Tehran, den 29.3.65
Nun muß ich aber von meiner Reise nach Esphahan berichten! Am 22.3. sind wir hier losgefahren. Herr Wekilzadeh hatte 20 km von Esphahan entfernt in einer Fabrik zu arbeiten. Er hat an die Firma eine Enthärtungsanlage für Wasser geliefert.
Der Weg nach Esphahan ist sehr interessant, er führt über 400 km durch die Wüste. Der Boden ist bis auf kleine vertrocknete Dornbüsche unbewachsen. Hin und wieder sieht man ein Dorf, manchmal kommt man durch eine kleine Stadt. Die Häuser sind aus Lehmziegeln gebaut und unterscheiden sich in der Farbe kaum von dem übrigen Wüstenboden. Die Menschen sind sehr fleißig, sie schuften täglich bis in die Nacht hinein auf ihren Äckern. Leider sind die landwirtschaftlichen Geräte derartig primitiv, daß aus all der Arbeit wenig wird.
Wir haben im Gästehaus der Firma gewohnt und sind nachmittags nach Esphahan gefahren.
Esphahan ist viel schöner als Teheran. Es war einmal Hauptstadt des persischen Reiches unter Schah Abbas dem Großen. Dieser hat die Stadt sehr herrlich aufgebaut. Das Zentrum bildet der Maidan-e Schah [Meidan Emam], der Platz des Schah, um den herum die Moscheen liegen; sie sind wunderbar. Die Kuppeln der Moscheen sind außen und innen mit Kacheln ausgelegt, die manchmal klitzeklein sind, weil sonst ja die Rundung nicht richtig herauskommt. Die Farben der Muster sind Blau, Gelb, Grün und etwas Ocker. Rot sieht man kaum. Die Esphahaner haben wie jede Stadt ihre eigenen Muster, die Art kehrt immer wieder, z.B. auch in den Teppichen. Ich habe herrliche Teppiche gesehen, die waren sehr fein und dicht geknüpft. Aber fragt nicht, was die gekostet haben!
Isfahan Jameh Moschee 2024
Wir haben eine sehr alte Moschee* besichtigt, die teilweise 1700 Jahre alt ist. Damals war sie natürlich noch nicht Moschee; denn den Islam gab es ja noch gar nicht, sondern sie war ein Tempel der Zoroaster, der Zardoshti, der Anhänger des Zarathustra. Die Schrift in dieser Moschee war teilweise Kufisch; das ist eine alte persische Schrift.
*In einem Facebook-Artikel von Darius A. Kamali steht, sie wäre 1400 Jahre alt. Mit keinem Wort erwähnt die UNESCO, daß sie ein Zoroaster-Tempel war, sondern behauptet: 841 islamisch erbaut.
In Esphahan gibt es ein armenisches Viertel, das ist auch zu Schah Abbas' Zeiten entstanden. Damals wurden die Armenier, die in der Türkei angesiedelt waren, vom türkischen Sultan verfolgt und ausgerottet. Schah Abbas hat ihnen erlaubt, sich in Esphahan anzusiedeln, und sie haben bis heute noch ihre eigene Sprache und eine herrliche Kirche, die von außen aussieht wie eine Moschee. Innen ist sie über und über mit Heiligenbildern bemalt, dazwischen befinden sich auch persische Ornamente. Leider verfällt die Kirche, die Malereien werden immer weniger. Dafür hat man hier nämlich kein Geld, um die alte Kultur des Landes für die Nachwelt zu erhalten.
Auch die alte Moschee, von der ich schon schrieb, verfällt langsam aber sicher Hin und wieder hat man etwas an ihr getan, aber leider mit wenig Sinn für das, was Restauration wirklich zu sein hat. Alte Säulen mit wunderbaren Mustern - in den Stein gehauen - die sind einfach übermauert worden, so daß das jetzt nur noch quaderartige Gebilde sind - sieht sehr modern aus!
Kunstdenkmäler sind hier anscheinend nur so lange interessant, wie man sie verkaufen und zu Geld machen kann. Es gibt hier keinen entfernt nach einem Grabmal aussehenden Hügel, der nicht von der Familie des Königs wegen vermuteter kostbarer Funde angebohrt würde, aber Denkmäler, in die man investieren müßte, verkommen nach und nach.
Etwas Lustiges haben wir noch gesehen, das heißt "Dschum-Dschum"; es ist ein altes Grabmal mit zwei Türmen. Wenn man in den einen Turm steigt und kräftig an dem Fenster wackelt, so wackelt der andere Turm mit. Das zieht - besonders zu Eid-e Nowruz, zu Neujahr, sehr viele Besucher an, die Schlange stehen, um auch einmal zu wackeln.
Das Essen ist hier sehr gut und reichlich. Ich bin ja froh, daß es mir schmeckt. Ich wäre nicht sehr froh, wenn ich immer dies und das hinunterwürgen müßte, nur, um nicht unhöflich zu erscheinen.
Am Sonntag (Feiertag ist hier freitags) kam die Familie des Fabrikbesitzers aus Abadan zurück, wo sie Neujahr verbrachte. Es handelte sich schlicht um ca. 30 Personen, die in den wenigen Zimmern untergebracht werden mußten, darunter ca. 10 kleine verwöhnte Kinder mit ihren Kinderfrauen. Der Fabrikbesitzer ist ca. 50 Jahre alt, seine - zweite - Frau ca. 20-25 Jahre; sie hatte vier Kinder mit sich. Der Sohn aus erster Ehe mit seiner Frau und auch 3 - 4 Kindern, dann noch Teenager, schön bunt bemalt die meisten, aber alle so nett und gastfreundlich, daß ich mich ständig gewundert habe. An der Tafel nahmen selbstverständlich auch wir teil, und da wurde vielleicht aufgefahren!
Alle interessierten sich dann auch lebhaft für mich und redeten munter persisch auf mich ein. Ich verstand zwar einigermaßen, aber antworten konnte ich doch kaum. Sehr komisch!
Gestern Abend sind wir wieder in Tehran angekommen.
Vielleicht demnächst mehr ...
Auf meinem Blog



