Das entspricht auf der Gesetzestafel dreimal einem Gebot und siebenmal einem Verbot, du sollst nicht, לֹא, "lo". Die Heilige Schrift, Exodus 20, 2 – 14.
Katholiken und
Protestanten fassen Exodus 20:2 und 20:3 in einem Gebot zusammen. So haben sie Probleme, auf zehn zu kommen. Deshalb trennen sie Exodus 20, 14, das Verbot, das Besitztum seines Nächsten zu begehren, Haus, Weib, Knecht, Magd, Ochse, Esel
und alles was deines Nächsten ist, in zwei getrennte Gebote. Ein Blick in die Stellen der Tora, der Heiligen Schrift, und man sieht, daß dort die Nummerierung nicht nur keine Rolle spielt, sondern, daß es sie nicht gibt.
Exodus 20:14 wird auseinandergerissen, als wenn zu vorchristlichen Zeiten eine Trennung zwischen Immobilien und beweglicher Habe, Personen, Tieren, Sachen bestanden hätte. Aber wenn's die katholische Kirche und Martin Luther so vorschreiben, dann trennt man das bis zum heutigen Tage, wobei die Katholiken das Begehren des Nächsten Weibes im Neunten Gebot verbieten, da kommt also immerhin zuerst die angetraute Ehefrau, wenn auch Sklaven zu Sachen degradiert werden, während bei den Protestanten die Habe wichtiger ist, vor allem das Haus. Mit den Bildern und Abbildern käme man in der Christenheit arg ins Schleudern, wäre es ein eigenes Gebot. Es ändert aber nichts daran, daß Exodus 20:4 ein Bilderverbot ausspricht, nicht nur vom Konterfei Mohammeds, sondern von nichts im Himmel droben und auf Erden hierunten, nichts im Wasser und unter der Erde. Juden und Muslime kommen dem in Synagogen und Moscheen nach.
Man kann davon ausgehen, daß die meisten Menschen, die nicht Theologie studiert haben, sich mit solchen Einzelheiten und vermeintlichen Spitzfindigkeiten nicht befassen. Welcher evangelische Christ erinnert sich nicht an seinen Konfirmandenunterricht, in dem der Pastor den
Katechismus herunterbeten bzw. -leiern läßt, mit dem zehnmaligen Was ist das? Bitte nicht verwechseln mit dem
Vasistas!
Kein evangelischer Pastor hat mir jemals erklärt, daß es sich um DAS WORT handelt, daß die Nummerierung keine Reihenfolge bedeutet, gar eine Hierarchisierung, daß sie nur ein
Hilfsmittel ist. Die Einzigartigkeit und Einheit aller zehn Gebote - in jedem sind die neun anderen eingeschlossen - muß so verborgen bleiben.
Die im Christentum vielbemühte “Nächstenliebe” ist in den Zehn Geboten nicht erfaßt, und das aus gutem Grund. Die Stelle im Leviticus 19:17-18 lautet so:
17. Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen; zur Rede stellen sollst du deinen Nächsten, daß du nicht seinetwegen Sünde tragest.18. Du sollst dich nicht rächen und nichts nachtragen den Kindern deines Volkes, sondern deinen Nächsten lieben, wie dich selbst. Ich bin der Ewige.
Es ist kein eigenes Gebot, sondern eine sich auf Juden untereinander sowie auf ihr Verhältnis zu Fremden sich beziehende Ausführungsbestimmung zu den zehn Geboten. Entsprechend handelt es sich bei den Erklärungen um praktische Beispiele. Man soll den Fremdling lieben wie sich selbst, dessen Recht nicht beugen, man soll dem Esel seines Feindes (!) aufhelfen, wenn er unter seiner Last zusammenzubrechen droht, dem hungrigen Feind soll man zu Essen geben, dem dürstenden zu trinken. Es steht die Absicht dahinter, ihn zu ändern.
