16. Juni 2011

Iran. Volksmudjaheddin als Kanonenfutter für den Westen

Von den Muslimen ist man es gewohnt, daß sie unsere Festtage entweihen und mit ihren politischen Propagandaansagen zweckentfremden. So geht es in Deutschland mit dem 3. Oktober, der zum Tag der offenen Moschee umfunktioniert wird, angeblich, um zu zeigen, daß die Muslime auch zur deutschen Einheit gehören, de facto aber, um die Aufmerksamkeit von unserem Festtag weg auf sich zu lenken, und so geht es in Frankreich mit dem 18. Juni, an dem zunächst die Gaza-Flottille II zum Krieg gegen Israel aufbrechen soll, was nun auf Ende des Monats verschoben worden ist, und auf dem die Volksmudjaheddin des Iran zu einer Großen Versammlung für die Demokratie und die Freiheit im Iran aufrufen. Der Termin, 15 Uhr, steht. Er wird, am 16. und am 18. Juni 2011, in Le Figaro auf der unteren Hälfte der Seite 8 bzw. 18 mit der in ein dunkelblaues Kopftuch zur hellblauen Jacke gehüllten Maryam Radjavi den Lesern verkündet. Den Preis für eine solche Anzeige entnimmt man den für Laien etwas unübersichtlichen Listen des Figaro. 40 000 Euro werden es mindestens sein. Vielleicht hat ja der eine oder andere am kommenden Samstag noch nichts vor?

Der 18. Juni 1940 ist der Tag, an dem General Charles de Gaulle von London aus über den Sender BBC gegen die Kapitulation Frankreichs und zum Widerstand gegen die deutschen Besatzer aufgerufen hat. "Quoi qu'il arrive, la flamme de la résistance française ne doit pas s'éteindre et ne s'éteindra pas". Was auch geschehen mag, die Flamme des französischen Widerstandes darf nicht verlöschen, und sie wird nicht verlöschen. Ich bin schon in mehreren französischen Wohnungen zu Besuch gewesen, in einigen von ihnen hängt der Appell gerahmt und hinter Glas an der Wand.

Vielleicht bekommen die Kämpfer gegen die iranische Diktatur aber auch Rabatt, werden sie doch inzwischen wie in Kreisen der USA, die mit jedem paktieren, der sie vermeintlich oder tatsächlich weiterbringt, von Osama bin Laden über die Taliban und die Muslimbrüder bis Maryam Radjavi, nicht mehr als Terroristen, sondern als willkommene Verbündete eingestuft. Der ehemalige hochranige Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrates unter Reagan-Bush und jetzige Gastprofessor an der Georgetown University Raymond Tanter, der Präsident der pro-MEK Propagandagruppe Iran Policy Committee, erklärt denn auch, er sei kein Lobbyist für die MEK oder ihren politischen Arm, den National Council of Resistance of Iran (NCRI), sondern ein Lobbyist für Amerika. Bis heute sieht Daniel Pipes das ebenso. Benyamin Solomon kommentiert dazu einiges auf Israel Insider und eröffnet eine Diskussion. Auf der Site NewsFlavor bezeichnet er die Frauen der MEK als marxistisch-feministische Monster.

Nach dem 8. April 2011, da 2 500 irakische Soldaten angeblich unbewaffnete iranische Dissidenten im Camp Ashraf angreifen, wobei 35 Menschen getötet und 350 verletzt werden, und seit Abgeordneten des US-Kongresses und des Europaparlaments im April und im Mai der Zugang zum Lager verweigert wird, ist Maryam Radjavi en vogue. Da kann Frankreich sich nicht entziehen, eine Hand wäscht die andere, siehe Libyen und den sogenannten NATO-Einsatz.

Maryam Radjavi und die MEK/MKO genießen außer dem Wohlwollen von Kreisen in den USA den Schutz Frankreichs. Auch die französischen Politiker sind Lobbyisten ihres Landes. Maryam Radjavi stellt derweil nach bekannter Muslimart Forderungen auf, in diesem Fall an die Vereinten Nationen, eine "unabhängige Kommission" zur Untersuchung des Angriffs im Camp Ashraf einzusetzen.

Was die nicht bewaffneten Dissidenten angeht, so kann man sich in Frankreich anscheinend nicht mehr erinnern, daß die National Liberation Army (NLA), die Armee der Maryam Radjavi und ihres NCRI, bei der Einnahme des Irak durch die amerikanischen und britischen Truppen, im April 2003, anders behandelt wird als saddamfeindliche arabische Gruppen, die vollständig entwaffnet werden.

