Ein Mann kommt vorzeitig von der Arbeit nach Hause; er trifft seine Ehefrau mit einem anderen im Bett an und ist wütend: "Ihr mehrt hier rum, und in der HO gibt's grad' Zitronen!" Dieser DDR-Witz fällt mir spontan ein, als ich die Jeremiade von Chaim Noll lese, die aktualisierte Fortsetzung von 2021.
Philippe Gélie erklärt im Leitartikel des Figaro in wenigen Zeilen, warum es für Gadi Eisenkot, den ehemaligen Generalstabschef der israelischen Armee, nicht zum Sieg reicht: Wiederherstellung des Rechtsstaats, gegen Korruption, für einen Untersuchungsausschuß zum 7. Oktober 2023, Ausschluß einer Zusammenarbeit mit den arabischen Parteien der Knesset, alles ohne die Vision einer alternativen Politik zu der von Benjamin Netanyahu, reiche nicht hin, und Anbiederung an die communité internationale sei bei der Mehrheit der Israelis nicht beliebt. Chaim Noll sieht es ebenso: "Was man Netanyahu in Europa vorwirft, sein vergleichsweise harter Kurs in der Außen- und Siedlungspolitik, macht ihn in Israel eher beliebt."
Auch Philippe Gélie interessieren die Zitronen nicht, obgleich er draufschaut; er erwähnt sie nebenbei, man könne die Palästinenserfrage nicht unsichtbar machen, die arabischen Parteien erhielten wahrscheinlich "etwa 20 Sitze", die "Israelis blendeten ihr Umfeld aus".
Die Zitronen sind die arabischen Parteien, sie sind heute in größeren Mengen in der Handelsorganisation Knesset zu haben, aber ihre Bedeutung für die Existenz Israels wird nicht problematisiert, im Gegenteil, Chaim Noll sieht einen Wechsel "möglich, da die Oppositionsparteien bessere Aussichten haben, die arabischen Parteien, die bei dieser Wahl den Ausschlag geben, in eine Koalition einzubeziehen." Schnell die Zitronen erwerben! Wunderbar, Bibi ist dann endlich weg!
"Die arabische Linke der Partei Chadash musste sich mit zwei weiteren arabischen Parteien, Taal und Balad, zu einer 'Vereinigten Liste' zusammenschließen, deren pragmatische und nationalistische Tendenzen ihr ehemals kommunistisches Profil glattschleifen werden."
Im Artikel, vom 10. Juni 2021, erwähnt Chaim Noll eine "bisher kaum bekannte, dem islamischen Traditionalismus verpflichtete Partei [Ra'am], deren Vorsitzender Mansour Abbas auch noch ein Namensvetter jenes zunehmend obsoleten Palästinenser-Chefs in der Westbank ist, der sich seit mehreren Jahrzehnten, vom Ausland dafür bezahlt, nicht mit Israel einigen kann oder will."
Der Zahnarzt und Imam, kurzfristig auch Minister, von Juni 2021 bis Dezember 2022, war zuvor der islamische Vertreter im High Follow-up Committee (HFC), dem Hohen Nachfolgekomitee (HFC), einer 1982 gegründeten "außerparlamentarischen Organisation, die als nationales Koordinierungs- und Vertretungsorgan für palästinensische Staatsbürger Israels fungiert".
"Israel weigert sich, den HFC als repräsentatives Gremium anzuerkennen, da es darin den Versuch sieht, eine politische Autonomie außerhalb der staatlichen Institutionen zu etablieren; der daraufhin von israelischen Behörden ausgeübte Druck hat den HFC daran gehindert, seine Führung neu zu besetzen." Dem Verfasser des Beitrags im ECFR kommen die Tränen.
Der 2007 von George Soros mitbegründete und finanzierte European Council on Foreign Relations ist bislang nicht als eine Denkfabrik aufgefallen, die sachlich über Israel forscht und berichtet, was den Vorzug hat, daß die Absicht der EU und des Vereinigten Königreichs deutlich zu erkennen ist, nämlich, langfristig Schluß zu machen mit dem jüdischen Staat. Dazu bedarf es der Zitronen!