Raschi von Troyes (4800/1040 - 4865/1105), der Rabban Schel Israel, der Großlehrer Israels, einer der größten Talmud- und Thorakommentatoren, bringt ein noch banaleres Beispiel: Einer weigert sich, dem Nachbarn seine Sense zu leihen, am nächsten Tag will jener sich von diesem eine Axt leihen, der sagt,
ich leihe sie dir nicht, wie du auch mir nicht geliehen hast, das ist Rache. Um Nachtragen geht es, wenn der Nachbar ihm die Axt gibt mit den Worten:
hier hast du sie; ich bin nicht wie du, denn du hast mir nicht geliehen; das ist Nachtragen, er bewahrt den Hass in seinem Herzen, wenn er sich auch nicht rächt.
Weitere lesenswerte Ausführungen zur christlichen Nächstenliebe findet man bei
David Seldner, in dessen Artikel
"Liebe deinen Nächsten wie dich selbst".
Die Zehn Gebote sind etwas anderes. Sie werden nicht mit Juden und Fremdlingen, mit Esel, Axt und Sense erklärt, sondern sie sind DAS WORT, sie sind nicht nummeriert oder gar nach Wichtigkeit geordnet. Raschi kommentiert (S. 370):
Exodus 20, 1. Gott sprach, dieser Gottesname hat die Bedeutung Richter; weil es Abschnitte in der Thora gibt, für deren Erfüllung der Mensch Lohn empfängt und deren Nichterfüllung er keine Strafe erhält (wie die freiwilligen Opfer, Lev. 1), hätte ich dies auch von den zehn Geboten meinen können; darum heisst es, Gott sprach als Richter, um zu bestrafen (Mech.) Alle diese Worte, das lehrt, dass der Heilige, gelobt sei Er, die zehn Gebote in einem Worte aussprach, was ein Mensch nicht so aussprechen kann; wenn es aber so ist, was lehrt dann noch, Ich bin ..., du sollst nicht haben ...? Er wiederholte dann und erklärte jedes einzelne Gebot für sich. Also, das lehrt, dass sie auf die Gebote mit Ja und auf die Verbote mit Nein antworteten (Mech.).
Deuteronomium 5, 12. Hüte, und in den ersten sagt er (Exod. 20,8), gedenke; beides wurde durch einen Ausspruch und ein Wort gesagt und durch eine Wahrnehmung gehört ...
Ausgeplünderte tote Juden dienen zur Erklärung des Neunten Gebotes
Eine Predigt über das Neunte Gebot, gehalten in der Stadtkirche Darmstadt Von Götz Aly
Am 28. Februar 2010 hält Götz Aly eine Predigt zum Neunten Gebot am Beispiel der Judenverfolgung. Wieder geht's in die Vergangenheit, einmal mehr gedenkt man der toten Juden; es gibt anscheinend nichts Angesagteres als die Beschäftigung mit Neid und Gier in Darmstadt – und nicht nur dort - zur Zeit des Dritten Reiches:
Immer, wenn du denkst es geht nicht mehr,
kommt von irgendwo 'n Jude her,
daß du ihn noch einmal wieder zwingst
und von Totenschein und Beute singst.
Leichter trägst des Alltags harte Last
und wieder Kraft und Mut und Glauben hast.
Buchmesse. Götz Aly „Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 bis 1945“
Beginn: 15.10.2025, 19:30 Uhr
Ende: 15.10.2025, 21:00 Uhr
Wo: Frankfurt am Main
Götz Aly zählt zu den bekanntesten Autoren zur Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust. Mit Rainer Hank (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung) spricht er über sein neues Buch „Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 bis 1945“.
«Götz Aly ist Historiker und Journalist. Er arbeitete für die „taz“, die „Berliner Zeitung“ und als Gastprofessor. » Ein Linker also.
Das Vorwort des Buches ist von Dr. med.
Vera Kosova, der Vorsitzenden des Vereins JAfD; sie ist in Taschkent geboren. Sie plädiert für weniger "exzessiv gelebte Erinnerungskultur" und stattdessen dafür, daß man "in Deutschland als Jude ein ganz normaler Mensch und Mitbürger" sein kann.
Über den Raub an Juden im Dritten Reich habe ich auf meiner im Orkus versenkten Website, am 13. November 2006, ausführlich am Beispiel der Firma des Alfred Leschnitzer berichtet, im Artikel
Leschnitzer - Konfektion - Juden in Krems, über Wortschöpfungen wie Entjudungsauflage, Judenabgabe, Zwangsentjudung, und über die schleppende Behandlung von Entschädigungsanträgen nach dem Krieg. Vielleicht stelle ich ihn demnächst auf diesen Blog.
