Ein Artikel, vom 26. August 2007. Update vom 16. Mai 2009Text und Links sind aktualisiert und ergänzt, am 13. Januar 2026
52 Jahre nach dem Erscheinen des wunderbaren 780 Seiten umfassenden Buches von Prof. Hellmut Ritter veranlaßt mich eine Auseinandersetzung mit den von der TAZ und sonst woher der WELT zugelaufenen Redakteuren über die Habilitationsschrift des Navid Kermani Der Schrecken Gottes. Attar, Hiob und die metaphysische Revolte und das Buch Allah und die Juden von Hans-Peter Raddatz, noch einmal hineinzusehen in das Werk über den Drogisten und Apotheker; es begleitet mich bereits seit 40 Jahren.
Reviewed Work(s): Das Meer der Seele. Mensch, Welt und Gott in den Geschichten des Fariduddin Attar by Hellmut Ritter. Brill, Leiden1955. Author(s) of Review: Hans-Helmhart Kanus-Crede. Die Welt des Islams, New Ser., Vol. 5, Issue 1/2 (1957), pp. 156-157. This article consists of 2 page(s).
Weil mir die 24,90 Euro zu schade sind für ein Werk, das angesehene Orientalisten lieber nicht rezensieren wollen und es den politischen Freunden und Bekannten des Navid Kermani überlassen, begnüge ich mich mit der Sichtung einiger Rezensionen, die auf der Site des Navid Kermani zusammengestellt sind.
Der Buchtitel und der erste Überblick über die Rezensionen erinnern mich an das neue, als wissenschaftliche Arbeit ausgegebene Propagandawerk des Tariq Ramadan In the Footsteps of the Prophet, wenn es auf der Sachbuchbestenliste von NDR/SZ der Monate Dezember 2005 und März 2006 heißt: In seinem neuen Buch stellt Navid Kermani eine Frömmigkeit vor, die verstört und provoziert: Es ist die Frömmigkeit der Heiligen und Narren, die Gott so nahe sind, daß sie allen Respekt vor ihm verloren haben. Den Grad der geistigen Verelendung der deutschen Mainstream-Medien sieht man an solchen Bemerkungen und an Ausrufen wie diesen: "Grandios." Die Welt. "Buchstäblich grenzsprengend." Frankfurter Rundschau. "Ergreifend." Literaturen. Navid Kermani - nicht als Schrecken Gottes, aber als der aller Leute, die sich ihre Vernunft nicht durch religiöses Gesülze von Autoren und Rezensenten verstellen lassen, die den Koran "ästhetisch" erleben: Gott ist schön, heißt der Vorgänger des Schreckens.
Hannes Stein, Berliner Morgenpost, 20. Januar 2006, WELT, 21. Januar 2006, trägt das schöne Buch über den Schrecken Gottes bis heute mit sich herum.
Die Rezensenten überschlagen sich vor Begeisterung über das bemerkenswerte Buch "Der Schrecken Gottes" über die philosophische Frage der Religion schlechthin, wie etwa Burkhard Müller, der verzückte Rezensent, in der Süddeutschen Zeitung. Für ihn ist laut Perlentaucher Navid Kermanis Buch "nicht weniger als ein kompletter Abriss der Theodizee" - der Rechtfertigung Gottes - "und ihres Gegenteils, des Haderns mit Gott, durch drei Jahrtausende und zwei Weltteile, das Morgen- und das Abendland". Mit der Theodizee, in der Form eines Ringens mit Gott, hat es in den Pressestimmen des Navid Kermani auch der Kölner Privatdozent für systematische Theologie, für Fundamentaltheologie [sic] Dr. Klaus von Stosch, für die Theologische Revue der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster: Es [das Buch] ermutigt dazu, nicht länger die absurde Frage nach der typischen Theodizee des Islam im Unterschied zur Theodizee des Christentums zu stellen, sondern Denkbewegungen zu vollziehen, die Wege zu einer praktischen und authentischen Theodizee weisen, die sich aus den Traditionen aller monotheistischen Religionen speisen."