Die Macht des israelisch-arabischen Ex-Ministers Mansour Abbas, von Thomas Vieregge
"Benjamin Netanyahu malte Mansour Abbas als Dämon an die Plakatwände. 'Rechts oder Palästina', so lautete die Losung des israelischen Premiers, der mit Angstpropaganda schon zahlreiche Wahlkämpfe erfolgreich bestritten hatte. Die Poster zeigten den Führer der Vereinigten Arabischen Liste (Raam) Seite an Seite mit Netanyahus israelischen Gegenspielern: Gadi Eisenkot, Naftali Bennett und Avigdor Lieberman. Es sollte suggerieren, dass seine Rivalen entgegen ihrer Ankündigung nach der Wahl gemeinsame Sache mit dem Führer der israelischen Araber machen würden und einen Palästinenserstaat etablieren könnten – woran derzeit keiner in Israel denkt. Auch Netanyahu hat mit ihm schon verhandelt."
Diese gemeinsame Sache findet Chaim Noll angebracht, damit Benjamin Netanyahu nicht mehr Premierminister ist, ab und weg! Anbricht die "Ära der Hoffnung". Stattdessen gehören die ethnisch-religiösen Parteien in Israel weg. In dem jüdischen Staat haben religiös orientierte Parteien keinen Platz. Das gilt auch für die jüdischen Parteien. Christen unterstützen in Israel je nach politischer Ausrichtung verschiedene bestehende Parteien, arabisch-dominierte Parteien wie Hadash oder Ra'am, säkulare oder zionistische Parteien wie den Likud. Wie ist es mit arabisch-palästinensischen Christen?
Wer den Islam kennt, der weiß, daß die islamisch-religiösen Parteien nicht gleichzusetzen sind mit jüdischen oder christlichen, auch da ist Allah nicht Gott. Die jüdischen Parteien beschränken sich auf Israel, sie mögen expansiv orientiert sein, über Judäa und Samaria hinaus vielleicht bis zum Euphrat reichen wollen, aber sie sind konstituierender Teil des Staates Israel. Auch eine etwa entstehende christliche Partei könnte in diesen Rahmen passen, nicht aber die arabisch-islamischen Parteien, gar unter der Herrschaft von Imamen. Die Zitronen werden in Zukunft die Mehrheit bringen. Bislang 10 Abgeordnete, jetzt doppelt so viele. Da können die Siedler noch so viele Kinder kriegen, die arabisch-palästinensischen Muslime kriegen mehr. Dann noch gerechnet die Islam-Linken unter den Juden Israels und die internationalen Unterstützer der Araber, und ihres zweiten palästinensischen Staates neben Jordanien, und es ist absehbar, wann Schluß ist mit Israel.
Die Geschichte lehrt, daß der Islam, um zu herrschen, nirgends einer zahlenmäßigen Mehrheit bedarf. Auf der Iberischen Halbinsel, im Waqf al-Andalus, sind die islamischen Invasoren in der Minderheit, es folgen freiwillige und Zwangskonversionen christliicher Iberer, der Muladies, Christen, die während der islamischen Herrschaft in Spanien zum Islam konvertieren, unter den Muslimen leben und keine Kopfsteuer mehr bezahlen müssen.
"Israels arabische Bürger entscheiden sich für die Wahlurne;
Palästinenser warten weiterhin auf unabhängige Kandidaten"
Israel's Arab Citizens Choose the Ballot Box; Palestinians Still Wait for Independent Candidates
by Khaled Abu Toameh, Gatestone, October 29, 2026 at 5:00 am
"So viel zu der pauschalen Behauptung, Israel sei ein 'Apartheidstaat'. Die Wahl zeigt, daß arabische Staatsbürger Israels wählen gehen, politische Parteien gründen, für Ämter kandidieren und eine beachtliche Vertretung im nationalen Parlament des Landes erlangen. Ihre gewählten Vertreter können die Regierungspolitik hinterfragen und Entscheidungen beeinflussen, die das gesamte Land betreffen. 2021 trat mit Ra'am sogar eine arabisch geführte Partei in die israelische Regierungskoalition ein."
So viel zur pauschalen Naivität, Israel könnte die arabischen Muslime mittels arabischer Parteien dauerhaft integrieren. Die arabischen Staatsbürger gehen so lange zur Wahl und kandidieren für Ämter, bis sie das nationale Parlament zur Machtausübung nicht mehr benötigen; sie hinterfragen dann nichts mehr und beeinflussen Entscheidungen, die das gesamte ehemalige britische Mandatsgebiet Palästina betreffen, sondern sie treffen die Entscheidungen selbst.
Wie wäre es, wenn Benjamin Netanyahu endlich einen geeigneten Nachfolger fördern würde?