Juden werden verfolgt, weil sie Juden sind!
Die Verfolgung der Juden ist weder im Islam noch im Christentum des Neides und der Gier geschuldet, die sind nicht Ursache, sondern Folge und Dreingabe; es zählt allein die Tatsache, daß sie Juden sind, ob arm oder reich. Der Grund für den Haß ist DAS WORT, es sind die Zehn Gebote, von denen niemand sagen kann, er kennte sie nicht. Der Jude Jesus predigt eben diese Lehre.
Götz Aly bedient sich der Mär vom gewissensgefesselten Volke. Das aber hat schon, siehe die
Leonard Tietz A.-G., im Jahre 1933, vor der 1938 systematisch wirkenden Arisierungsmaschinerie
vom Schicksal der Enteigneten nichts mehr wissen wollen. Die Deutschen brauchten kein Geheimnis, keine Offerte, keine Marmeladenvorräte, die ihnen geboten wegzusehen,
dass ihre Mitmenschen in den Tod deportiert wurden, sie haben auch nicht unter moralischer Überforderung gelitten. Ihre christliche Herkunftsmoral ist schon vor 1933 abhanden gekommen, der Abfall von allen zehn Geboten hat ihre Moral zerstört, und zwar zuerst die der deutschen Protestanten, was eine Graphik über die Verteilung der katholischen Population 1934 und das Abstimmungsergebnis für die Nationalsozialisten 1933 beweist.
Prozentsatz der Nazi-Stimmen 1933 und Prozentsatz der Katholiken 1934.
Reddit
Die Deutschen und Österreicher wollten die Vernichtung der Juden, welches Haus des jüdischen Nächsten hätten sie noch begehren können, als sie bis zum bitteren Ende kämpften? Und daß die Deutschen mit harter militärischer Gewalt von sich selbst befreit wurden, ist ja wohl ein Witz!
Gefolgt wird diese Fehleinschätzung der von sich selbst befreiten Deutschen und Österreicher von den Versuchen des Götz Aly, den Antisemitismus mit der
mächtigen Triebkraft des Neides und der
Habgier zu erklären. Den Ausspruch des Wilhelm Marr
"Wir sind diesem fremden Volksstamme nicht mehr gewachsen" reduziert er aufs Neunte und Zehnte Gebot. Es folgen allerlei Pseudobeweise für diese These, beispielsweise:
Im frühen 20. Jahrhundert zahlte ein jüdischer Bürger Frankfurts durchschnittlich viermal so viel Steuern wie ein protestantischer, achtmal so viel wie ein katholischer. Damit ist nicht erklärt, warum das nicht zum Ansporn für die Christen geworden ist, ebenfalls solche Höchstleistungen zu erreichen, und das durchschnittliche (!) Steueraufkommen der Juden Berlins, zur selben Zeit, wüßte ich auch einmal gern. Eike Geisels Buch
"Im Scheunenviertel" könnte weiterhelfen.
Vergessene Tage: Am 5. und 6. November 1923 zog der Mob prügelnd und plündernd durch die Grenadierstraße. Zehn Jahre vor Hitlers Machtergreifung wurden Juden geschlagen, beraubt und nackt durch Berlin getrieben, beginnt Karsten Krampitz seinen Artikel über das Scheunenviertel. Reiche Juden werden beneidet?
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus?
Weiterhin wüßte ich gern, wie Götz Aly diese Behauptung belegen will: Anders als die meisten Christen hatten sie (die Juden) in der alten, untergehenden sozialen Ordnung nichts zu verlieren. Die meisten Christen hätten von der Ordnung zu Beginn des 19. Jahrhunderts profitiert? Die meisten sind ebenfalls arm und haben nichts zu verlieren.
Götz Aly und die Überlegenheit der Juden
Und dann bringt Götz Aly ein Klischee nach dem anderen zur Überlegenheit der Juden über die Christen und zur Entstehung derer Neidantisemitismus. Er gerät geradezu ins Schwärmen: Der Bildungswille bezog seine Kraft aus drei Quellen: aus der Religion, der Jahrhunderte langen Rechtlosigkeit und aus der Urbanität. Und wie ist das mit den Landjuden?