Entsprechend stellt auch keiner der Rezensenten die Frage, ob es sich bei dem Gott des Fariduddin Attar überhaupt um den islamischen Allah handelt, oder ob nicht vielmehr Fariduddin Attar als ein im sunnitischen und schiitischen Sinne Ungläubiger zu bezeichnen ist. Er verfaßt tadkirat ul-auliya, Heiligenviten von muslimischen Heiligen, den Gottanvertrauten, wie M.M. Hanel, der Biograph und Apologet des Tariq Ramadan, Viel Feind - viel Ehr, sie nennt, aber Stephan Conermann bezeichnet sie treffend als bedeutende Sufis; Fariduddin Attar hinterläßt diwan und muxtar-name, lyrische Gedichte, sowie das pandname, ein Moralbüchlein, matnawis, belehrende und erzählende Werke, die zu den schönsten Blüten der neupersischen Poesie gehören. Er schreibt Xosrau u Gul, einen weltlichen Liebes- und Abenteuerroman. Hellmut Ritter schließt daraus, daß seine Werke letztlich auf hellenistische Vorbilder zurückgehen. Fariduddin Attar, geboren ca. 1145, gestorben 1220 oder 1229, ist nicht wegen, sondern trotz des Islams ein großer Schriftsteller und Dichter, der über das hellenistische Erbe mit Juden und Christen verbunden ist.
Von den vier aus religiösen und mystischen Lehren bestehenden matnawis, Asrarname, Buch der Geheimnisse, Ilahiname, Gottesbuch, Mantiq ut-tair, Die Vogelsprache, und Musibatname, Buch der Plage, weisen die letzten drei, darunter auch das von Navid Kermani behandelte, im Aufbau eine eigentümliche Abwandlung der indischen Form der Rahmenerzählung mit eingestreuten Einzelgeschichten auf, wobei die Rahmenerzählung in einer in sich geschlossenen, märchenhaften oder fantastischen Geschichte besteht ... Die Perser übernehmen diese Erzählweise aus Indien, aus dem Fürstenspiegel Pançatantra. Dieses Vorbild reicht bis zu den allseits bekannten Tausendundeinen Nächten. Die literarische Architektonik des Fariduddin Attar besteht aus Rede, Gegenrede und abschließender Belehrung. Ein Blick in Platos (427 - 347 v. u. Z.) Dialektik ist hilfreich.
Einen kleinen Schlenker mache ich zur zaban-i hal, der Sprache des Zustandes, in der, wie Hellmut Ritter sagt, ein lebloses oder doch der menschlichen Rede sonst nicht mächtiges Wesen beginnt zu sprechen, von sich selbst zu erzählen und Dinge zu sagen, die nichts anderes sind, als eine fantastische, poetische Umdeutung und Ausdeutung seiner spezifischen Eigenart und Situation.
Vielleicht gibt dies Lesern, die über mein Schaf erstaunt sind, eine Erklärung, woher das blökende Tier stammt. Leider reicht es an die kunstvoll konstruierten Tiere des Mantiq ut-tair nicht heran.
Die Fabel des Mantiq ut-tair stammt aus arabischer Quelle, von Muhammad Gazzali (gest. 1111) und seinem Bruder Ahmad (gest. 1123). Dazu merkt Hellmut Ritter an: Die Anschauungen, die in dieser risale zutage treten, gehen über den Rahmen sehr gemäßigter mystischer Lehren nicht hinaus. ... Darüber, wo Gott zu finden ist, werden sie belehrt von denen, die den Weg zu Gott gefunden haben (d.h. wohl durch die Profeten und Gottesmänner). Sie finden ihn nicht durch Reflexion wie die Helden der filosofischen Robinsonaden, auch nicht durch mystische Versenkung. Ihr Verhältnis zu Gott ist das des Knechtes zu seinem Herrn.