Die NLA ist eine militärisch mit Panzern, gepanzerten Fahrzeugen und schwerer Artillerie wohlausgerüstete bestens finanzierte Truppe von geschätzten einigen Tausend bis zu 15 000 Kämpferinnen und Kämpfern gegen die iranische Regierung. Die NLA wird aufgefordert, ihre schweren Waffen abzuliefern, die Handfeuerwaffen aber dürfen die Kämpferinnen und Kämpfer behalten, obgleich sie vom US-Außenministerium, unter der Nummer 19, alphabetisch, unter 30 Organisationen, am 8. Oktober 1997 als terroristische Organisation eingestuft werden, was von Colin Powell im Mai 2002 bekräftigt wird. Unter dem Datum 16. Juni 2011 ist die Mujahedin-e Khalq Organization (MEK) seit dem 31. Oktober 2001 bis heute unter der Executive Order 13224 als terroristische Vereinigung gelistet. An Waffen kommt sie jederzeit leicht, Saudi-Arabien, Erzfeind des Iran im Machtkampf um die Region, ist nicht fern.

Auf der EU-Liste der terroristischen Organisationen, vom Heiligen Abend 2003, firmiert die MKO ebenfalls, allerdings mit dieser Einschränkung, die der EU einmal mehr in ihrer Konkurrenz zu den USA ein Türchen offenläßt:

Mujahedin-e Khalq Organisation (MEK or MKO) [minus the ‘National Council of Resistance of Iran’ (NCRI)] (a.k.a. The National Liberation Army of Iran (NLA, the militant wing of the MEK), the People's Mujahidin of Iran (PMOI), Muslim Iranian Student's Society)

Der NCRI ist nichts anderes als die außerhalb des Irak versammelte MEK-Kämpferriege, die sich taqiyya-gerecht gebährdet. Das aber hindert die EU nicht, zur Freude der Maryam Radjavi am 26. Januar 2009 auch die in der irakischen Diyala Provinz stationierte MEK/MKO von der Terrorliste zu entfernen.

Der Großeinsatz von 1 300 französischen vermummten Polizisten auf Anordnung des Antiterror-Richters Jean-Louis Bruguière, im Morgengrauen des 17. Juni 2003, verläuft jetzt folgerichtig vor dem Gericht im Sande. Gegen 24 Oppositionelle sind die Ermittlungen wegen Terrorismus zu Ende, darunter die gegen Maryam Radjavi, die Präsidentin des NCRI. Gegen neun Angeklagte wird aber weiter wegen Finanzdelikten ermittelt. Da darf man sich während der nächsten acht Jahre getrost zurücklehnen. Die viel effizienter als die amerikanische Justiz arbeitende französische wird etwa im Juni 2019 ihre Ergebnisse vorlegen. Die AFP nennt nicht einmal mehr den Sitz des NCRI, es ist Auvers-sur Oise.

Über Maryam Radjavi und die Terroristen der Mujahedin-e Khalq Organization (MEK oder MKO), der Volksmudschaheddin, in Auvers-sur-Oise, bei Paris, habe ich einige Artikel verfaßt, den ersten zwei Tage nach der spektakulären Operation, vom 17. Juni 2003: Paris nimmt Washington eine Entscheidung ab. Darin wird auch die Geschichte dieses maoistischen Trupps von Kindern der Bazaris geschildert. Die Gründer werden in den Gefängnissen des Schah ermordet. Selbstverständlich sind sie kämpfende Weggenossen des Ayatollah Ruhollah Khomeini, der sie nach errungenem Sieg ähnlich der Tudeh-Partei und ihrem Ersten Sekretär Noureddin Khianouri als Konkurrenten um die Macht vernichtet, soweit sie sich nicht in den Irak oder sonstwo ins Ausland retten können. Die Iraner haben ihnen bis heute nicht vergessen, daß sie im irakisch-iranischen Krieg den angreifenden Irak des Saddam Hussein kämpfend unterstützt haben.

*** Bei einer auf Ermittlungen seit dem Jahre 2000 beruhenden polizeilichen Großoffensive der französischen Sicherheitskräfte der Gegenspionage Direction de Surveillance du Territoire (D.S.T.), vom Dienstag, den 17. Juni 2003, am europäischen Hauptquartier der Mujahedin-e Khalq Organization (MEK oder MKO), der Volksmudschaheddin, in Auvers-sur-Oise, bei Paris, werden modernste logistische Mittel, darunter ein Fernsehstudio und Satelliteneinrichtungen sowie kugelsichere Westen und eine Summe in bar von acht bis neun Millionen Dollar sichergestellt. Bankauszüge beweisen, daß zwischen 1998 und 2000 mehrere Millionen Euro an die MKO transferiert wurden. Frankreich dient somit als Ausgangsbasis der Terrororganisation MKO.