Die Chronik der Familien Lucas und Keller, von
Eric Lucas: "Jüdisches Leben auf dem Lande" gibt Auskunft über die Verbindung des religiösen Lebens mit dem Berufsleben. Die acht Seiten über die 1864 geborene Tante Rosal dürften für eine Einschätzung reichen.
Nun kommt die Neidvariante der Verschlafenen, der Verlangsamten, Desorientierten, Faulen und Begriffsstutzigen. Ist Götz Aly im falschen Film, über heutige Muslime? Auch sie sollen die Gefährdeten, die wenig Selbstbewussten sein, das mache sie zu den Gefährlichen. Die gewaltsame Verbreitung des Islam wird ebenfalls solchen zugeschrieben, und das ist ebenso unzutreffend, oder wie erklärt Götz Aly, daß im Islam wie im Nationalsozialismus erfolgreiche gebildete Menschen agieren? In den beiden totalitären Systemen sind es diese, die den Terror durchsetzen.
Neid und Gier sind nicht wesentlich, sie sind Kategorien aus der Welt der Individuen. Götz Aly verwischt diese Tatsache gleich zu Anfang, in dem er die Zehn Gebote nicht an den einzelnen Menschen, sondern an die Menschen gerichtet sieht. Dann aber stünde in der Tora gewiß der Plural. Es ist auch nicht Israel gemeint, als Volk, sondern aufgerufen ist der einzelne Mensch, wie man an Exodus 20:6 sehen kann: Der aber Gnade übet am tausendsten Gliede denen, welche mich lieben und meine Gebote halten. Auch an den Geboten zur Ehrung von Vater und Mutter sowie nicht ehebrechen, morden, stehlen sieht man, daß der einzelne Mensch gemeint ist.
Neid
und Gier sind nicht wesentlich, sie sind Kategorien aus der Welt der
Individuen. Götz Aly verwischt diese Tatsache gleich zu Anfang, in
dem er die Zehn Gebote nicht an den einzelnen Menschen, sondern an
die
Menschen gerichtet
sieht. Dann aber stünde in der Tora gewiß der Plural. Es ist auch
nicht Israel gemeint, als Volk, sondern aufgerufen ist der einzelne
Mensch, wie man an Exodus 20:6 sehen kann: Der
aber Gnade übet am tausendsten Gliede denen, welche mich lieben und
meine Gebote halten.
Auch an den Geboten zur Ehrung von Vater und Mutter sowie nicht
ehebrechen, morden, stehlen sieht man, daß der einzelne Mensch
gemeint ist.
Von
diesen Geboten haben sich die Deutschen, jeder einzeln, seit dem Ende
des 19. Jahrhunderts schrittweise und dann ab Anfang der 30er Jahre
zügig verabschiedet. Der Haß ist vor dem kollektiven
Neid da,
man könnte vielleicht sagen: Wie können solche verhaßten Menschen
auch noch reich sein? Götz Aly kommt noch einmal mit dem Klischee
vom beneideten
Juden,
der zum Vogelfreien
wird. So muß es sein; denn sonst könnte er seine Predigt
umschreiben.
Zum
Schluß schenke ich meinen Lesern von Sidor Belarsky Dos
Lidl Fun Goldenem Land.
Es sind Erinnerungen eines Dichters an ein Lied, das ihm seine Mutter
gesungen hat. Ihre Schönheit, ihr tröstendes Lachen, ihre Augen,
die voller Liebe waren, sind ihm unvergessen. Aber er muß noch das
goldene Land seiner Träume finden, nach dem Lied seiner Mutter sehnt
er sich immer …
Überarbeiteter Artikel vom 15. Mai 2010
Quellen
Die vierundzwanzig Bücher der Heiligen Schrift. Übersetzung von Arnheim,
Exodus 20. Raschis Pentateuchkommentar. Selig Bamberger (Übersetzer).
Raul Hilberg: Die Vernichtung der europäischen Juden.
Übersetzt von: Christian SeegerHarry MaorWalle BengsWilfried SzepanThomas Bertram
Daniel Jonah Goldhagen: Hitlers willige Vollstrecker,