Hier kennen wir den Islam wieder, wie er bis heute gelehrt und friedlich oder mit Gewalt verbreitet wird, wie auch hier: Gott verteilt Gnade und Ungnade so, wie es ihm beliebt. Er wählt zu seinen Freunden, wen er will. Das ist reine fundamentalistische Lehre, Gott, besser Allah in seinem Allwalten, bestimmt, wer ihn sucht und wer nicht und damit unselig wird.
Das ist weder der Gott der Juden und Christen noch derjenige der Mystiker; deren Ziel ist das Aufgehen in Gott, das in Gott Zerfliessen und in ihm umgewandelt werden. Fariduddin Attar verändert die arabische Vorlage der Gebrüder Gazzali im unislamischen Sinne, er erweitert den Schluss durch Hinzufügung des Entwerdungsmotivs und des Motives des Gott in sich selber Findens. Mit dichterischen Bildern erörtert er das Verhältnis der Schöpfung zu Gott im Sinne des Pantheismus, womit wir wieder entfernt sind vom Islam.
Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832) nimmt das auf in seinem Spätwerk West-östlicher Diwan, unter anderem im Moganni Nameh, Buch des Sängers, in dem Gedicht Selige Sehnsucht:
Sagt es niemand, nur den Weisen,
Weil die Menge gleich verhöhnet,
Das Lebend'ge will ich preisen,
Das nach Flammentod sich sehnet.
In der Liebesnächte Kühlung,
Die dich zeugte, wo du zeugtest,
Überfällt dich fremde Fühlung,
Wenn die stille Kerze leuchtet.
Nicht mehr bleibest du umfangen
In der Finsternis Beschattung,
Und dich reißet neu Verlangen
Auf zu höherer Begattung.
Keine Ferne macht dich schwierig,
Kommst geflogen und gebannt,
Und zuletzt, des Lichts begierig,
Bist du, Schmetterling, verbrannt.
Und solang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.
Weil die Menge gleich verhöhnet,
Das Lebend'ge will ich preisen,
Das nach Flammentod sich sehnet.
In der Liebesnächte Kühlung,
Die dich zeugte, wo du zeugtest,
Überfällt dich fremde Fühlung,
Wenn die stille Kerze leuchtet.
Nicht mehr bleibest du umfangen
In der Finsternis Beschattung,
Und dich reißet neu Verlangen
Auf zu höherer Begattung.
Keine Ferne macht dich schwierig,
Kommst geflogen und gebannt,
Und zuletzt, des Lichts begierig,
Bist du, Schmetterling, verbrannt.
Und solang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.
In seinem Werk spricht Johann Wolfgang von Goethe als Dichter, nicht als Person, gar als gläubiger Muslim. Seine Kenntnisse des Islam sind aus zweiter Hand; er nutzt unter anderem Übersetzungen von Friedrich Rückert und vom Freiherrn Joseph von Hammer-Purgstall.
Das Musibatname ist die Reise der Seele in der mystischen Meditation. Die Seele ist ein salik-i frikrat, ein Wanderer, der personifizierte Gedanke des Mystikers. Die Seelenstimmung dieses Wanderers ist die der inneren Not, Ratlosigkeit, Zwiespältigkeit und Verzweiflung. Der Wanderer sucht bei von ihm aufgesuchten mythischen, kosmischen und fysischen Wesen Hilfe, Wegweisung, Erlösung aus seinem quälenden Zustand. Schon diese Kurzbeschreibung zeigt, daß die Suche des Wanderers nichts mit dem Islam zu tun hat. Zwar verweisen ihn die Propheten, die er aufsucht, an Mohammed, und dieser zeigt ihm den rechten Weg, den in die eigene Seele, aber mit dem rechten Glauben hat das wenig zu tun, ähnlich wie bei Johann Wolfgang von Goethe wird der Islam zweckentfremdet. Es geht in dem Buch um eine allgemeinere Bitte um Hilfe aus einem heillosen Zustand.
