
Leser, die sich nicht wöchentlich, gar täglich mit dem Verbleib des Carlos befassen, stutzen. Sie sind der Ansicht, daß Carlos, in Deutschland bekannt durch sein Attentat, vom August 1983, auf das Berliner Maison de France, 1997 dreifachen Mordes in Paris, 1975, an zwei französischen Geheimdienstagenten und einem V-Mann wegen zu lebenslanger Haft verurteilt, in Frankreich einsitzt, gleichgültig, in welchem Gefängnis gerade. Zwei seiner Komplizen verbüßen ihre Strafe in Deutschland, und ein dritter, seiner Nationalität nach Jordanier, ist unauffindbar verschollen, vielleicht im Elend der palästinensischen Flüchtlingslager. Nun aber geht's mit Carlos erst richtig los. Zur Vorbereitung und Durchführung eines bereits nach fast 30 Jahren beginnenden Prozesses über die ihm in Frankreich zur Last gelegten vier Attentate aus den Jahren 1982 und 1983 sowie die Rechtmäßigkeit seiner Verurteilung ist er seit sechs Wochen in der Pariser Santé Häftling mit besonderen Vergünstigungen in einer Einzelzelle. Er darf fernsehen, Zeitungen lesen, dreimal die Woche telefonieren. Der Radiosender Europe 1 führt mit ihm ein Telefon-Interview.
Exclu - "un miracle que je sois en vie". "Ein Wunder, daß ich lebe." Ein siegessicherer Carlos, die linke Faust zum Gruß geballt, lacht dazu. EuropeOnline titelt:
"Carlos der Schakal" gibt Radio-Interview und zieht vor Gericht. Pech hat er allerdings, daß sein Bewunderer, Landsmann und Staatspräsident Hugo Chávez, seiner Krankheit wegen nicht viel für ihn tut, so tritt die staatsmännische Komponente heuer ein wenig in den Hintergrund.