Die MKO sei eine Gefahr für Frankreich und seine Bürger, sagt denn auch der Direktor der D.S.T. Pierre de Bousquet de Florian. Seit Anfang 2003 beobachte die D.S.T. die Ankunft in Auvers-sur Oise einer größeren Anzahl von Volksmudschaheddin, die bewaffnete Kämpfer im Iran gewesen seien. Das Hauptquartier in Auvers habe sich in eine Kommandozentrale, sowie in eine Zentrale zur Finanzierung und logistischen Unterstützung des bewaffneten Kampfes der MKO verwandelt. Die Zentrale funktioniere wie eine Sekte. Der fanatische Charakter der Mitglieder der MKO und deren Kult um Maryam Radjavi sei lange bekannt, ebenso wie ein mystischer Hang der Mitglieder zum Selbstmord. Es seien der D.S.T. Befehle in dieser Hinsicht für den Fall von drohender Verhaftung bekannt. Nachrichten über Selbstmordversuche durch Verbrennen lesen wir auch in deutschen Medien.***

Diese Fakten werden bald heruntergespielt, es ist alles nicht mehr wahr, die französische wie die US-Regierung hätten sich auf Grund von strategischen und Geschäftsinteressen im Iran dazu verstiegen, sich der Dissidenten anzunehmen, um Teheran zu gefallen, sei die Razzia durchgeführt worden. Nun also ist die Propaganda der Maryam Radjavi und des NCRI legal, der Teufel wird mit Beelzebub ausgetrieben.

Jetzt führt die 58-jährige Maryam Radjavi, geborene Azodanlu, wieder das große Wort, ihre mit rotem Kopftuch islamisierte Maoistenuniform - im Hintergrund des Fotos von 1991 die ebenso kostümierte schöne junge Frau ist Fahimeh Arvani, die neue Geliebte ihres Ehemannes Massud Radjavi - hat sie ausgetauscht zugunsten farbenfroher Kopftücher, Ton in Ton mit den Kleidern. Ein Blick auf die Google-Fotogalerie, und man behaupte noch, daß diese Bewegung mit dieser Frau an der Spitze eine Alternative zum Mollah-System sein könne, ein "mouvement démocratique du peuple iranien", wie es in der Anzeige des Figaro heißt. Man betrachte das Foto von ihr, wie sie unter einem Bild Yasser Arafats mit blauem Himmel und Friedenstaube sitzt, rechts oben, daneben, ein Foto ihres Mannes mit Yasser Arafat.


Die islamisch-marxistische Terrorgruppe MEK ermordet Amerikaner und andere Westler. Sie erhält Training durch die PLO. Gemäß Vladimir Kuziskin, dem früheren Chef des KGB-Büros für den Iran, ist die MEK eine wichtige Informationsquelle der Sowjetunion gewesen. Sie hat den Sowjets gegen die Amerikaner geholfen. Das also ist die Zukunft des Iran? Soviel Delkash und Yasemin kann man gar nicht hören, um sich auch nur ein wenig zu erholen von dem Alptraum. Dieser Terrororganisation bedienen sich die USA und Europa zur Eindämmung, wenn nicht Beseitigung des Mollah-Regimes.

Mohammed hat die Menschheit erleuchtet mit seiner Botschaft der Befreiung? Im Namen Allahs erklärt Maryam Radjavi, angetan mit passendem grünen Kopftuch, am 25. März 2008 auf der Sitzung des NCRI: "Le message de Mohammad est un souffle du printemps sur l´hiver de l´intégrisme". Die Botschaft Mohammeds ist ein Frühlingshauch auf den Winter des Integrismus. Das wollen ihre Landsleute wirklich hören und die passenden Kopftücher dazu sehen, davon versprechen sie sich Demokratie und Befreiung des Iran? "Iran ist Radjavi, Radjavi ist Iran. Iran ist Maryam, Maryam ist Iran."

Na, dann nichts wie hin, nach Villepinte, die Führerin wirbt Blau-in-Blau. Unterstützt das Ashraf Support Committee - vielleicht mit Waffen gegen den Iran? Das British Parliamentary Committee for Iran Freedom sammelt schon. Nichts ist wohlfeiler als die Subventionierung von Terrorgruppen, die für einen die Dreckarbeit tun. So hält es Frankreich mit dem Schiff Frankreichs für Gaza und mit dem für die Interessen Frankreichs in den islamischen Staaten wetternden linksradikalen Greis Stéphane Hessel. Die Regierung des Irak wird über die Kollekte der Briten begeistert sein, wie schon am 8. April. Und Märtyrer werden wieder gemacht, man braucht sich nicht mehr selbst zu verbrennen, das erledigt jetzt die irakische Infanterie; denn der Irak, ob es ihm recht ist oder nicht, kann sich auf seinem Territorium keinen Aufmarsch der Volksmudjaheddin gegen den Iran erlauben.