Die Verbindung des Werkes zur Moderne ist überhaupt nur möglich durch seine Loslösung vom Islam. Er besucht nacheinander die Erzengel, die Thronträger, den Thron, das Throngestell, die Schicksalstafel, das Schreibrohr, Paradies und Hölle, Himmel, Sonne und Mond, die vier Elemente, den Berg, das Meer, die drei Naturreiche, Satan, die Geister, den Menschen, Adam, Noah, Abraham, Mose, David, Jesus, Mohammed, Sinnempfindung, Einbildungskraft, Verstand, Herz und Seele. Er benutzt wie im Mantiq ut-tair die zaban-i hal, die Sprache des Zustandes, es ist nicht zaban-i qal, gesprochene Rede: In der gesprochenen Rede wäre das Lüge, aber in der Sprache des Zustandes ist es wahr. Der Mensch trägt das ganze Weltall in sich und ist es selber. In einer Anrede an den "Schmerz" kommt er in eine Lage, wo er weder vorwärts noch rückwärts kann, und er erhebt sich in die Luft. Er enthebt sich zum Engel Gabriel und zu weiteren Engeln, zum Schluß kommt er zu Azra'il, dem Todesengel. Der kann ihm auch nicht helfen:
Auf der Schulter den Thron und den Fuß im Leeren. Im Paradies angekommen, lernt er, daß die Mehrzahl der Bewohner des Paradieses die Einfältigen seien ..., während die wahren Frommen es verschmähen, in der Hölle angekommen, sagt diese, sie brenne vor Angst, dass sie selbst einst vergehen werde (wegen Sure 28:88). Auch die Geister können ihm nicht helfen. Der Prophet Mohammed wird einer sein unter vielen von der wandernden Seele aufgesuchten Wesen. Er spricht nicht von Unterwerfung, nicht vom Frieden im Islam, schon gar nicht vom Krieg gegen die Ungläubigen, sondern er sagt: Werde zu nichts in dem Sein Gottes, werde ein Schatten, der in der Sonne verschwindet! Der Weg dazu führt durch dein eigenes Innere. Dort hast du fünf Stationen zurückzulegen: die Sinneswahrnehmung, die Vorstellungskraft, den Verstand, das Herz und die Seele. Wenn du diese fünf Stationen hinter dir hast, dann siehst du dich selbst ohne dich selbst.
Der Wanderer erkennt nach dem Durchschreiten der fünf Stationen, dass er selber alles, der Urgrund aller Dinge ist. ... Der Wanderer begreift, dass er seinen eigenen Wert nicht erkannt hat und besser getan hätte, statt in die Welt in die eigene Seele zu gehen.
Nun bedarf ich eines Experten, der mir weismachen kann, was dies mit dem Islam zu tun hat. Nur weil es eben nichts damit zu tun hat, führen Verbindungen zum Judentum und zum Christentum. Nichts, was den Islam essentiell ausmacht, ist im Werk des Fariduddin Attar vorhanden. Der Dichter ist ein Sufi. Die Sufis gehören zu keiner Religionsgemeinschaft, erklären allerdings, erst mit dem Auftreten des Islams habe sich der Sufismus vervollkommnet.
Man kann nicht "Sufi" sein, ohne Muslim zu sein. Man nennt solche Äußerung auch Taqiyya. Schon allein, daß im Zusammenhang mit Sufis Allah mit God, Gott, Dieu übersetzt wird beweist das Gegenteil. Jede x-beliebige Sufi-Seite zeigt inhaltlich die Ferne zum sunnitischen, auch zum schiitischen Islam und zu Allah. Essenz des Sufismus: WAHRES Wissen wird von Herz zu Herz übertragen. Das ist nicht einfach ein Spruch, sondern erlebbare Realität.
