrtheit gezwungen wäre." "Am 25. März 1939 gibt London das Versprechen. Am 31. März folgt Paris mit einer Garantieerklärung." Als der Tag der Einlösung der Garantieerklärung kommt, sind die Briten sofort bereit und schicken ihr Militär über den Kanal. Frankreich jedoch hat das niemals ernst gemeint, es kommt sogar zu Feindseligkeiten der französischen Regierung und der Bevölkerung den britischen Soldaten gegenüber. Die sollen sich angeblich an die französischen Mädchen und Frauen herangemacht haben. Sie ziehen wieder ab.

Daran sollten Boris Johnson und die Briten denken, wenn es heute um den Brexit geht. Die Regierungen Frankreichs konnten noch nie etwas mit den Angelsachsen anfangen.

Die Franzosen verkriechen sich, statt Polen beizustehen, hinter der Maginot-Linie, richten sich im "Sitzkrieg" ein, in der drôle de guerre, im phoney war, und machen sich über die Wehrmacht lustig. Sie leben gut, die Offiziere bestellen sich Unterhaltungskünstler wie Maurice Chevalier; denn im Grunde sind sie auf Seiten Adolf Hitlers. Nach einigen Scharmützeln, die im Mai 1940 beendet werden, kollaborieren die französische Regierung  und der allergrößte Teil der Franzosen mit den Okkupanten, und zwar bis zu ihrer Befreiung, im August 1944. Die feiert Emmanuel Macron, auf dem G7-Gipfel, am 25. August 2019, mit seinen Gästen. Eine Abschlußerklärung des Treffens ist nicht vorgesehen.

"Paris hatte im Zweiten Weltkrieg verhältnismäßig geringe Schäden zu erleiden, aber die Bürger waren gedemütigt, hungrig und mißtrauisch, nach 50 Monaten unter den Nazis," meint The Mainichi, Japan.

"25. August 1944, die Befreiung von Paris: "der größte Tag nach der Einnahme der Bastille"

Die "Einnahme der Bastille" läuft eher so ab: Revoluzzer nehmen auf der Suche nach Waffenlagern eine als Gefängnis genutzte kleine Bastion ein, eine Bastille, in der neben dem auf Geheiß seiner Familie nach siebenjähriger Haft in Vincennes seit 1784 dort eingebuchteten Donatien Alphonse François, Comte de Sade, alias Marquis de Sade, noch weitere sechs Gefangene einsitzen, Urkundenfälscher, Geisteskranke und Kleinkriminelle. Tratschke berichtet darüber in der ZEIT, als diese noch ein lesenswertes Blatt ist, in der Ausgabe Nr. 29, vom 16. Juli 1982: "Aber in Wahrheit ist alles ganz anders gewesen. In Wahrheit hat es einen Sturm auf die Bastille gar nicht gegeben."

Die Befreiung Europas von Nazi-Deutschland durch die Sowjetunion, Großbritannien, die USA und ihre Alliierten hat es aber sehr wohl gegeben. Aus Frankreich wirkten General Charles de Gaulle und mehrere Widerstandsgruppen mit. Frankreichs Regierung hat diese bis zuletzt bekämpft.

Wer mehr über die Zeit von 1940 bis 1944 lesen will, dem empfehle ich dieses zeitlos gültige Buch:


Und @Wollanup, das darauf folgende Wochenende sieht den Staatspräsidenten Frankreichs und seine Minister schon wieder bei konzentrierter Arbeit, da hat Emmanuel Macron keine Zeit mehr für die "im Abstieg begriffene Angela Merkel", für den "unberechenbaren Donald Trump".  Also!