Liebe Eltern,
Ich habe mich hier schon ganz gut eingelebt. Unter die Leute bin ich bis jetzt wenig geraten; das wird sich aber bald ändern. Ich bin schon in zwei persische Familien eingeladen. Leider spricht die eine davon so gut Deutsch, daß mein bißchen Persisch sich gar nicht hervortraut. Persisch ist eine wunderbare Sprache, sehr klangreich. Ich mag sehr gern hier wohnen, mal sehen, ob das so bleibt; es ist ganz anders als in Deutschland. Ich glaube, diese Lebensart liegt mir besser, obgleich es doch Merkwürdigkeiten gibt. Der Sohn der Familie braucht beispielsweise für seinen Führerschein 24 (!) Fotos, große und kleine. Hier liebt man es aus verständlichen Gründen sehr, seine Schäfchen im Bild zu haben, damit man immer im Bilde ist.
Meine Fortschritte in der persischen Sprache sind einigermaßen, trotzdem wird es noch einiges kosten, bis ich werde flüssig sprechen können. Zu der beabsichtigten Arbeit über die Presse hier ist mir die Erleuchtung gekommen, daß es damit in der kurzen Zeit, die ich hier bin, wohl nicht viel wird. Es ist kaum vorstellbar, wie schwer es hier ist, von Leuten etwas zu erfahren, noch dazu, wenn sie merken, daß man es zu Hause veröffentlichen will, dann ist es ganz aus. Ich habe mir da wohl doch zu viele Illusionen gemacht – wenn ich auch schon wenige hatte, als ich herkam.
Wie ich die Lage augenblicklich einschätze, werde ich zwar einen Bericht für unser Institut machen können („Allgemeine Eindrücke über die Presse Tehrans“ oder so ähnlich), zu einer Dissertation wird es aber gewiß nicht reichen. Das bedeutet, daß ich hier kein Jahr bleibe, sondern schon im Oktober nach Deutschland zurückkehren werde. Bis dahin habe ich genug Persisch gelernt, um in der Sprache meine Nebenfachprüfung zu bestehen. Mein Dissertationsthema werde ich allerdings ändern, es wird ein Thema über deutsche Belange sein.
Obgleich ich von allem hier begeistert bin, hat mir die kurze Zeit bereits gezeigt, daß man als Ausländerin nicht viel machen kann im Vergleich zu dem, was man an Möglichkeiten im eigenen Land hätte. Und das ist das Zweite, was mir hier aufgegangen ist, Tausende von Kilometern von Berlin entfernt: Man hat als deutsche Journalistin eine ganze Portion Verantwortung dafür, was im eigenen Land geschieht, man kann nicht einfach abhauen. Wenn man wirklich will, daß die Vernünftigen im Land mehr werden, kann man nicht selbst in den Iran gehen, weil es einem vielleicht Spaß macht. Andererseits brauche ich zum Promovieren drei Fächer, und eines davon muß ein historisches oder philologisches Fach sein. Für die Vorbereitung auf eine Prüfung im Nebenfach Geschichte bräuchte ich viel mehr Zeit als zur Vervollkommnung meiner Kenntnisse in Persisch und Iranistik; denn die Iranisten sind froh über jeden Studenten, der zu ihnen kommen will, sie kämpfen fast darum. Bei den Historikern und Germanisten ist es umgekehrt, da stehen die Studenten Schlange.
Tehran, den 3.4.65
Ich habe mich hier schon ganz gut eingelebt. Unter die Leute bin ich bis jetzt wenig geraten; das wird sich aber bald ändern. Ich bin schon in zwei persische Familien eingeladen. Leider spricht die eine davon so gut Deutsch, daß mein bißchen Persisch sich gar nicht hervortraut. Persisch ist eine wunderbare Sprache, sehr klangreich. Ich mag sehr gern hier wohnen, mal sehen, ob das so bleibt; es ist ganz anders als in Deutschland. Ich glaube, diese Lebensart liegt mir besser, obgleich es doch Merkwürdigkeiten gibt. Der Sohn der Familie braucht beispielsweise für seinen Führerschein 24 (!) Fotos, große und kleine. Hier liebt man es aus verständlichen Gründen sehr, seine Schäfchen im Bild zu haben, damit man immer im Bilde ist.
Tehran, den 23.4.65
Meine Fortschritte in der persischen Sprache sind einigermaßen, trotzdem wird es noch einiges kosten, bis ich werde flüssig sprechen können. Zu der beabsichtigten Arbeit über die Presse hier ist mir die Erleuchtung gekommen, daß es damit in der kurzen Zeit, die ich hier bin, wohl nicht viel wird. Es ist kaum vorstellbar, wie schwer es hier ist, von Leuten etwas zu erfahren, noch dazu, wenn sie merken, daß man es zu Hause veröffentlichen will, dann ist es ganz aus. Ich habe mir da wohl doch zu viele Illusionen gemacht – wenn ich auch schon wenige hatte, als ich herkam.
Wie ich die Lage augenblicklich einschätze, werde ich zwar einen Bericht für unser Institut machen können („Allgemeine Eindrücke über die Presse Tehrans“ oder so ähnlich), zu einer Dissertation wird es aber gewiß nicht reichen. Das bedeutet, daß ich hier kein Jahr bleibe, sondern schon im Oktober nach Deutschland zurückkehren werde. Bis dahin habe ich genug Persisch gelernt, um in der Sprache meine Nebenfachprüfung zu bestehen. Mein Dissertationsthema werde ich allerdings ändern, es wird ein Thema über deutsche Belange sein.
Obgleich ich von allem hier begeistert bin, hat mir die kurze Zeit bereits gezeigt, daß man als Ausländerin nicht viel machen kann im Vergleich zu dem, was man an Möglichkeiten im eigenen Land hätte. Und das ist das Zweite, was mir hier aufgegangen ist, Tausende von Kilometern von Berlin entfernt: Man hat als deutsche Journalistin eine ganze Portion Verantwortung dafür, was im eigenen Land geschieht, man kann nicht einfach abhauen. Wenn man wirklich will, daß die Vernünftigen im Land mehr werden, kann man nicht selbst in den Iran gehen, weil es einem vielleicht Spaß macht. Andererseits brauche ich zum Promovieren drei Fächer, und eines davon muß ein historisches oder philologisches Fach sein. Für die Vorbereitung auf eine Prüfung im Nebenfach Geschichte bräuchte ich viel mehr Zeit als zur Vervollkommnung meiner Kenntnisse in Persisch und Iranistik; denn die Iranisten sind froh über jeden Studenten, der zu ihnen kommen will, sie kämpfen fast darum. Bei den Historikern und Germanisten ist es umgekehrt, da stehen die Studenten Schlange.
Demnächst mehr!
Mit Gruß aus dem Hotel "Paris-Barcelona", Perpignan, an meine Leser!
Réseau Orange non détecté. Das Netzwerk von Orange nicht entdeckt! 19. August 2026
Auszüge aus dem Iran-Reisebericht einer Studentin: Teheran 2. 21. August 2026
Auszüge aus dem Iran-Reisebericht einer Studentin: Teheran 3. 22. August 2026