SAT.1 GOLD ist der Sender für alle, die mit dem Herzen sehen. 😂
Das erzähle einer den haßbesessenen Sunniten und Schiiten, die sich von ihren selbsternannten Führern belehren lassen, wie sie welche Ungläubige umbringen müssen. Denen ist der Ansatz der Sufis zutiefst verhaßt. Statt Reisen ins Innere der Seele gibt es dort fünfmal am Tag das Gesicht in den Staub, den Hintern in die Höh'; denn Mord ist ihr Hobby:
„Wenn jemand sich der Propaganda des Islam in den Weg stellt und versucht, den Islam an seinem Vormarsch zu hindern, wird es notwendig, ihn zu zertrümmern und die Erde von seinem Schmutz zu reinigen, damit die Rechtleitung Allahs die Menschen erreicht und damit jeder Mensch in aller Sicherheit seine religiöse Freiheit genießt.“ (Tafsir Ruh al-Bayan, 236)
Orientalisten
Der Rezensent Laslo Scholtze kommt auf die Zunft der Orientalisten zu sprechen, die er Islamwissenschaftler nennt. Er meint in der literaturkritik Nr. 3. War beispielsweise Islamwissenschaft Mitte der neunziger Jahre noch eine exotisch wie milde Geisteswissenschaft, kann man mit ihr heute in Regierungs-Think-Tanks Karriere machen. Laslo Scholtze weiß anscheinend nicht, daß Orientalisten, wie die Islamwissenschaftler früher hießen, schon reichlich Karriere gemacht haben mit dem Wissen ihres Faches, der angeblich milden Geisteswissenschaft. Die Phantasie blüht. Wozu sich informieren, wenn man auf fliegenden Teppichen sanft über der Wirklichkeit schweben kann? Hier also einige als Beispiele, von denen allein schon St. John Philby und Hellmut Ritter ausreichen könnten, Laslo Scholtze zu widerlegen:
- Freiherr Joseph von Hammer-Purgstall (1774-1856), oesterreichischer Orientalist, Diplomat im Orient, Hofinterpret, Herausgeber der Fundgruben des Orients, Autor des zehnbändigen Klassikers Geschichte des Osmanischen Reiches, Präsident der Akademie der Wissenschaften zu Wien
- Friedrich Rückert (1788-1866), Orientalist, Gymnasiallehrer, Professor für orientalische Sprachen, Privatgelehrter, Redakteur, Dichter u.a. der von Gustav Mahler vertonten Kindertotenlieder, Übersetzer, einer der Begründer der Orientalistik, beherrschte 44 orientalische und europäische Sprachen!
- Ignaz Goldziher (1850 - 1921), Orientalist, Historiker, Rechts- und Religionswissenschaftler, Mitarbeiter an ungarischen und ausländischen jüdischen Zeitschriften
- Harry St John Bridger Philby (1885-1960), Arabist, Kolonialoffizier, Geheimdienstagent, Berater des späteren Königs Ibn Saud, Ornithologe, der mehrere Vögel benennt nach Damen, die er bewundert, einer der einflußreichsten Männer des Nahen Ostens, zwar nicht so bekannt wie sein Sohn Kim Philby, aber sehr viel mächtiger
- Franz Babinger (1891 - 1967), Orientalist, Historiker des osmanischen Reiches, Professor in Berlin und Bukarest, Autor des Klassikers Mehmed der Eroberer und seine Zeit
- Hellmut Ritter (1892-1971), Orientalist, Dolmetscher für Arabisch, Türkisch und Persisch, Vertreter der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft in Istanbul, Mitglied der Sprachkommission zu Transkription und katastrophalen Modernisierung des Osmanischen in lateinische Schrift (daher die vielen deutschen Umlaute. Teşekkürler 😂)
- Bernard Lewis (1916-2018), Orientalist, Historiker, Mitarbeiter des Foreign Office
Da fällt es dann nicht auf, daß der Rezensent Stephan Conermann, vom Bonner Institut für Orient- und Asienwissenschaften, aus dem Dunstkreis der Annemarie Schimmel (Wenn Frauen eine Reise tun ...), mit einer Leichtigkeit des Scheins das Buch des Navid Kermani mit dem des Hellmut Ritter nicht nur vergleicht, sondern behauptet, Navid Kermani käme zu einem schärferen Bild. Was er dabei über das Musibatname schreibt, mag ich nicht zitieren, es ist peinlich. Die fortwährenden Vergleiche mit westlichen Denkern, Thomas von Aquin, Augustinus, Baudelaire, Beckett, Bloch, Büchner, Camus, Dante, Meister Eckhart, Foucault, Gryphius, Heine, Horkheimer, Jonas, Kirkegaard, Leibniz, Nietzsche, Pascal und Schopenhauer müssen solange nichtssagend bleiben, wie nicht das zu vergleichende Werk angemessen definiert ist. Das liefern weder der Autor noch die Rezensenten.
Navid Kermani auf meinem Blog
Navid Kermani auf meinem Archivblog [sechs Artikel, aus dem Jahr 2009]
Dabei käme man schnell dahinter, daß der Islam nichts gemein hat mit den genannten Geistesgrößen, daß alles in der islamischen Welt Geistreiche und Niveauvolle dies trotz des Islams ist. Das kennt man auch von der Architektur, so ist der berühmte Architekt Koca Mimar Sinan Agha (1489-1588) Sohn christlicher Griechen. Im Alter von 12 Jahren wird er zwangsweise ins osmanische Heer gesteckt und islamisiert; und selbst die Moschee in Köln-Ehrenfeld wird heutzutage nicht von einem Muslim gebaut, sondern nur von diesen und einer netten katholischen Kölner Gemeinde bezahlt. (15)
26. August 2007
Update
Bernd Radtke, zusammen mit John O'Kane Herausgeber einer englischen Übersetzung des Fariduddin Attar, The Ocean of the Soul, kritisiert die wissenschaftliche Arbeit des Navid Kermani, in Band 159, Heft 1, 2009, S. 15-21, der Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft.
Die folgenden Zitate stammen aus dem Artikel von Bernd Radtke:
Über wissenschaftliche Redlichkeit: In: ZDMG 159 (2009), S. 15–21
Über wissenschaftliche Redlichkeit: In: ZDMG 159 (2009), S. 15–21
Das Ergebnis meiner Untersuchung lautet: Fast das gesamte Material aus dem Musibat-nama und anderer Literatur, das K. (Navid Kermani) für seine Darstellung verwendet, findet sich in Ritters Meer der Seele. Das wird jedoch in keinem Fall angegeben. K.s Übersetzungen folgen fast immer dem Ritterschen Wortlaut, manchmal gibt es sogar wörtliche Entsprechungen. K. bringt zudem fast gar nichts, was über die Texte von Meer der Seele hinausgeht. Zugegeben: K. hatte die persischen Texte selbst vor Augen, denn er zitiert zumeist korrekt die Seitenzahlen der neueren Textedition, die Ritter noch nicht benutzen konnte. Ich möchte vermuten, dass K. sich am Text Ritters orientiert und dann die Stellen im Musibat-nama aufgesucht hat. Ritters Zitierweise macht das zu einem Kinderspiel, wie ich selbst feststellen konnte. - Auch alle andere arabische und persische Literatur wird aufgrund von Sekundärliteratur zitiert, suggeriert wird jedoch die Lektüre der Quellen selbst. Übersetzt K. Texte aus dem Musibat-nama, die sich nicht im Meer der Seele finden, bzw. von mir darin nicht gefunden werden konnten, so ist die Übersetzung fast immer ungeschickt, oft fraglich, an vielen Stellen auch unrichtig ...
Das ist erst der Anfang des Verisses. Bernd Radtke sel.A. belegt seine Kritik in allen Punkten. Aus Gründen des Copyrights belasse ich es dabei.
Navid Kermani macht den Versuch, sich zu rechtfertigen. In: ZDMG 160 (2010), S. 155–157
Jeder blamiert sich, so gut er kann.
16. Mai 2009
Bernd Radtke: Wann haben wir eine echte wissenschaftliche Leistung vor uns? Electronic Journal of Oriental Studies, IX, 2006, No. 12, 1-49. Im Eussner-Archivblog
Navid Kermani auf meinem Blog
Navid Kermani auf meinem Archivblog [sechs Artikel, aus dem Jahr 2009]
